Expo-Kritik Zwischen Palast und Bazar

Facettenreich präsentiert sich Syrien auf der Weltausstellung. Der Stand bietet eine Mischung aus arabischem Straßenleben und exklusivem Palast. Die vielen kleine Räume halten eine Fülle an Informationen und allerlei Überraschungen parat.
Von Thorsten Pifan

Hannover - Menschen tummeln sich vor den Waren syrischer Straßenhändler. An der Ecke sitzen ein paar Männer palavernd, Tee trinkend und Wasserpfeife rauchend.

Der Orient lädt ein. Fast scheint es, als sei man direkt von der Leine auf die arabische Halbinsel gezaubert worden. In den Läden der Händler finden sich kunstvoll gestaltete Teller, Töpfe und zahlreiche weitere Metallwaren. Arabienfreunde haben hier die beste Gelegenheit, ein Schnäppchen zu machen - ohne kostspieligen Trip gen Süden.

Gegenüber der "Bazarmeile" finden sich große Räume, in denen sich einzelne Ministerien vorstellen. Beeindruckend wirken die großzügigen Empfangsräume, die jenen syrischer Paläste nachempfunden sind.

Sie lockern das offizielle Informationsangebot auf. Die Syrer wollen ihre Gäste nicht mit Inhalt überfordern - das Auge wird auf eine phantastische Reise mitgenommen.

"Heute kann sich ein Normalsterblicher solch einen Prunk gar nicht mehr leisten", erklären die syrischen Vertreter. "Vielleicht ein Präsident - oder ein Manager", sagt ein Syrer. Otto Normalverbraucher aus aller Welt haben jetzt zumindest die Gelegenheit, in die fremdartigen und zugleich prächtigen Räume für wenige Minuten hineinzuschnuppern.

Zu lange sollten Besucher die Beine nicht hochlegen und Tee trinken. Schließlich gibt es allerlei zu entdecken: ein ehrgeiziges Umweltprojekt etwa. Am Mittelmeer - rund um die Stadt Tartous - haben die Syrer große Probleme mit Wasserverschmutzung. Für die technisch aufwendigen Gegenmaßnahmen fehlt aber vor allem eines: Investoren. An einem 80 Kilometer langen Küstenstreifen soll mit Hilfe moderner Kläranlagen wieder sauberes Wasser ins Meer fließen.

An anderer Stelle werden die Besucher mit der großen und wechselvollen Vergangenheit Syriens vertraut gemacht. Von dort zogen einst die phönizischen Kaufleute aus. Syrien gilt als Wiege der Keilschrift. Später errichteten Kreuzritter ihre Trutzburgen in der Region. Ihre Reste ragen noch heute aus dem Wüstenstaub. Zuvor hatten bereits die Römer und nach ihnen die Byzantiner Spuren im syrischen Boden hinterlassen.

In der "Abteilung" für Archäologie präsentieren die Syrer das Modell einer der größten Zitadellen ihrer stolzen Nation. Das Original erhebt sich über die Dächer Damaskus - Syriens Hauptstadt. Eines wird noch vom Schleier der Geschichte verdeckt: Der Bauherr ist bis heute unbekannt.

Viele Herren haben die alten Mauern im Laufe der Jahrhunderte gesehen. Demnächst aber, erfährt der interessierte Besucher, soll das Geheimnis um die Nationalität der ersten Architekten gelüftet werden. Archäologen arbeiten derzeit emsig an der Lösung. Ist sie gefunden, soll das Gelände für Touristen zugänglich gemacht werden.

In einem anderen Teil werden Landschaft und Natur Syriens vorgestellt. Wie viele andere Staaten in der regenarmen Region versuchen die Syrer ihr Steppenland wieder fruchtbar zu machen. Das eindrucksvolle Modell, das Zukunftsvisionen vorstellt, lässt den Besucher ein wenig an dem Traum einer fruchtbaren Natur teilhaben.

Bewertung:
Note: 2-
Prädikat: orientalisch
Verweildauer: 25 Minuten.
Erholungswert: In den prächtigen arabischen Empfangsräumen lässt es sich nach einem Bummel über den Bazar prima ausruhen.


Expo-Porträt: Syrien
Auf einen Blick: Von A bis Z - Die Expo-Teilnehmer

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