Zürich-Lugano Gotthard-Basistunnel nimmt Regelbetrieb auf

Monatelang wurde getestet, nun beginnt der planmäßige Zugverkehr im neuen Gotthard-Basistunnel. Am Sonntag werden erstmals regulär Passagiere hindurchfahren - allerdings nicht so schnell wie theoretisch möglich.

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Premiere im europäischen Reiseverkehr: An diesem Sonntag wird der erste reguläre Personenzug durch den neuen Gotthard-Basistunnel fahren. Der Eurocity EC 11 soll am Sonntag um 6.09 Uhr im Hauptbahnhof von Zürich losfahren und um 8.17 Uhr in Lugano an der Alpen-Südseite eintreffen.

Er wird maximal mit Tempo 200 unterwegs sein - erst später sollen in dem 57 Kilometer langen Tunnel 250 km/h erlaubt sein, so hat es das Bundesamt für den Verkehr verfügt. Die Strecke verläuft durch die Schweizer Alpen - von Erstfeld im Norden bis nach Bodio im südlichen Kanton Tessin.

"Mit dem neuen Fahrplan verkürzen sich die Fahrzeiten für Reisende aus Deutschland in Richtung Südschweiz", erklärt eine Sprecherin der Deutschen Bahn (DB). Je nach Zielort brauchen Fahrgäste dann rund 30 bis 40 Minuten weniger. Ende 2020 könnte es eine ganze Stunde Ersparnis sein, wenn der 15 Kilometer lange Ceneri-Tunnel als wichtiges Verbindungsstück nach Süden fertig ist.

Ein paar Beispiele für die schon anfangs geplante Zeitersparnis:

  • Die Strecke von Basel nach Lugano dauerte nach Angaben der Schweizerischen Bundesbahnen bislang rund 3 Stunden und 40 Minuten. Mit dem neuen Fahrplan sind es etwa 30 Minuten weniger.
  • Auch den Lago Maggiore können Reisende nach DB-Angaben rund 30 Minuten schneller erreichen, wenn sie über Locarno fahren.
  • Und wer nach Bellinzona im Tessin will, braucht mit dem Zug durch den neuen Tunnel rund 40 Minuten weniger.

Insgesamt sind es rund 50 Personenzüge, die künftig jeden Tag durch den längsten Eisenbahntunnel der Welt düsen werden. Im Zwei-Stunden-Takt werden der EC Zürich-Mailand, der IC Zürich-Lugano und der IC Basel-Lugano verkehren. Zudem soll 2018 eine tägliche Direktverbindung Frankfurt-Mailand eingerichtet werden.

Nach 17 Jahren Bauzeit ist der Gotthard-Basistunnel am 1. Juni eröffnet worden. 2400 Beschäftigte waren in Spitzenzeiten tätig, gearbeitet wurde rund um die Uhr in drei Schichten. Für die beiden einspurigen Hauptröhren sowie die Sicherheits-, Belüftungs- und Querstollen wurden insgesamt 28,2 Millionen Tonnen Material aus dem Gestein gebrochen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 23 Milliarden Franken (umgerechnet 21,5 Milliarden Euro).

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Mythos Gotthard: Postkutsche, Passstraße, Rekordtunnel

Güterverkehr könnte sich bis 2030 verdoppeln

Die flache Anfahrt zum Gotthard-Basistunnel ist dessen größter Vorteil: Sie erlaubt im Unterschied zur historischen Bergstrecke längere Züge mit größerem Gewicht, weniger Loks und kürzere Fahrzeiten. Besonders der Güterverkehr wird davon profitieren. Eine erheblich höhere Zahl an Zügen wird nun die Alpen durchqueren können. Statt bisher 180 Güterzüge pro Tag können es künftig bis zu 260 sein.

Quiz zum Gotthard-Basistunnel

Mehr als eine Milliarde Tonnen Fracht sind pro Jahr auf dem Schienenkorridor von Rotterdam an der Nordsee bis Genua am Mittelmeer unterwegs. Laut Prognosen wird sich dieses Volumen bis zum Jahr 2030 verdoppeln. Entsprechend weniger Lastwagen auf den Alpentransitstrecken würden gebraucht.

"Das wird erst in einigen Jahren in vollem Umfang spürbar werden", sagt Artin Adjemian, Verkehrsexperte bei der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar in Mannheim. Noch seien wichtige Zubringerstrecken im Südwesten Deutschlands überlastet. "Da gibt es noch einige Baustellen."

Bei der Eröffnungsfeier für den Basistunnel, dem eine halbjährige Testphase mit rund 5000 Güter- und Personenzügen folgte, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel schon gesagt: "Wir wissen, dass wir verspätet sind." Die Bundesrepublik sei durch die Eröffnung aber angespornt. Bereits heute fahren rund die Hälfte der alpenquerenden Transporte der Deutsche-Bahn-Tochter DB Cargo durch die Schweiz, wie ein Bahnsprecher berichtet.

jus/dpa



insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
jung&jang 09.12.2016
1. Sehr schön, aber
hinter Basel Richtung Norden wirds wieder eng und kurvig, ich kenne nicht den Verkehrwegeplan, aber dort im Süden zur Schweizer Grenze muss dringend etwas passieren, sonst nutzt der schöne Tunnel nichts
cobaea 09.12.2016
2.
Zitat von jung&janghinter Basel Richtung Norden wirds wieder eng und kurvig, ich kenne nicht den Verkehrwegeplan, aber dort im Süden zur Schweizer Grenze muss dringend etwas passieren, sonst nutzt der schöne Tunnel nichts
Eigentlich sollte der Anschluss auf der deutschen Seite (nördlich Basel bis Karlsruhe) längst fertig sein. Verträge sahen ein Ende der Bauarbeiten etwa 2014 vor. Die DB allerdings plante nach Gutsherrenart und wunderte sich dann, dass es auf der gesamten Strecke Einsprachen hagelte, weil die sich die Anwohner beispielsweise dagegen wehrten die neue doppelgleisige Hochgeschwindigkeitsstrecke mitten durch die Stadt (Offenburg) oder siedlungsnah mit minimalem Lärmschutz an die Gemeinden gelegt zu bekommen. Dann lehnte sie jahrelang sämtliche anderen Vorschläge ab, so dass alles seinen Gang durch die Instanzen gehen musste. Mit dem Erfolg, dass von der Anschlussstrecke - trotz Staatsvertrag - bisher nur ein Tunnel (!) bei Efringen-Kirchen fertig ist. Aber gemach: die italienische Anschlussstrecke ist auch nicht fertig. Könnte allerdings sein, dass die noch vor der deutschen fertig wird. Borläufig aber verlängert sich die Fahrzeit aus dem Tessin nach Mailand, weil die italienische Strecke überlastet ist und dort die Regionalzüge Vorfahrt vor den internationalen Zügen haben.
derhey 09.12.2016
3. Eigentlich Schade
daß im Süden und im Norden zur Schweizer Grenze noch eine Infrastruktur vorhanden ist wie anno 1960. Interessant dabei ist, daß sich das Ganze beim Brennerbasistunnel wiederholt: Der wird auch fertig aber die Zubringer in Deutschland und Italien haben noch nicht einmal Pläne fertig für die Anschlüsse. Traurig aber eben Banane. So tickt halt unsere Elite oder liegt es daran, daß die Schweiz nicht in der EU ist?
eldoloroso 09.12.2016
4. Da haben sich leider Zwei getroffen
Zitat von jung&janghinter Basel Richtung Norden wirds wieder eng und kurvig, ich kenne nicht den Verkehrwegeplan, aber dort im Süden zur Schweizer Grenze muss dringend etwas passieren, sonst nutzt der schöne Tunnel nichts
Tach, Das konnte leider nur schiefgehen. Einerseits die zentralgesteurte DB, die ohne Rücksicht auf Verluste eine wirklich landschafts- und wohngebietsunfreundliche Trasse pfügen wollte, auf der anderen Seite ein Pulk engstirniger NIMBYs die am liebsten und wenn überhaupt den Zug in einen langen Tunnel versenkt haben wollten. Keiner gibt nach et voilà: Es kam zu keinem brauchbaren Kompromiss und der Streckenausbau Basel-Karlsruhe stagniert seit Jahrzehnten.
mit66jahren 09.12.2016
5. Tunnelblick
Zitat von jung&janghinter Basel Richtung Norden wirds wieder eng und kurvig, ich kenne nicht den Verkehrwegeplan, aber dort im Süden zur Schweizer Grenze muss dringend etwas passieren, sonst nutzt der schöne Tunnel nichts
Unter Elektromobilität verstehen wir akkugetriebene Fahrzeuge, während die Schweizer traditionell auf die per elektrische Oberleitung versorgte Bahn setzen. Es darf geraten werden, wer von uns beiden, die Schweizer mit ihrer neuen St. Gotthard-Röhre oder wir den größeren Tunnelblick haben.
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