Guide Michelin für Frankreich Starkoch Alléno erobert mit zweitem Restaurant drei Sterne

In Frankreich regnet es Sterne: 70 neue Restaurants wurden vom neuen Guide Michelin ausgezeichnet. Immer wichtiger werden regionale Produkte - ob bei Ein-Sterne-Koch Jérôme Jaegle oder Starchef Yannick Alléno.

AFP

Jérôme Jaegle entspricht ganz dem Bild eines modernen Sternekochs. Der kräftige Elsässer hat seinen eigenen Gemüsegarten, die Karte seines Lokals ist kurz und wechselt häufig. Es liegt ganz unprätentiös an einer Durchgangsstraße seines Heimatortes Kaysersberg. Mittags lockt ein Menü für 24 Euro.

Nun kann sich das L'Alchémille mit dem Wahlspruch "Geschmack durch Natur" mit einem Stern des Restaurantführers Guide Michelin schmücken. "Das ist eine schöne Belohnung", sagte Jaegles Frau Marie-Laure am Donnerstag bei der Verleihung in Paris. "Und wir wollen es noch besser machen." Schon vor der Sternevergabe habe das Lokal internationale Kundschaft angelockt - aus dem nahen Deutschland, aus Belgien oder der Schweiz.

Jérôme Jaegle und seine Frau Marie-Laure vom Restaurant L'Alchémille
DPA

Jérôme Jaegle und seine Frau Marie-Laure vom Restaurant L'Alchémille

In Zeiten der Wirtschaftsflaute darf die Spitzenküche in Frankreich offensichtlich nicht mehr arrogant und abgehoben daherkommen. Der Guide Michelin achtet darauf, dass in der Spitzengastronomie das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, sagt dessen Chef Michael Ellis. Der traditionsreiche Führer zeichnet auch das Restaurant H im Pariser Marais-Viertel aus, das ein Menü um die 30 Euro anbietet. Ist der neue Stern eine große Verpflichtung? "Es ist ein guter Druck", sagt der junge Chef Hubert Duchenne.

In der neuen französischen Ausgabe zeichnete der Gastronomieführer insgesamt 616 Restaurants in Frankreich mit einem Stern oder mehreren Sternen aus. Unter ihnen gibt es 70 Neuzugänge. 86 Restaurants haben zwei Sterne, 503 Lokale tragen einen Stern. Drei Sterne haben nun 27 Spitzenrestaurants in Frankreich und im Fürstentum Monaco, unter ihnen die Auberge de l'Ill im Elsass oder Le Petit Nice in Marseille. Die Ausgabe für Deutschland hatte der Guide Michelin bereits am 1. Dezember präsentiert.

Ein Höhen-Menü für 395 Euro

Es ist bei Weitem nicht nur der Preis, der bei dem Gourmetführer zählt. Die Tester, die alles daran setzen, bei ihrer Arbeit unerkannt zu bleiben, legen auch großen Wert auf die Produkte und deren perfekte Zubereitung. Der Koch steht in der Küche - seine Persönlichkeit muss sich im Speisesaal "auf dem Teller" ausdrücken, wie es Ellis formuliert.

Der aus einem Pariser Vorort stammende Starkoch Yannick Alléno zog dieses Jahr das große Los. Der Gastronomie-Unternehmer hat nun in seiner Heimat zwei Restaurants, die drei Sterne tragen, damit - nach der klassischen Michelin-Definition - eine "einzigartige Küche" vorweisen und "eine Reise wert sind". Als einziges neues Drei-Sterne-Restaurant zeichnete der Guide Allénos 1947 im Hotel Cheval Blanc im Wintersportort Courchevel aus.

Das 1947 huldigt Produkten der Bergregion Savoyen: dem zarten Féra-Fisch aus dem Genfer See, dem Saibling oder den traditionellen Crozet-Nudeln. Das hat seinen Preis - das Menü auf 1850 Meter Höhe kostet 395 Euro. Auch die Öffnungszeiten sind exklusiv: Das Haus hat nur vom 9. Dezember bis zum 9. April geöffnet. In dem Ort gibt es übrigens reichlich Auswahl: auch vier Restaurants mit zwei Sternen und ein Haus mit einem Stern.

In der Spitzenliga gab es dieses Jahr keine Enttäuschung, denn alle Gourmettempel der höchsten Klasse durften ihre drei Sterne behalten - auch Allénos Pavillon Ledoyen an der Pariser Prachtstraße Champs-Élysées. Dort geht es offensichtlich etwas weniger bodenständig zu; auf der Karte ist beispielsweise japanisches Wagyu-Rind zu finden.

Christian Böhmer, dpa/abl

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