Graffiti in Athen Kunst der Krise

Tiefgrüne Dschungelpflanzen, ein gigantisches Auge, stürzende Türme: Die Motive der Graffiti an den Häuserwänden Athens sind kreativ und politisch zugleich. Die Kunstwerke machen eine Stadt bunter, die gerade einen Touristenboom erlebt.

DPA

Die Malereien bedecken ganze Gebäude, Eisenbahnwaggons und überziehen sogar Statuen griechischer Götter. Ihre Urheber haben nicht viel Respekt vor den Werken ihrer Vorfahren - und zurzeit nicht viel von der Obrigkeit zu befürchten: Die griechische Regierung hat andere Sorgen, als Graffiti in ihrer Hauptstadt zu ahnden.

Und so ziehen die Wände Athens nicht nur einheimische Künstler an, die gegen Sparmaßnahmen der Regierung und der EU und gegen Rechte protestieren. Sondern auch Graffiti-Maler aus aller Welt.

Wie zum Beispiel den in London lebenden Street-Art-Künstler Alex Martinez, der einen grauen Häuserblock mit Tukanen, Tauben und Regenwald überwuchern lässt. Und den aus Indonesien stammenden WD, der eine Figur mit einem Molotow-Cocktail jonglieren lässt. Der Fotograf Dimitri Messinis hat die zum Teil riesigen Werke für die Nachrichtenagentur AP aufgenommen.

"Viele Bilder spielen mit der Symbolik der Straßenkämpfe", sagt Ethnologin Julia Tulke, die ihre Masterarbeit über Graffiti in Athen geschrieben hat, in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". "Sehr viele Darstellungen greifen auch Motive aus dem Alltag auf und setzen sich mit der bedrückenden Wirkung der Krise auseinander, der Verzweiflung der Menschen, der Angst." Die Künstlerszene sei nicht besonders groß und relativ offen.

In der griechischen Hauptstadt herrscht jedoch nicht nur Verzweiflung. Die Cafés füllen sich wieder - auch mit Touristen; Festivals und Konzerte beleben die Straßen. Das Land konnte im vergangenen Jahr Rekordeinnahmen im Tourismus verbuchen und hat erstmals wieder mehr eingenommen als ausgegeben.

abl/AP

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