Flughafen Tel Aviv Gate in eine unsichere Welt

Ein paar Tage Kultur in Israel, ein bisschen Badeurlaub am Roten Meer oder am Mittelmeer - am Flughafen in Tel Aviv kann einem die Erholung schnell abhanden kommen. Der Sicherheitscheck kann zu bösen Überraschungen führen.

Von Alexander Schwabe


Es genügt schon, als allein Reisender männlichen Geschlechts dem Schalter der israelischen Fluggesellschaft El Al zuzustreben. Wer ohne offizielle, staatlich abgesegnete Reisegruppe unterwegs ist, kann leicht als Terrorverdächtiger behandelt werden. Extremisten könnten dem Fluggast Sprengstoff untergeschoben haben, den sie per Fernzündung zur Explosion bringen könnten.

El Al: Jede Socke umgestülpt
REUTERS

El Al: Jede Socke umgestülpt

Der verdächtige Fluggast wird vom Gros der Touristen, die den üblichen Sicherheitscheck machen, geschieden und findet sich in einem Kreuzverhör wieder: "Warum kamen Sie nach Israel? Was haben Sie genau gemacht? An welchem Tag sind Sie eingereist? Wie lange haben Sie die Reise geplant? Wer war beteiligt? Wo haben Sie übernachtet? Wen haben Sie getroffen? Haben Sie Freunde in Israel? Wie oft waren Sie hier?", und, und, und. Die Fragetechnik ist ausgefeilt. Der erste Frager entfernt sich, eine zweite Person setzt es fort, der erste kommt zurück, die Fragen wiederholen sich: Wird sich der Befragte in Widersprüche verwickeln?

Dann lassen die besorgten Frager einen ohne jede Erklärung stehen. Den Reisepass haben sie einem abgenommen. Ein wenig entfernt kommt es zu Beratungen mehrerer Beamter verschiedenen Ranges. Beim geringsten Verdacht - woraus sich dieser speist, bleibt im Dunkeln - lässt der oberste Untersuchungsbeamte knallrote Marken auf die drei Gepäcksstücke des Urlaubers kleben: Alarmstufe eins! Volles Programm!

Nun wird alles ausgeräumt. Die Wäsche, die Bücher, der Waschbeutel. Jeder Kugelschreiber, jede Zahnpasta-Tube wird penibel untersucht, sogar eine Weinflasche wird geöffnet und auf Sprengstoff untersucht. Jede einzelne Socke wird umgestülpt. Während drei bis fünf Leute das Gepäck durchwühlen, wird man selbst in eine Kabine geführt, in der man gründlich überprüft wird. Der Beamte fordert einen auf, ständig beide Hände über dem Kopf zu halten. Ein Mitreisender im Flugzeug - ein Ingenieur aus Deutschland - berichtet davon, er habe gar die Unterhose ausziehen und sich nach vorn beugen müssen.

Als der terrorverdächtige Fluggast zu seinem Gepäck zurückkehrt, findet er Chaos vor. Die Angestellten sind dabei, die Reisetaschen wieder vollzustopfen. Einer der Beamten teilt mit, dass die bis ins Kleinste durchsuchten und mit Hightech-Geräten durchleuchteten Reiseutensilien noch immer nicht sicher genug seien, um als Handgepäck mit an Bord zu gehen. Ob man wenigstens ein Buch behalten dürfe? Abgelehnt! Ein Notizblock vielleicht? Abgelehnt! Ob man zum eigenen Schutz wenigstens die Sonnenbrille mit an Bord nehmen dürfe? Abgelehnt! Auch eine Ausgabe des SPIEGEL ist zu gefährlich, um mitgenommen zu werden.

So geht der Schwerverdächtige mit leeren Händen von einem Sicherheitsbeamten begleitet zum Gate in eine unsichere Welt.



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