Feldberger Seenlandschaft Mosaik der Himmelsseen

Wie eine Kette reihen sich die klaren Gewässer des Naturparks Feldberger Seenlandschaft aneinander: Krüselinsee, Carwitzer See oder Schmaler Luzin. Wo verbindende Kanäle fehlen, helfen Fahrgestelle den Kanuten, die Landpassage zu überwinden.

Carwitz - Gegenden wie diese gibt es sonst kaum in Deutschland: Die klaren Seen, die sich wie eine Kette aneinander reihen, mischen sich mit den alten, hoch gewachsenen Wäldern auf den Hügeln zu einem grün-blauen Idealbild der Sommerfrische. Kaum vorstellbar, dass die dünn besiedelte Region an der Grenze Mecklenburg-Vorpommerns zu Brandenburg, die eher an Finnland erinnert, nur rund 100 Kilometer von den Zentren der Macht, von Kanzleramt und Reichstag, entfernt ist.

Die Hügel und Seen, Moore, Wiesen und Wälder des Naturparks Feldberger Seenlandschaft sind ein Werk der Eiszeiten, Geologen erkennen hier eine mustergültige Endmoränenlandschaft: Als sich die Gletscher vor rund 10.000 Jahren wieder nach Skandinavien zurückzogen, hatten sie Geröll zu Bergen aufgetürmt. Zurück blieben auch riesige Eisblöcke. Als diese Gletscherreste schmolzen, sammelte sich in den Mulden Grundwasser.

Die Feldberger Gewässer werden Himmelsseen genannt, weil sie keine nennenswerten Zuflüsse haben und einzig vom Regen gespeist werden. Schon zu DDR-Zeiten wurde ihre Besonderheit erkannt, so dass an ihren Ufern mit Ausnahme der Schafzucht keine Landwirtschaft betrieben wurde. Das Schicksal anderer nährstoffarmer Seen, die durch intensive Landwirtschaft überdüngt wurden, blieb vielen Feldberger Seen daher erspart. Zum Naturpark wurde die Region, in der noch viele seltene Tier- und Pflanzenarten leben, 1997 ernannt. Neben den mehr als tausend Arten von Wildpflanzen, die hier wachsen - darunter auch heimische Orchideen wie das Knabenkraut - ernährt das Mosaik aus Land und Wasser See-, Schrei- und Fischadler sowie Schwarzstörche, Biber und Fischotter.

Wie Kühe auf der Sommerweide

Teil des Naturparks ist der vielleicht klarste See Norddeutschlands: Auch im Hochsommer, wenn das Wasser des Krüselinsees angenehme Temperaturen erreicht hat, können Badende im Flachwasser an seinem Nordufer kalte Füße bekommen: Waldgefiltertes Wasser aus dem höher gelegenen Dreetzsee quillt dort aus dem Boden. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass hier Schnorchler - Gerätetauchen ist seit 2002 verboten - einen Unterwassergarten erleben können.

Der Seeboden ist auch in mehr als fünf Meter Tiefe noch durchgehend mit Unterwasserpflanzen bewachsen. Krebsscheren und Armleuchteralgen stehen neben Tausendblatt und Wasserpest. Unter den Blättern der Seerosen und des Laichkrauts, das hier vom Grund bis zur Oberfläche wächst, schweben regungslos Hechte und warten auf Beute. Und wenn Trupps schwarz-weißer Flussbarsche im Licht durchfluteten Flachwasser über die hellgrüne Pflanzendecke ziehen, erinnern sie an Kühe auf der Sommerweide.

Über Wasser sind Krüselinsee, Carwitzer See oder Schmaler und Breiter Luzin nicht minder eindrucksvoll: Sie sind das Reich der Wasserwanderer, deren Kanus fast lautlos an Ufern vorbeigleiten. Schilfzonen wechseln sich mit umgestürzten Bäumen ab. Motorboote sind verboten - mit Ausnahme des Haussees, an dem die 3000-Seelen-Stadt Feldberg liegt. Anfang Mai eröffnete dort sogar ein Wasserskizentrum.

Kanus, Kajaks und Ruderboote können an vielen Stellen der Feldberger Seenlandschaft - meist an den Campingplätzen - geliehen werden. Die Gewässer sind durch Kanäle miteinander verbunden. Besteht keine befahrbare Wasserverbindung, gibt es Fahrgestelle - mehr als 500 Meter müssen die Boote allerdings nie geschoben werden.

Ältester Rotbuchenwald Deutschlands

Eine der interessantesten Routen führt vom Feldberger Haussee aus bis nach Fürstenberg im brandenburgischen Naturpark Uckermärkische Seen. Der Reiz der Tour liegt im Wechselspiel der Gewässer, die durchfahren werden: Mal geht es über lang gestreckte Rinnenseen wie den Schmalen Luzin mit seinen steilen Ufern, mal über große Wasserflächen und schließlich - bei hohem Wasserstand im Küstrinchen - mit der Strömung durch dichten Wald.

Ohne Boot lässt sich dagegen ein ganz besonderer Wald erleben: Die Heiligen Hallen westlich von Feldberg. Der Rotbuchenwald des bereits 1938 unter Naturschutz gestellten Gebietes gilt als der älteste Deutschlands. Die kahlen Stämme der bis zu 350 Jahre alten Bäume und das Dämmerlicht unter dem Kronendach in 40 Metern Höhe machen dem Namen des Waldes alle Ehre: Sie gleichen in ihrer Erhabenheit tatsächlich dem Innenraum einer Kathedrale.

Auch Künstler zog die Schönheit und Ruhe der Gegend schon früh an: Der Schriftsteller Hans Fallada (1893 - 1947) lebte von 1933 bis 1944 in dem ehemaligen Fischerdorf Carwitz. Auf der Suche nach einem ruhigen Platz in unruhigen Zeiten war er hier fündig geworden. Sein Haus ist heute eine Gedenkstätte. Fallada fand in der Idylle der Feldberger Seenlandschaft auch seine letzte Ruhestätte - allerdings erst 34 Jahre nach seinem Tod, als seine Urne 1981 oberhalb des Schmalen Luzin begraben wurde.

Von Arnd Petry, gms

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