G7-Gipfel in Taormina Was Merkel, Trump und Co. auf Sizilien verpassen

Die Regierungschefs der westlichen Welt treffen in Taormina aufeinander. Ob sie von ihrem Tagungsort etwas mitbekommen? Wir zeigen, wie schön Sizilien für Urlauber ist, die Zeit haben.

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Da sind die Mafia, das chaotische Palermo, die vielen Flüchtlinge aus Afrika. Und da sind der Ätna, die Limonen, die griechischen Ruinen und die vielen kulturellen Einflüsse aus Arabien. Sizilien ist nicht nur problembehaftet. Und Italiens größte Insel ist nicht nur schön.

Vielleicht ist der Tagungsort des G7-Gipfels auf Sizilien daher auch passend. Denn Angela Merkel, Donald Trump und die anderen Regierungschefs verhandeln am Freitag und Samstag Themen wie Afrika, Klimaschutz und Arbeitswelt. Das beschauliche und zugleich sehr beliebte Taormina hoch auf dem Felsen Monte Tauro ist fast abgeriegelt, die Seilbahn zur Küste stillgelegt. Schulen sind geschlossen, mehr als 7000 Sicherheitskräfte im Einsatz.

Von Taormina, geschweige denn von Sizilien, wird der Besuch aus den USA, aus Japan oder Kanada wohl nicht viel sehen, wenn er im ehemaligen Kloster San Domenico Palace tagt. Vieles werden Trump, Trudeau und Co. verpassen:

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Zuallererst Taormina selbst: Einst fand der Jetset seinen Weg an die Nordostküste. Künstler wie Richard Strauß und Thomas Mann, Hollywoodstars wie Marlene Dietrich und Greta Garbo streiften durch die mittelalterlichen Gässchen mit den steilen Treppen. Im antiken Theater blickt man nicht nur auf Bühne und das Ionische Meer, sondern auch auf den Ätna. Das Wasser im Blick haben die rund 10.000 Einwohner und bis zu 1,3 Millionen Besucher im Jahr auch vom Corso Umberto I. und der Piazza IX. Aprile - hier wird zum Apèrol Spritz und zum Caffé gechillt und der Trubel beobachtet.

Natürlich den Ätna: Hoch über Sizilien thront der oft noch im Frühsommer schneebedeckte Vulkan, der ab und zu mit Rauchwolken den Flugverkehr lahmlegt. 3323 Meter hoch ist der feuerspeiende Berg, der Schauplatz zahlreicher Dichtungen und Legenden ist. Touristen gelangen mit Seilbahn und Bussen bis auf 3000 Meter, umrunden den Ätna per Eisenbahn - oder erklimmen auf geführten Touren zu Fuß oder auf Skiern die Gipfelkrater:

Palermos ausgezeichnete Street-Food-Szene: Wer ermattet ist vom Sightseeing-Programm in Siziliens Hauptstadt - von der barock-klassizistischen Kathedrale, den zahlreichen Kirchen und Adelspalästen -, der kann sich auf großartige Snacks freuen. Von "Forbes" wurde Palermo schon mal zur europäischen Hauptstadt des Street Food und unter die ersten Fünf der Welt gewählt. Hier gibt es pani câ meusa (Brötchen mit Milz), arancini (Reisbällchen mit Fleisch) oder sfincione (Pizza mit Sardellen und Pecorino-Käse). Berühmt ist beispielsweise die Antica Focacceria San Francesco für diese Leckerbissen, der Jugendstil-Imbiss befindet sich gegenüber der Kirche San Franceso.

Abgesehen von Palermo werden der Politikerriege auch die zahlreichen bezaubernden Städtchen und Dörfer Siziliens entgehen, die wie viele der kleinen Orte Italiens ein besonderes Flair haben: Cefalù zum Beispiel im Norden, mit dem beeindruckenden Normannendom unter einem 270 Meter hohen Felsen, dazu Fischerhäuser und ein Traumstrand. Oder Noto im Süden, eine Unesco-geschützte Barockstadt mit vielen Palästen und Kirchen. Oder die Bergdörfer Pollina, San Mauro Castelverde, Sperlinga und Erice. Was überall auffällt: die Relikte vieler unterschiedlicher Kulturen. Ob Griechen, Römer, Araber, Franzosen oder Staufer - sie alle haben ihre Spuren in Architektur und Küche hinterlassen. In der Fotostrecke sehen Sie mehr.

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G7-Gipfel in Italien: So schön ist Sizilien

Und das Beste: die Sizilianer. Einen direkten Kontakt werden Merkel und Co. bei ihrem Aufenthalt wohl nicht erleben. Anders als Touristen, die auf die Insel kommen und in kleineren familiengeführten Pensionen unterkommen. Die sich in Ferienwohnungen in Palazzi einmieten, in denen der Hausherr im Morgenmantel durch die Hallen führt und immer ein nettes Wort für seine Gäste findet. Oder die Urlaub auf dem Bauernhof machen, der nachhaltige Agriturismo wird auch hier immer beliebter.

Den Insulanern, fern von Rom, sagt man eine extrem starke Familien- und Traditionsbindung und eine gewisse Dickköpfigkeit nach. Dazu viel Temperament und angesichts eines Vulkans, der beständig auf ihrer Insel rumort, eine gewisse Schicksalsergebenheit. Mit Deutsch oder Englisch kommt man abseits der Hotels nicht sehr weit, aber mit Italienisch-Grundkenntnissen, Händen und Füßen kann ein Plausch schon gelingen.

In einem liegen die G7-Chefs jedoch richtig: in ihrer Reisezeit. Der Mai ist für Sizilien einer der schönsten Urlaubsmonate, ebenso wie April, Juni und September. Der Hochsommer bringt Reisende mit seinen bis zu 40 Grad Celsius schon ins Schwitzen.



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specialsymbol 28.05.2017
1. Wie ist das eigentlich mit den Kosten..
Wenn das gerade die beste Reisezeit ist, Taormina jedoch quasi "abgeriegelt" - wie geht die dortige Tourismusindustrie (die offensichtlich existiert) damit um? Zahlt Italien als Gastgeberland einen Ausgleich? Oder zahlen die Gastländer einen gewissen Obulus? Wenn ja, wie hoch fällt dieser aus und aus welchen Töpfen stammt er? Ganz ehrlich, das interessiert mich mehr als die Auskunft wo es gute Dönerbuden gibt.
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