Skigebiet Val d'Aosta: Ab Februar müssen Geimpfte bei der Einreise nach Italien keinen Test mehr vorweisen
Skigebiet Val d'Aosta: Ab Februar müssen Geimpfte bei der Einreise nach Italien keinen Test mehr vorweisen
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Kisa Markiza / iStockphoto / Getty Images

Urlaub in der Coronakrise Wie Omikron das Reisen zugleich erleichtert und erschwert

Omikron ist eh schon da – für die EU-Kommission ist dies ein Argument, das Reisen zwischen den Mitgliedstaaten weniger aufwendig zu gestalten. Aber der Testlabor-Engpass macht den Urlaub manchmal teurer.
Von Antje Blinda

Als ob Reisen während der Coronakrise nicht schon kompliziert genug wäre. Schon der Blick auf die Einreisebedingungen etwa nach Thailand lässt die Lust auf Urlaub schwinden – wenn es der auf die rasend schnelle Zunahme der Infektionen durch die Omikron-Variante und die Einstufung fast aller Länder weltweit als Hochrisikogebiete nicht schon längst getan hat: PCR-Tests vor und zweimal nach der Einreise verlangen die thailändischen Behörden, Registrierung für ein Einreiseprogramm und eine Nachverfolgungs-App, Krankenversicherung mit Coronaabdeckung, und die Liste ist noch lang.

Die Engpässe in den PCR-Testlaboren in Deutschland und die Priorisierung der Testpersonen könnten jetzt zudem den Urlaubsstart gefährden. Künftig sollen PCR-Tests vor allem für Personal in Kliniken und Pflege sowie für Risikopatienten vorgehalten werden, und trotz gegenteiliger Forderungen aus der Reisebranche verständlicherweise nicht für Urlauberinnen und Urlauber.

Viele Reiseländer machen bisher so wie Thailand auch für Geimpfte und Genesene einen PCR-Test im Heimatland zum Muss – dazu gehören auch europäische wie Österreich , Tschechien (in beiden Ländern gelten Ausnahmen für Geboosterte) und Bulgarien. Das hat den Bade- oder Skiurlaub schon bisher weiter verteuert; immerhin muss eine vierköpfige Familie in gängigen Teststationen so mindestens 200 Euro zusätzlich in den Pisten- oder Strandspaß investieren.

PCR-Test innerhalb von 35 Minuten: 279 Euro

Jetzt könnte die Testknappheit die Abreise verzögern oder sogar ganz verhindern. Etwa dann, wenn ein Testergebnis nicht rechtzeitig vor dem Abflug beziehungsweise vor der Einreise vorliegt. Kanada zum Beispiel verlangt einen PCR-Test, für den die Probenentnahme nicht früher als 72 Stunden vor Antritt eines Direktfluges erfolgen darf. Samt Anreisezeit zum Flughafen, Flug- und Umsteigedauer kann diese Vorgabe manchmal knapp zu erfüllen sein.

Wenn die herkömmlichen Testlabore nun angesichts der Omikron-Infektionswelle die versprochene Zeit, bis zu dem das Ergebnis vorliegen soll, nicht einhalten können, könnte die Maschine zum Fernziel schon mal ohne einige ihrer Passagiere abfliegen.

Die Lösung für jene, die sich nicht auf das 24-Stunden-Ankündigung der günstigen Tests verlassen wollen: private Testlabore, die etwa an Flughäfen Abstriche innerhalb kurzer Zeit vor Ort auswerten. Das hat allerdings seinen Preis. Am Flughafen Frankfurt zum Beispiel sind es 129 Euro bei drei Stunden Wartezeit und 279 Euro bei 35 Minuten Wartezeit. Am Hamburger Flughafen gibt es seit Januar das Angebot nicht mehr. Will man sich anderswo in der Hansestadt einen »3-Stunden RT-PCR Schnelltest« gönnen, können schon mal »ab 253,13 € incl. MwSt.« auf der Rechnung stehen.

So mancher Reiseveranstalter hat in seinem Preis für eine Pauschalreise einen nötigen PCR-Test inkludiert, doch bei der Auswertung waren bisher meist die normalen – und inzwischen oft überlasteten – Labore beteiligt. Einige haben nun »erhöhte Testkapazitäten bei privaten Testzentren für ihre Reisegäste eingeplant und unterstützen diese entsprechend«, teilt der Deutsche Reiseverband (DRV) mit.

Der Branchenverband fordert von der Politik, Sorge zu tragen, »dass mangelnde PCR-Testkapazitäten nicht zu einem weiteren Reisehindernis werden«. Insbesondere für zahlreiche Länder zum Beispiel in Afrika, Asien oder der Karibik sei ein PCR-Test für die Einreise notwendig.

EU will Reisen zwischen Mitgliedstaaten erleichtern

Innerhalb der EU ist der Grenzübertritt für Geimpfte oder Genesene meist ganz ohne Test möglich. Ausnahmen gibt es wenige – über Österreich, Tschechien und Bulgarien hinaus –, hier reicht aber auch der weitaus günstigere Antigen-Schnelltest zur Einreise:

  • Zum Beispiel gilt noch in Dänemark eine Testpflicht (PCR- oder Antigen-Schnelltest) für alle Einreisenden – ob geimpft, geboostert, genesen oder ungeimpft. Ob sie aufgehoben wird, will das Parlament bis Freitag entscheiden. Schweden hat sie für Geimpfte und Genesene Mitte Januar aufgehoben.

  • Bis mindestens 9. Februar müssen auch Geimpfte bei Einreise in Portugal einen PCR- oder Antigentest vorweisen.

  • In Zypern müssen alle Einreisenden bei Grenzübertritt ein negatives PCR- oder Antigen-Schnelltest-Ergebnis vorlegen.

  • Und im Dezember hatte auch Italien angesichts der Omikron-Welle eine zusätzliche PCR- oder Antigen-Testpflicht eingeführt, die auch für Genesene und vollständig Geimpfte gilt. Ungeimpfte müssen seitdem für fünf Tage in Quarantäne. Ab Februar erlässt das Land die Testpflicht für Einreisende aus anderen EU-Ländern. Ab kommendem Dienstag soll laut einem von Gesundheitsminister Roberto Speranza unterzeichneten Dekret der EU-Corona-Pass ausreichen. Die Gültigkeit von Impfzertifikaten wird allerdings gleichzeitig von neun auf sechs Monate reduziert.

Italiens Freigabe folgte auf einen Beschluss der 27 EU-Mitgliedstaaten am Dienstag, nachdem das Reisen innerhalb der EU erleichtert werden soll. »Reisende, die im Besitz eines gültigen digitalen Coronazertifikats der EU sind, sollten keinen zusätzlichen Einschränkungen bei der Reisefreiheit unterworfen sein«, hieß es in einer Erklärung. Das Zertifikat kann eine vollständige sowie Booster-Impfung, PCR- oder Antigen-Schnelltests oder den Genesenenstatus beinhalten. Auch sollte keine Rolle mehr spielen, von wo aus die Reise startet, wie also das Infektionsgeschehen im Abreiseland ist.

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Der Beschluss ist allerdings nur eine Empfehlung, die EU-Länder haben bei der Gesundheitspolitik weitgehend selbst das Sagen. Die Verbreitung der Omikron-Variante war hier das Argument für die Erleichterung: Wenn Omikron sowieso schon überall dominiert, helfen auch Abschottungsmaßnahmen nicht mehr. Zusätzliche Auflagen seien nicht mehr gerechtfertigt, da sie »Reisen in der ganzen EU erschwerten«, so die Kommission.