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Insel Krapanj in Kroatien: Schwamm drüber

Foto: Fabian v. Poser/ SRT

Insel Krapanj in Kroatien Die letzten Schwammtaucher

Krapanj ist einer der besten Plätze für Schwammtaucher weltweit - doch das Geschäft mit den Meerestieren stirbt langsam aus. Mit etwas Glück kann man den Männern bei der Arbeit zusehen. Noch.

Kristian Jaram versichert sich, dass die Sauerstoffflasche richtig sitzt. Dann stülpt er die Brille über, lässt sich vom Heck des Bootes ins Wasser gleiten und taucht ab: drei, vier, fünf Meter. Kleine Blasen steigen auf. Eine gefühlte Ewigkeit vergeht. Dann bricht Jaram wieder durch die Wasseroberfläche, in der Hand ein Netz voller goldgelber Schwämme, einige von ihnen größer als Fußbälle.

Der 40-jährige Jaram ist Schwammtaucher auf der Insel Krapanj in der kroatischen Adria. Mit 0,36 Quadratkilometern ist das Eiland die kleinste bewohnte Insel Kroatiens und liegt 300 Meter vor der dalmatinischen Küste in der Nähe der Kreisstadt Šibenik. Attraktionen gibt es nicht viele: ein paar bunte Fassaden, eine Ölpresse aus dem 15. Jahrhundert, einige Reliquien in der Kirche des Heiligen Kreuzes. Krapanj ist dennoch weit über die Grenzen Kroatiens hinaus bekannt - für seine Schwammtaucher.

Der Legende nach brachte ein Grieche das Schwammgeschäft Anfang des 18. Jahrhunderts auf die Insel. Er zeigte den Bewohnern nicht nur, wie sie die Schwämme ganz einfach mit dem Dreizack vom Boot aus einsammeln, sondern auch wie sie sie bearbeiten sollten. Tausende Kilo Schwämme der Art Spongia officinalis, des Gewöhnlichen Badeschwamms, exportierten die Bewohner damals jedes Jahr nach Venedig.

Die besten Plätze sind geheim

Kristian Jaram taucht seit 15 Jahren nach Schwämmen. "Die beste Zeit für die Ernte ist von Mai bis Oktober", sagt er. "Schwämme mögen es, wenn das Wasser warm ist." Die besten Exemplare wachsen an Riffen, an denen die Strömung stark ist und dementsprechend viel Plankton als Futter vorbeitreibt. Die optimale Tiefe sei 10 bis 20 Meter. Der kurze Tauchgang im Hafenbecken von Krapanj allerdings war nichts als Show. "Die besten Plätze würde ich euch nie zeigen", sagt Jaram. "Sie sind streng geheim."

Jaram ist einer der Letzten auf Krapanj, der noch nach Schwämmen taucht. In den Sechzigerjahren lebten noch etwa 1200 Menschen auf der Insel, von denen 70 Prozent ihr Auskommen mit Schwämmen verdienten. Heute zählt die Insel gerade mal 190 Einwohner, und nur einer Handvoll Familien dient die Schwammtaucherei noch als Lebensunterhalt.

Zwar hat der Naturschwamm aus Krapanj wegen seiner hervorragenden Qualität den Angriff der Kunstschwämme überlebt, und die Insel gehört immer noch zu den besten Schwammplätzen der Erde. Heute muss aber in viel größeren Tiefen als früher geerntet werden, die Taucher müssen immer weiter hinaus fahren. Die Arbeit ist hart, und die Verdienstmöglichkeiten sind gering. Auf der Insel geht zudem der Nachwuchs aus. "Kein Geld, keine Autos, kein Nachtleben", sagt Jaram. "Die meisten jungen Menschen haben die Insel in Richtung Festland verlassen."

Wie schwer es ist, sich heute noch vom Schwammtauchen zu ernähren, davon kann auch Željika Božovic erzählen. Nur einen Steinwurf vom Hafenbecken entfernt lebt die Mittfünfzigerin. In ihrem Haus sitzt sie in einem Zimmer, das hüfthoch mit Schwämmen gefüllt ist. "150 Kilogramm oder mehr", sagt sie und strahlt. Ihr Ehemann Dragan ist mit 62 Jahren der älteste noch aktive Schwammtaucher der Insel.

Während er unterwegs ist, kümmert sie sich um den Verkauf der Schwämme. 500 bis 600 Kilogramm sammeln und verkaufen beide im Jahr. Mit einem Kilogramm getrocknete Badeschwämme verdienen sie etwa 70 Euro. "Damit kommen wir gerade so über die Runden", sagt Božovic. Fünf bis sechs Monate im Jahr sei ihr Mann auf See. In der Zeit sehen sich die beiden kaum.

Schwierige Zeiten für Schwämme

Zwar werden für Besucher von Krapanj keine offiziellen Touren mit den Tauchern angeboten. Mittags trifft man sie jedoch meist in der Konoba Dalmata von Wirt Davor Mrvic. Darunter ist auch Kristian Jaram, der erzählt, dass es um die Schwämme nicht zum Besten steht.

Zwar haben die Tiere ohne Herz und Lunge kaum natürliche Feinde. Doch die zunehmende Verschmutzung des Mittelmeers und der Klimawandel machen ihnen zu schaffen, denn auch das Wasser der Adria wird immer wärmer. Und zu warm darf es für Schwämme auch nicht sein. "Die optimale Temperatur für die Reproduktion liegt bei 18 bis 24 Grad", sagt Jaram. Im heißen Sommer vor drei Jahren fanden er und seine Kollegen nahezu keine Schwämme, erinnert sich der Taucher.

Seit Jahren versuchen die Bewohner von Krapanj, auch auf anderen Wegen als dem Verkauf der Schwämme Geld zu verdienen. Doch mit mäßigem Erfolg. Ein Geschäftsmann hatte 2005 die Idee, auf der Insel ein Schwammhotel zu errichten. Das Hotel Spongiola  war früher eine staatliche Schwammfabrik mit 150 Angestellten. Heute ist es die einzige Unterkunft der Insel.

Hotelbesitzer Nikica Juric hat im Keller einige alte Taucherausrüstungen, Amphoren und Fotos ausgestellt. "Wir wollten aus der Geschichte der Insel etwas machen", sagt Juric. Doch viel Geld wirft das Hotel nicht ab. Von April bis Mitte Oktober geöffnet, ist es auch in diesen Monaten kaum gebucht. "Man könnte Touren mit den Schwammtauchern anbieten. Aber viele Leute auf der Insel sind zu alt. Und die meisten Jungen, die so etwas anpacken könnten, ziehen weg", sagt auch Juric.

Wie lange rund um das winzige Eiland in der Adria überhaupt noch Schwämme geerntet werden, ist nicht abzusehen. Kristian Jaram hat eine dreijährige Tochter. "Dass sie eines Tages Schwämme suchen wird, ist unwahrscheinlich", sagt der 40-Jährige. Der jüngste Taucher Krapanjs könnte dann zugleich der letzte sein.

Krapanj in Kroatien

Fabian von Poser/srt/abl
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