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Grüne Skilift-Konzepte: Energie aus der Solarzelle

Foto: Solarskilift Tenna

Grüne Energie in den Bergen Erster Solarskilift der Welt feiert Premiere

Viel Sonne, viel Wind: Die Berge der Alpen sind bestens geeignet, um mit umweltfreundlichen Techniken Energie zu erzeugen. Viele Skigebiete satteln schon um, bauen Solarlifte und Windrad-Sesselbahnen - und hoffen damit auch auf einen wertvollen Imagegewinn.

Am Samstag ist Premiere: Dann wird der erste Solarskilift der Welt in Tenna in Graubünden eröffnet. Bei der Anlage, die in dem kleinen Bergdorf im Safiental einen 40 Jahre alten Schlepplift ersetzt, ermöglicht eine über die Liftmasten geführte Seil-Konstruktion die Solarpanels direkt auf den Skilift zu montieren. Sie werden tagsüber der Sonne nachgeführt und bei Schneefall senkrecht gestellt.

Der 460 Meter lange Lift benötigt in einer Wintersaison 22.000 Kilowattstunden Strom und wird wenn immer möglich, mit eigens produziertem Solarstrom betrieben. Insgesamt rechnet man mit einem Ertrag von 90.000 Kilowattstunden im Jahr. Der Verkauf des überschüssigen Stroms dient der Finanzierung des neuen Lifts und der 420.000 Franken teuren Solaranlage.

Das Schweizer Skigebiet liegt damit im Trend. Energie ist ein immer bedeutenderer Produktionsfaktor alpiner Skigebiete: leistungsstärkere und komfortablere Lifte, die zum Teil sogar über Sitzheizung verfügen, und der Ausbau der Beschneiungsanlagen treiben den Stromverbrauch der Bergbahngesellschaften in die Höhe. Steigende Preise lassen die Betreiber nun vermehrt nach Alternativen zum Strom aus der Steckdose Ausschau halten. Damit vermeiden sie weiter steigende Kosten und erzielen ganz nebenbei noch einen satten Imagegewinn.

Riesen-Windrad statt Sesselbahn

Schon seit Jahren lieferte die Wetterstation im Skigebiet Salzstiegl in der Steiermark Daten zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit. Genutzt wurden sie für den Schnee- und Wetterbericht. Bis Inhaber Friedl Kaltenegger irgendwann feststellte, dass der viele Wind beste Voraussetzungen für die Installation einer Windkraftanlage bieten würde.

Statt in eine neue Sesselbahn investierte er rund 2,1 Millionen Euro in ein 105 Meter hohes Windrad. Die Energie, die der Windgenerator liefert, versorgt die fünf Skilifte, das Hotel Moasterhaus und die Almhütten mit Strom. Überschüssiger Windstrom wird nachts und im Sommer in das lokale Netz eingespeist.

Da auf den Bergen besonders viel Wind weht, sind sie prädestiniert für diese Art der Stromerzeugung. Eine Anlage mit 1,5 Megawatt Leistung, wie sie am Salzstiegl und auch in Jiminy Peak im US-Bundesstaat Massachusetts steht, kann pro Jahr rund 4,6 Millionen Kilowattstunden Strom liefern.

In Jiminy Peak, das seine 20 Pistenkilometer mit 350 Schneeerzeugern komplett beschneit und einen Großteil davon während der Wintersaison allabendlich bis 22 Uhr beleuchtet, deckt das Windrad ein Drittel des Jahresenergiebedarfs. Es sorgt darüber hinaus für Einnahmen, weil die Hälfte des erzeugten Stroms ins Netz geht. Ein zusätzlicher Effekt ist die Einsparung von 3300 Tonnen CO2 pro Jahr.

Ein Rotor als Aussichtskanzel

Einen ganz anderen Zusatznutzen zieht das Skigebiet Grouse Mountain oberhalb der kanadischen Metropole Vancouver aus seinem Windrad: Die Nabe des Rotors wurde zur Aussichtskanzel für Besucher erweitert. Die Technologie dazu kommt aus Südtirol, wo ebenfalls bereits einige Anlagen stehen.

Grundsätzlich tut man sich in den Bergen diesseits des Atlantiks aber noch schwer mit turmhohen technischen Installationen, die das Landschaftsbild beeinträchtigen. Eine Alternative bieten Kleinwindanlagen mit so genannten H-Rotoren, wie sie das Schweizer Skigebiet Sattel-Hochstuckli 2010 installiert hat. Anstelle von ausladenden Propellern, die um die horizontale Achse drehen, bewegen sich die Flügel eines H-Rotors um die vertikale Achse. Die niedrigen und schlanken Anlagen produzieren zwar weniger Strom, fallen dafür aber optisch viel weniger auf.

Der Wind ist nicht die einzige Ressource, die in den Bergen im Überfluss vorhanden ist. Auch die Sonne scheint auf den Gipfeln länger: auf der Zugspitze zum Beispiel 1850 Stunden pro Jahr, während es in Bayrischzell nur 1390 Stunden sind. Und diese Ressource wird genutzt. Die Schmittenhöhebahn in Zell am See investiert aktuell 3,5 Millionen Euro in den Bau von 6000 Quadratmeter Photovoltaikanlagen auf Bergrestaurants und anderen Betriebsgebäuden. Erwartet werden jährlich 900.000 Kilowattstunden Solarstrom, immerhin zehn Prozent des Bedarfs des Unternehmens. In Winterberg im Sauerland speist eine 5000 Quadratmeter große Photovoltaikanlage pro Jahr so viel "grünen" Strom ins Netz, wie die örtlichen Beschneiungsanlagen während der Saison für die Schneeproduktion benötigen.

Wasserkraft fürs Nebelhorn

Wind- und Sonnenenergie sind wetterabhängig. Bei Flaute oder bedecktem Himmel sieht es mau aus mit der Stromproduktion. Hier kommt die Wasserkraft ins Spiel. Ausgerechnet die Infrastruktur der so energieintensiven Beschneiungsanlagen kann für die Wasserkraftproduktion genutzt werden. Am Nebelhorn bei Oberstdorf wird zwischen Februar und November Wasser aus dem Faltenbach durch das Hauptrohr der Beschneiungsanlage geführt.

Nach 200 Höhenmetern erreichen maximal 100 Liter Wasser pro Sekunde ein kleines, im Wald verstecktes Turbinenhaus. Dort werden 16 Schaufeln angetrieben, die per anno 700.000 Kilowattstunden Strom erzeugen. "Das reicht, um die Hauptbahn von Oberstdorf auf den Nebelhorngipfel zu betreiben", sagt Alfred Spötzl, technischer Leiter der Bahn. Künftig freut man sich am Nebelhorn also auch über Regen. Dann kommen zwar weniger Gäste, aber man verdient mehr Geld mit der Stromerzeugung.

Eine besondere Rolle könnte im Rahmen der Energiewende noch den zahlreichen großen Teichen zukommen, die zur Wasserversorgung der Beschneiungsanlagen in den Alpen errichtet wurden. Eine Untersuchung im Salzburger Land kam zu dem Ergebnis, dass eine Nutzung als Pumpspeicheranlagen bei etwa der Hälfte dieser Teiche wirtschaftlich umsetzbar wäre. Insgesamt könnten so rund 1070 Megawatt Leistung installiert werden, mit einem Regelarbeitsvermögen von 1,4 Terawattstunden pro Jahr!

Solche Pumpspeicheranlagen werden als Folge der zunehmenden Nutzung von Windenergie, Biomasse und Fotovoltaik und der daraus resultierenden stark schwankenden Energiebereitstellung immer wichtiger. Es sollte also niemanden wundern, wenn sich der Anblick so einiger Sportregionen in den Alpen in Zukunft ändert.

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Christoph Schrahe, SRT
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