Griechenland Steinperle im Türkisblau

Chalki hat sich den ursprünglichen Charme einer Ägäis-Insel bewahrt. Das kleine griechische Eiland liegt abseits des Massentourismus. Besucher werden vom Bürgermeister persönlich begrüßt, bevor sie den Höhepunkt erklettern - und die wahre Belohnung genießen.


Der Weg nach Chalki wird von dampfendem, zuckersüßem griechischen Kaffee begleitet. Zwar gibt es für Touristen auch Instantkaffee, aber die sind auf der Fähre eher selten zu sehen. Nur wenige Besucher verirren sich auf die kleine Insel westlich von Rhodos, die auf den ersten Blick einem kargen Steinhaufen gleicht. Doch genau darin liegt der Charme Chalkis, das einst ein Zentrum der Schwammtaucherei war. Noch heute leben hier viele Einheimische vom Fischfang.

Früher ein Zentrum der Schwammtaucherei: In den Hafen der kleinen griechischen Insel Chalki kommen nur wenige Touristen
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Früher ein Zentrum der Schwammtaucherei: In den Hafen der kleinen griechischen Insel Chalki kommen nur wenige Touristen

Chalki ist klein - so klein, dass Takis Chrisoveris, der zweite Bürgermeister, jedem Besucher persönlich "Guten Tag" sagen kann. Auf der 28 Quadratkilometer umfassenden Ägäis-Insel wohnen gerade mal 500 Menschen, hinzu kommen bis zu 700 Touristen. Es gibt 20 Lehrer für 34 Schüler, 15 Autos und ein Taxi. Das fährt Alevadros Tsouroutis, der früher als Fischer zur See fuhr und Besuchern heute mit Begeisterung seine Insel zeigt. "Chalki ist die Insel des Friedens und der Freundschaft"", sagt er. Diesen Titel darf die Insel seit 1983 offiziell tragen.

Glanzstück ist Emporio, die Hafenstadt mit ihren weißen Häusern, die jedes Jahr vor Ostern frisch gekalkt werden. Emporio hat seinen ursprünglichen Charakter bewahrt, denn die alten Häuser dürfen nicht abgerissen werden. Direkt am Hafen reihen sich die Tavernen aneinander, nach Diskos und Touristenbars müssen Besucher lange suchen. Chalki zieht Touristen an, die Ruhe und Einsamkeit suchen. Vom Trubel vieler anderer griechischer Inseln ist nichts zu spüren.

Oregano und Krokusse

Eine befestigte Straße führt von Emporio ins Landesinnere und zu den Ruinen der verlassenen Hauptstadt Chorio. Alevadros lenkt seinen Wagen in waghalsigem Tempo und erzählt dabei wild gestikulierend von der Insel: Hier stiftete seine Familie eine Kapelle, dort ist sein Land zu sehen, auf dem ein paar Ziegen das dürftige Grün abnagen.

Wer Alevadros' rasanten Fahrstil scheut, kann den Berg auch zu Fuß erklimmen. In Chorio schlängelt sich ein Pfad durch die Ruinen hoch zur mittelalterlichen Johanniterburg. Felsklumpen flankieren den Weg, auf dem sich die kleinen Schönheiten der Insel zeigen: Zwischen einer Felsritze sprießt wilder Oregano und verströmt würzigen Duft, auch ein paar Krokusse zwängen sich zwischen den Steinen hervor.

Ausflug ins Mittelalter: Die Mauern der rund 600 Jahre alten Johanniterburg auf Chalki sind zum Teil gut erhalten
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Ausflug ins Mittelalter: Die Mauern der rund 600 Jahre alten Johanniterburg auf Chalki sind zum Teil gut erhalten

Erst oben wartet die wahre Belohnung. Die Wehrmauern und Zinnen der rund 600 Jahre alten Johanniterburg sind zum Teil noch gut erhalten. Besucher können über Mauern und Steine auf Entdeckungstour gehen. Ein Türbogen führt auf die andere Seite der Festung - und gibt den Blick frei auf das Meer. Tief unten glänzt die Ägäis in dunklem Türkis, in der Ferne zeichnen sich die Konturen von Rhodos ab.

Weiter im Landesinneren liegt das Kloster Ágios Ioánnis. Im kargen Braun der Hügel blenden die weißen Wände fast. Ein kleiner, struppiger Hund liegt am Eingang und springt vor Freude um die Besucher herum. Das Kloster wird noch immer bewohnt, Gäste können hier ein Glas Wasser trinken oder die kleine Kapelle besuchen. Eine gewaltige Platane streckt ihre Äste über den Innenhof und spendet Schatten - eine Seltenheit auf der Insel, die trotz ihrer vielen kleinen Schönheiten eben doch einem großen Steinhaufen gleicht.

Carina Frey, gms



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