Goldsucher in Lappland Die Nuggets von Lamborghini City

Von Oliver Lück

2. Teil: Süchtig nach Gold


Die Zeit von Mai bis November verbringt Riku hier in seinem kleinen Bauwagen. Meist alleine. Oft tagelang. In jeder Schaufel könnte der nächste Klumpen sein. Und ein paar Gramm findet er immer, so dass er die Kosten für die Maschinen, das Benzin für die Wasserpumpen und seinen Lebensunterhalt finanzieren kann. Aber reich werden? In den Wintermonaten, wenn das Thermometer auf minus 30 Grad und mehr fallen kann und die Suche unmöglich ist, arbeitet er als Schweißer. "Man braucht einen zweiten Job, vom Schürfen allein kann man nicht leben", sagt er.

Auch Jouni Patokallio geht das so. Er ist Zimmermann, baut Blockhütten. Ein stämmiger Kerl, 1,90 Meter groß, über hundert Kilo schwer. Doch er hat eine große Schwäche. "Hier ist überall Gold", sagt der 43-Jährige, "und ich bin süchtig." Patokallio trägt einen schwarzen Cowboyhut, den er aus dem Australien-Urlaub mitgebracht hat und nur im Bett absetzt. "Manchmal noch nicht mal da", sagt er und lacht. Einmal hat er ihn mit dem Wasser aus einem Fluss der Gegend gefüllt, um daraus zu trinken. Es war etwas Gold im Hut. "Seither habe ich das Fieber."

Der größte Nugget, den er und seine Frau Minna ausgruben, wog gerade mal 5,5 Gramm. Seit 20 Jahren sind sie auf der Suche. Ihre Eheringe sind aus dem Gold, das sie selber aus der Erde gewaschen haben. "Aber auch jedes Körnchen, das ein anderer schürft, spornt den eigenen Ehrgeiz an", sagt Patokallio.

"Wir müssen nur daran glauben"

Auf seinem Mobiltelefon zeigt er das Foto eines Goldbrockens, den ein Freund gefunden hat. "88,6 Gramm", sagt er und betont dabei sogar die Zahl hinter dem Komma. Doch Neid komme nicht auf, versichert er, die Funde beweisen ihm aber, "dass wir das Richtige tun. Wir müssen nur daran glauben."

Einzig die Tatsache, dass man ihnen seit neun Jahren die Lizenz für eine Mine verwehrt, macht den Patokallios zu schaffen. Die Genehmigung würde vieles einfacher machen. Die Plackerei mit der Schaufel würde endlich ein Ende haben. Seit aber 1997 – auch zum Schutze der Natur – die Gesetze geändert worden sind, werden keine Minen mehr zugelassen.

Seit 1992 habe man aber bereits die Schürfrechte auf dem Claim, sagt Minna Patokallio. "Wir haben das Recht auf eine Mine, und wir werden kämpfen." 25.000 Euro hat das Paar bereits an Anwaltskosten gezahlt. "Für uns gibt es kein Zurück", sagt Jouni Patokallio. "Viele kommen nach Lappland, um ihr Glück zu suchen, und gehen unglücklicher, als sie jemals waren. Wir bleiben."

In Inaris einziger Kneipe betrachtet Risto Vehviläinen den Dreck unter seinen Fingernägeln. Er sagt: "Der Sommer ist viel zu kurz." Wie lange wird er denn noch suchen? "Bis der Fluss endgültig zugefroren ist." Nein, wie lange er glaubt, überhaupt noch zu suchen. Riku versteht die Frage nicht. "Wie? Wie lange?" Er runzelt die Stirn. Diese Frage hat sich ihm noch nie gestellt, denn die Antwort ist klar: "So lange ich lebe."



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.