Alpenhütten im Hochsommer Zu heiß? Ab in die Berge!

Wer der Hitzewelle entfliehen will, sollte hoch hinaus: Auf Berghütten ist es meist angenehm kühl. Einige Tipps für besonders empfehlenswerte Ziele.

NG Buchverlag/ Bernd Ritschel

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Nie schmeckt das Bier besser als nach einem stundenlangen Berganstieg, wenn das T-Shirt schweißnass am Rücken klebt und die Füße barfuß und angeschwollen auf der gegenüberliegenden Holzbank liegen - die schrumpelig-weißen Zehen in die Sonne gestreckt. Abends gibt es Erbsensuppe mit Wursteinlage und Brot.

Es kommt noch besser: In dieser Nacht wird man sich beim Versuch einzuschlafen nicht schwitzend hin und her wälzen. Es wird angenehm kühl sein, ein frisches Lüftchen wird durchs Fenster wehen.

Klingt verlockend? Ist es auch. Für alle, die es in diesen Tagen aufgrund der hohen Temperaturen im Tal nicht mehr aushalten, gibt es eine einfache Formel: je höher, desto kühler. (Achtung: Die UV-Strahlung ist in den Bergen besonders intensiv. Sonnencreme und -brille daher nicht vergessen.)

Berghütte? Klingt nach Großeltern

Das Wochenende auf einer Berghütte in den Alpen zu verbringen, klingt erst einmal nach Opa Werner in Lederhosen, Teleskop-Wanderstöcken und Bettenlagern mit Schnarchergarantie. All das kann durchaus zutreffen. Aber auch: Panoramablicke auf die schönsten Sonnenuntergänge, Spinatknödel und Kaiserschmarrn (schmeckt Gerüchten zufolge in der Höhenluft besser!), Mountainbiken, Klettern, Hochtouren - und gen Süden ausgerichtete Liegestühle.

Bergsteiger am Kaunergrat in den Ötztaler Alpen
NG Buchverlag/ Bernd Ritschel

Bergsteiger am Kaunergrat in den Ötztaler Alpen

Dass oft auch Hüttenwirte eine Attraktion für sich sind, erzählt der Fotograf Bernd Ritschel in seinem neuen Bildband "Hütten 2". Gottfried Leitgeb etwa, der nicht nur Wirt auf der Rieserfernerhütte in Südtirol, sondern selbst seit Jahrzehnten in den Bergen und als Retter unterwegs ist. Bergsteiger, die wenig Geld zur Verfügung haben, lässt er durchaus auch einmal umsonst auf seiner Hütte übernachten - weil er das selbst so von früher kennt.

Gemeinsam mit Frank Eberhard und Sandra Freudenberg stellt Ritschel mehr als 30 Hütten in den Alpen vor. Laut den Autoren sind die Unterkünfte "nicht nur eine Zwischenstation auf einer Weitwanderung oder ein Sprungbrett zu einem namhaften Gipfel". Sie sind um ihrer selbst willen ein lohnendes Ziel.

Preisabfragezeitpunkt:
25.06.2019, 10:57 Uhr
Ohne Gewähr

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Frank Eberhard, Sandra Freudenberg
National Geographic Bildband: Hütten hoch 2. Neue Sehnsuchtsorte in den Alpen. Traumhafte Hütten mit atemberaubender Aussicht und Lage in Bayern, Österreich, der Schweiz und Italien. Mit Wandertipps.

Verlag:
NG Buchverlag GmbH
Seiten:
240
Preis:
EUR 49,94

Wie der Titel schon sagt, ist es bereits Ritschels zweiter Fotoband über Alpenhütten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien. Die Beschreibungen sind gleichzeitig kleine Erlebnisberichte vom Zustieg, von den Hüttenwirten oder von Touren in der umliegenden Umgebung. Er empfiehlt abgelegene Geheimtipps oder familiäre Unterkünfte. Solche, die nur mit Pickel und Steigeisen zu erreichen sind, und andere, die als Superlative gelten.

Hat die Hütte überhaupt geöffnet?

Und er gibt Tipps für die Tourenplanung. Denn wer eine Bergtour vorhat, sollte gut vorbereitet sein. Dazu gehört auch, sich im vorhinein über die Hütte zu informieren: Muss ich reservieren? Sind warme Duschen vorhanden? Gibt es Privatzimmer? Sind die Hütten überhaupt geöffnet? Wegen der Schneemassen des Winters öffnen in diesem Jahr viele Wanderhütten später als sonst. Auf den Seiten des Deutschen Alpenvereins kann man sich informieren, welche Hütten noch immer geschlossen haben.

Weiterhin ist es wichtig, sich vor dem Aufstieg über die Bedingungen am Berg zu informieren - so schön das Wetter im Tal auch ist, in den Bergen kann sich das rasant ändern und eine sorgfältige Planung ist unumgänglich. Die Route sollte vorher studiert und mit dem eigenen Können abgeglichen werden.

Auch die richtige Ausrüstung darf für eine Hüttentour nicht fehlen: Die meisten Hüttenwirte verlangen aus Hygienegründen Hüttenschlafsäcke - dünne Schlafsäcke aus Seide, Fleece oder Baumwolle - und Hüttenschuhe. In den Rucksack gehören neben der Zahnbürste: wetterfeste Kleidung, Sonnencreme und Sonnenbrille, Kopfbedeckung und Handschuhe, eine Stirnlampe, Wechselunterwäsche, ein Erste-Hilfe-Set und Karten sowie tourenspezifische Ausrüstung wie Steigeisen, Seile oder Sicherungsgeräte.

Einige der vorgestellten Hütten wie die Rauhekopfhütte in den Ötztaler Alpen sind nur für erfahrene Bergsteiger zu erreichen. Zu Hütten wie der Winnebachseehütte wiederum gelangt man durch kurze Wanderungen vom Talort aus. Infokästen im Bildband informieren über die jeweiligen Zustiegsmöglichkeiten.

Wer mit Bergsteigen so gar nichts zu tun haben will, muss trotzdem nicht aufs Hüttenglück verzichten: Der Aufstieg zu einigen der Häuser, wie der familienfreundlichen Brunnsteinhütte, kann sogar mit Seilbahnen verkürzt werden. Dann bringt man sich jedoch um den Euphoriemoment, der einsetzt, wenn man nach einer langen Wanderung endlich die Hütte am Bergkamm erblickt und weiß: Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum erfrischenden Bier.

kry



insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
Thomasvon Bröckel 26.06.2019
1. Ein Traum
Ich kann dieses unbeschreibliche Gefühl beim Erreichen einer Hütte nach stundenlangem beschwerlichen Aufstieg nur bestätigen. Und ich habe noch nirgendwo besser geschlafen als auf Berghütten. Kleiner Tipp: Finger weg von Hütten, die mit Seilbahnen erreichbar sind. Hier ist es oft sehr voll. Und es gibt nichts Schlimmeres nach dem schweißtreibenden Aufstieg statt Ruhe auf Volksfest-Atmosphäre zu treffen...
Amadablam 26.06.2019
2. Aber gefälligst zu Fuß dorthin
Sonst waren ja die Berge der Klima-Artikel weiter oben für die Tonne.
gerkel 26.06.2019
3. Die Brunnsteinhütte im Karwendel
ist keineswegs mit der Karwendelbahn zu erreichen, denn deren Talstation liegt ein paar km entfernt. Es geht also nur zu Fuß mit dem Einstieg zwischen Mittenwald und Scharnitz. Eine Flucht vor der Hitze ist momentan auch nicht in größere Höhen möglich. Ich befinde mich zur Zeit in Oberstdorf. Das Walmendinger Horn , 2200 m hoch, am Ende des Kleinwalsertales hatte gestern am Gipfel 23 Grad. Das Nebelhorn bei Oberstdorf (2.200 m hoch) hatte heute um 7.00 Uhr bereits 18 Grad.
jupp78 26.06.2019
4.
Man merkt der Autorin an, dass sie kaum/keine praktische Erfahrung hat, sondern das was sie schreibt wohl vor dem Computer zusammenrecharchiert ist. Das macht das meiste zwar nicht falsch, aber ein paar Dinge sind einfach zu korrigieren bzw. zu ergänzen. So habe ich z.B. noch keine Hütte erlebt, die mitgebrachte Hüttenschuhe verlangt. Diese sind immer vorhanden. Ansonsten ist das mit dem Schlafen so eine Sache für sich. Ja, durch die körperliche Anstrengung schläft man meist gut, aber bei weitem nicht immer. Denn in aller Regel ist das ein Schnarchkonzert vom Feinsten, so dass ein wirklich wichtiger Tipp ist, Gehörschutz einzupacken. Weiter stinkt es meist nach Schweiß und feuchter Wäsche, denn richtig ist, dass es recht schnell abkühlt, wenn die Sonne sich senkt, mit der Folge, dass nichts mehr ordentlich trocknet. Die durchschwitzten Shirts und Co. müffeln also vor sich hin und gerne sind die auch schon vielfach durchgeschwitzt. Wer also nicht aufgrund totaler Erschöpfung einschläft, dessen Nacht ist meist eher nicht so toll.
112211 26.06.2019
5. Sommerseilbahn
Jede Seilbahn, die im Sommer geöffnet ist, verschärft die Katastrophe des Massentourismus in den Alpen. Nebst bekannter Folgen.
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