Französische Alpen Störrische Weggefährten

Der braune heißt "Cacao", der weiße "Gypsie": Etwas traurig schauen die beiden Esel in die Bergwelt des Naturschutzparks Queyras. Sie sollen die Strapazen der Wanderer auf ihrem Weg von Hütte zu Hütte ein wenig mindern und die Kinder unterhalten. Doch so manches Mal machen die Grautiere ihrem Ruf alle Ehre.


Mit Grautier zum Gipfel: Esel sind im Naturschutzpark Queyras beliebte Wandergefährten
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Mit Grautier zum Gipfel: Esel sind im Naturschutzpark Queyras beliebte Wandergefährten

Die Ankunft im "Refuge de la Blanche" ist Entschädigung für viele Stunden Marsch. Hier oben, auf knapp 2500 Meter Höhe, ruht friedlich der See, und die von Schnee bedeckten Kuppen der französischen Alpen funkeln in der Sonne. Jetzt heißt es erst mal: Wanderschuhe ausziehen und die Landschaft des Naturschutzparks Queyras im Sitzen genießen. Eine heiße Dusche wäre nicht schlecht, aber die gibt's in der Berghütte nicht. Kaltes Brunnenwasser tut es dieses Mal aber auch.

Später dann werden die hungrigen Wanderer von Hüttenwart Francois zum Abendessen geladen. In einem winzigen Raum drängen sich an die 20 Menschen. Viele ältere Besucher sitzen, essen und lachen in dem urgemütlichen Zimmer mit Bergblick. Laute Stimmen und das Klappern von Tellern und Gläsern ergeben den aufgekratzten Berghütten-Sound.

Am Morgen waren die Wanderer im Städtchen St. Veran gestartet. Der nur einige hundert Einwohner zählende Ort befindet sich auf 2040 Metern in den französischen Hochalpen und rühmt sich, die höchstgelegene Gemeinde Europas zu sein. St. Veran ist das touristische Zentrum des Naturschutzparks Queyras in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur. Kneipen und Souvenirläden reihen sich aneinander, Restaurants werben auf bunten Tafeln um Kunden.

Esel sollen die Kinder bei Laune halten

Viele traditionell gebaute Holzhäuser stehen hier, Sonnenuhren in allen erdenklichen Variationen, und gut gemeinte Sprichwörter wie "Man sieht nur mit dem Herzen gut" zieren Häuserwände. In St. Veran lebt jeder vom Tourismus, sei es, dass er Zimmer anbietet, Bergtouren organisiert oder Esel vermietet wie Olivier, der Besitzer der Herberge "Les Estoillies".

Die französischen Hochalpen: Murmeltiere und üppige Lärchenwälder
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Die französischen Hochalpen: Murmeltiere und üppige Lärchenwälder

Zwei traurig in die Bergwelt schauende Esel bekommen die Wanderer mit auf den Weg. Einer ist dunkelbraun und hört deswegen auf den Namen "Cacao", der andere ist beinahe weiß und heißt "Gypsie". Die Esel werden allerdings nicht Koffer und Rucksäcke, sondern allenfalls ein bisschen Handgepäck der Gruppe schleppen. Denn in erster Linie dienen sie wandernden Familien dazu, die Kinder bei Laune zu halten.

Dummerweise erweisen sich die Tiere als ähnlich störrisch wie kleine Kinder. In der an die Wanderer verteilten Broschüre "Wie behandle ich einen Esel" steht denn auch, dass die Tiere sich in ihrem Verhalten durchaus mit fünf bis sechs Jahre alten Kindern vergleichen ließen.

Alles Städtische verschwindet

Denn nicht immer wollen die Grautiere dorthin laufen, wohin sie sollen. Dann bleiben sie einfach stehen und grasen oder galoppieren auch schon mal auf und davon. Bergführer Phillippe fängt sie dann dankenswerterweise immer wieder ein.

Kurz hinter St. Veran lassen Wanderer und Esel augenblicklich alles Städtische hinter sich: Hier flitzen Murmeltiere durchs Grün, üppige Lärchenwälder stehen Spalier, und die Wiesen gleichen einem Meer aus bunten Blumen. Nach ein paar Stunden steht eine Ruhepause auf dem Programm. Phillippe hat alles für ein Mittagessen dabei: Salatschüsseln werden verteilt, Brot, Käse, Schinken ausgepackt. Eine Flasche Rotwein hat er auch im Gepäck und zum Nachtisch gibt's Bioschokolade und saftige Aprikosen.

Bachüberquerung mit Esel: Oft wollen sie nicht so, wie sie sollen
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Bachüberquerung mit Esel: Oft wollen sie nicht so, wie sie sollen

Auch die Esel nutzen die Verschnaufpause, grasen und dösen unter ein paar Bäumen. Bergauf, vorbei an Kapellen, Wäldern, Wiesen geht es dann bis zum "Refuge de la Blanche". Derzeit wird eine neue Unterkunft hergerichtet. Doch einstweilen müssen sich die Besucher mit einfachen Zimmern ohne Komfort zufrieden geben.

Hüttenparty mit Musik und Schnaps

Am Abend drängt Phillippe dann noch zu einer Wanderung auf den Col St. Veran, immerhin in 2844 Meter Höhe gelegen. Von dort kann man nach Italien blicken, das allerdings in dieser vom Vollmond beleuchteten Nacht im Nebel versinkt. Im Restaurant der Berghütte herrscht derweil ausgelassene Partystimmung. Im Inneren wird Musik gemacht, zwei Männer spielen Gitarre, andere musizieren mit allem, was die Küchenschubladen hergeben. Dazu schenkt Francois großzügig Génépi aus, einen aus der Edelraute gewonnenen Schnaps.

Am Morgen darauf geht es nach dem Frühstück weiter, erst den Berg herunter, dann wieder einige hinauf. Inzwischen laufen die Beine wie von selbst, und auch die Esel machen alles mit. Vom "Sommet Bucher" bietet sich der Gruppe ein phänomenales Bergpanorama, bevor der anstrengende Abstieg ins Tal und die ersten ungewohnten Schritte auf asphaltiertem Boden folgen.

Zum Ausgleich werden die Wanderer in der Herberge mit herrlich kaltem Bier in Empfang genommen, und danach wartet nicht nur die heiß ersehnte Dusche, sondern auch ein Abendessen, wie Wanderer es sich nur wünschen können: Raclette, das in dicken Scheiben von einem halben Laib Käse gestrichen wird.

Von Shirin Sojitrawalla, gms



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