Kaum kostenfreie Tickets EU-Kommission speckt Interrail-Pläne ab

Kostenloses Interrail für Europas Jugend? Tolle Idee, lobt die EU-Kommission und sagt Unterstützung zu. Allerdings in so homöopathischer Dosis, dass der ambitionierte Plan nicht umzusetzen sein wird.
Interrail-Reisende

Interrail-Reisende

Foto: Stephanie_Pilick/ picture-alliance / dpa

Die EU-Kommission hat ihre Unterstützung für die Idee signalisiert, Jungeuropäer mit EU-Geldern gesponsert auf EU-Erkundung zu schicken. Allerdings nur prinzipiell und in einer so geringen Höhe, dass die Verwirklichung des ursprünglichen Vorschlags nicht möglich sein wird. Die von der Kommission in Aussicht gestellten Mittel haben homöopathische Größenordnung - mehr als ein wenig werbewirksame Kosmetik in Form einer Ticketverlosung für Wenige wird damit nicht zu machen sein.

Viele aktuelle Probleme der EU hängen fraglos am schwindenden Gemeinschaftsgefühl. Genau da wollte eine Gruppe von EU-Parlamentariern ansetzen und gegenhalten. Ihr Plan: Jungeuropäern zum 18. Geburtstag Interrail-Tickets zu schenken.

Anfang September hatte EVP-Fraktionschef Manfred Weber in einer Parlamentsdebatte gesagt: "Wir wollen dieses wundervolle Europa an unsere Jugend weitergeben. Jeder junge Europäer sollte zu seinem 18. Geburtstag ein Interrail-Ticket erhalten, damit er die Schönheit und Vielfalt Europas entdecken kann."

Weber sieht das Vorhaben als Mittel, nach dem Brexit-Votum der Briten mehr junge Menschen für Europa zu begeistern. Schnell schlossen sich dem weitere prominente EU-Parlamentarier an. Die Kosten dafür, glaubte Vize-Europaparlamentspräsident Alexander Graf Lambsdorff (FDP) noch im September, sollten sich mit Umschichtungen im EU-Haushalt stemmen lassen. Die Kosten, alle 18-jährigen EU-Bürger auf die Schiene zu setzen, wurden auf 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro geschätzt.

Trinkgeld statt Füllhorn

Was Brüssel zu geben bereit ist, liegt aber allenfalls im kleinen Prozentbereich dieser Summe. Die EU-Kommission stellte nun erste Mittel für den Interrail-Vorschlag bereit, ohne bisher konkret zu machen, wie wenig genau: Für das kommende Jahr seien ja zusätzliche 50 Millionen Euro für das EU-Bildungsprogramm Erasmus plus vorgesehen, sagte eine Kommissionssprecherin am Dienstag in Brüssel. "Ein begrenzte Summe" daraus könne genutzt werden, um die Mobilität junger Menschen zu fördern.

EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc hatte die Idee des kostenlosen Interrail-Tickets Anfang Oktober im Europaparlament begrüßt, aber auch auf Schwierigkeiten verwiesen, dies für alle 18-Jährigen zu finanzieren. Als Alternative hatte sie damals unter anderem eine Lotterie ins Gespräch gebracht, über die eine bestimmte Anzahl von Tickets verlost werden könnte.

Derzeit werde noch geprüft, "welcher Teil" der 50 Millionen für den Interrail-Vorschlag genutzt werden könnten und wie dieser in der Praxis umgesetzt werden könne, sagte die Kommissionssprecherin. Nachgedacht werde über eine "Testphase" im kommenden Jahr. Eine Option könne dabei sein, "einige Extramittel" für das sogenannte eTwinning-Projekt bereitzustellen, das Schüler und Schulen europaweit verbindet.

Mit einem Interrail-Ticket sind unbegrenzt viele Zugfahrten bei europäischen Eisenbahngesellschaften in einem bestimmten Zeitraum möglich. Die Preise sind nach Alter der Bahnfahrer, Dauer der Reise und Zahl der bereisten Länder unterschiedlich. Laut Kommission liegen sie derzeit zwischen 240 und 400 Euro pro Ticket.

AFP/pat
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