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14. März 2016, 12:15 Uhr

Ibizas Hippie-Spots

Luxus des einfachen Lebens

Weitab von Klub-Sounds und hippen Strandbars zeigt sich Ibiza immer noch von einer uneitlen Seite. Im Norden der Insel scheint die Zeit der Hippies und Aussteiger noch nicht vorbei.

"Carlos Santana hat am Strand Gitarre gespielt und dann auf unserer Terrasse unter freiem Himmel geschlafen", erzählt Mariano. Sein kleines Hostal Sa Plana, oberhalb des Strands Ses Aguas Blancas im Nordosten Ibizas, war Treffpunkt von Musikern, Künstlern und Aussteigern aus aller Welt.

Heute, 20 Jahre später, ist das Hostal Sa Plana noch immer eine abgeschiedene Oase für Urlauber auf der Suche nach der Magie, die Hippies und Künstler einst so fasziniert hat. Mittlerweile führen Marianos Söhne das Hostal, aber nach wie vor gibt es Meeresrauschen statt WLAN zum Einschlafen und der Abstieg zum Strand ist noch genauso steil und beschwerlich wie vor zwei Jahrzehnten.

Zwischen dem Süden und dem immer noch beschaulichen, ruhigeren Norden der Insel sind es gefühlt weitaus mehr als nur rund 30 Kilometer. Während in Sant Antoni de Portmany ein Fünfsternehotel nach dem anderen hochgezogen wird und sich Strände wie Ses Salines mit exklusiven Beachclubs fast ausschließlich auf eine betuchte Klientel ausrichten, konnte der Norden zumindest einen Teil seiner Ursprünglichkeit bewahren.

Ob das so bleiben wird, ist fraglich. Bis zum Sommer wird die Hauptverkehrsstraße von Ibiza-Stadt nach Sant Joan verbreitert und zahlreiche kleine Fincas müssen dem Ausbau weichen. Dann ist es wirklich nur noch ein Katzensprung bis in den Norden.

Hippie-Bars und Hippie-Märkte

Noch aber hat sich dort einiges nicht geändert: Von Marianos Hostal führt eine enge Steintreppe und ein kleiner Weg rund 200 Meter nach unten. Am Ende der Kraxelei warten der flach ins klare Wasser abfallende Sandstrand von Ses Aguas Blancas und die kleine Strandbar Chiringuito. Sie sieht noch fast genauso aus wie im Jahr 1978, als man in der einfachen Bretterbude die ersten Mojitos verkaufte.

Das soll auch so bleiben, verspricht Tony. Er hat die kleine Bar von seinem Vater Oscar übernommen und bleibt der Familientradition treu: Für wenig Geld gibt es ein randvoll eingeschenktes Glas Hierbas, den ibizenkischen Kräuterlikör, und auf der Speisekarte stehen belegte warme Brötchen, die Bocadillos. Von Holzschemeln mit Flechtwerk und einfachen Tischen aus genießt man den Blick auf den Horizont und die anderen Strandgäste.

Nur vier Kilometer weiter in Sant Carles de Pera liegt ein weiterer Treffpunkt für Alt-Hippies und Einheimische. Vor Anita's Bar sitzt man so dicht an der Straße, dass man reflexartig die Füße einzieht, wenn ein Auto oder ein Reisebus um die enge Kurve biegt. Die berühmten Postkästen, in denen einst die ersehnten Schecks aus der Heimat der Aussteiger landeten, werden heute noch genutzt.

In der Bar Cosmi in Santa Agnès im Westen Ibizas scheinen die Zeiten der Aussteiger ebenfalls noch nicht vorbei. Von ihrer Terrasse aus hat man nicht nur den gesamten Verkehr und die weiß getünchte Kirche, die den Ortskern dominiert, im Blick, sondern kann auch die beste Tortilla española der Insel genießen - mit den gleichen Zutaten wie eh und je und zu gefälligen Preisen von unter zehn Euro, für die man andernorts mit viel Glück gerade einmal eine Pizza Margarita bekommt.

Berühmt ist Ibiza für seine zahlreichen Hippie-Märkte, darunter die beiden größten in Punta Arabi in Es Canar und Las Dalias in Sant Carles im Inselnorden. Kommerziell sind sie beide, aber der 30 Jahre alte Markt von Las Dalias versprüht weitaus mehr Charme. Vielleicht liegt es an Besonderheiten wie dem aus alten Reifen kreativ gebastelten Kinderkarussell, das per Fahrrad angetrieben wird.

Oder auch daran, dass einem dort garantiert Mola, die Grande Dame der Hippiekultur von Ibiza, über den Weg läuft. Sie verkauft ihre gestrickte, gehäkelte und recht ausgefallene Mode am eigenen Stand. In den Sommermonaten finden zusätzlich zum Hippiemarkt an vielen Abenden Live-Konzerte und so genannte Night Markets statt.

Sundowner bei Sonnenuntergang

Aus längst vergangenen Zeiten scheint auch das Feiern des Sonnenuntergangs zu stammen: Trommler und Tänzer vertreiben den Wartenden die Zeit, bis die rote Sonne im Mittelmeer versinkt. Das legendäre Café del Mar in Sant Antoni de Portmany an Ibizas Westküste ist nach wie vor einer der beliebtesten Spots.

Wesentlich unspektakulärer, aber mindestens genauso beeindruckend ist der Sonnenuntergang von der kleinen Terrasse des Chiringuito am Naturaquarium in der Cala Gracioneta aus. Dort gibt es freitag- und samstagabends gegrillte Sardinen mit Salat, Sundowner-Blick inklusive.

Fast beliebt wie das Café del Mar ist der Strand der Cala Benirrás oberhalb von Sant Miquel im Nordwesten. Wo sich früher nur die Aussteiger trafen, um mit magischen Tänzen und Trommeln die Sonne zu verabschieden, finden sich heute jeden Sonntagabend Hunderte Urlauber ein. Schon morgens sollte man sich daher schon ein Plätzchen sichert - sowohl für das eigene Handtuch am Strand als auch für das Auto an der Straße.

Susanne Freitag/srt/abl

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