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08. August 2018, 04:53 Uhr

Kajaktour in Kroatien

Rund um Rab

Türkisfarbenes Meer, sandige Buchten, blauer Himmel - und ein Kajak: Diese optimale Kombi finden Paddler vor der Insel Rab in der kroatischen Kvarner Bucht.

Salzwasser sprüht über die Spritzdecke des gelben Kajaks. Wenn die Wellen von Backbord heranrollen, versinken meine Arme, die das Paddel halten, bis zu den Ellenbogen im Wasser. Die Schultern schmerzen. Und doch möchte ich nirgendwo anders sein als hier, vor der Küste der kroatischen Insel Rab.

Gestartet sind wir einige Stunden zuvor. Eigentlich wollten wir mit den gelben und roten Kunststoffbooten schon einen Tag früher in See stechen. Doch ein anhaltender kräftiger Regen und die Gefahr einer tückischen Bora, einem kalten Fallwind, hatten Josko Matusan zögern lassen. "Heute nicht", befand der Mann mit dem kahlen Kopf und dem wuchtigen Bart.

Und natürlich hat Matusan, den alle "Yogi" nennen, recht. Immerhin geht der Inhaber von Sea Kayak Croatia seit über zehn Jahren vor Rab mit Gästen auf Tour. Tatsächlich pfeift der Wind im Osten kräftig, und auf dem Wasser zeigen sich weiße Schaumkronen. Auch größere Boote und Yachten haben längst angelegt.

Also zeigt Yogi uns die Insel, die in der nördlichen Adria liegt und zur Kvarner Bucht gehört. Da ist der hübsche Hauptort Rab mit nicht einmal 500 Einwohnern, dessen Altstadt mit ihren roten Dächern und den schmalen Gassen sich auf einer kleinen Halbinsel zusammenkauert.

Da ist der höchste Gipfel der Insel, der 408 Meter hohe Kamenjak, von dem aus man einen Blick über Rab hat und von dem aus man in nahezu alle Richtungen wandern kann. Zwischen Steinmauern und Olivenbäumen knabbern Schafe an wilden Kräutern, es duftet nach Thymian und Rosmarin. Da ist der Badeort Lopar im Nordosten mit seinen weißen Stränden. Und das Naturschutzgebiet Kalifront mit seiner reichen Flora.

Geier am Himmel, Zikaden am Ufer

Doch wir wollen endlich aufs Wasser. Im kleinen Küstenort Suha Punta laden wir im Hafen die Kajaks vom Dach des Vans. Proviant, Wechselkleidung, Kamera, Badesachen - alles findet Platz in den Stauräumen der hartschaligen Einsitzer. Deckel drauf, fertig!

Für jemanden, der noch nie in einem solchen Boot gesessen hat, wird es jetzt kippelig. Aber mit den Füßen auf den Steuerpedalen und den Knien rechts und links gegen die Bordwände gestemmt, lassen sich kleinere Wackler schnell ausgleichen. Und zur Not muss das Doppelpaddel helfen.

Nach kurzem Orientieren genieße ich das sanfte Schwanken. Das Wasser ist klar, bis in drei, vier Meter Tiefe, so scheint es, lassen sich selbst Details noch gut erkennen. Oft ist der Boden sandig, dann wieder wiegt sich Seetang hin und her, kleine Fische fliehen hektisch vor dem Schatten des Kajaks.

Auf einem umgestürzten Baum am Ufer sitzt eine Kolonie Kormorane. Und als ich zum Himmel schaue, sehe ich zwei Gänsegeier ihre langsamen Kreise ziehen. Und Delfine soll es hier geben - wir sehen leider keinen. Yogi berichtet, er habe einmal sogar zwei Stunden lang die Geburt eines Delfinbabys beobachten können.

Die Abstände unser Kajaks werden immer größer, es wird wenig gesprochen. Wir genießen die Stille. Nur hin und wieder braust eine Motoryacht so dicht vorbei, dass die Kajaks ins Schaukeln kommen. Immer wieder öffnen sich kleine Buchten mit teils steinigen, teils sandigen Buchten. In manchen ankern bereits mehrere Boote, andere sind menschenleer und bestens geeignet für ein paar Schwimmzüge im kühlen Mittelmeer.

Die Bora zeigt sich

Dann erreichen wir den kleinen Leuchtturm bei Donja Punta, den nordwestlichsten Punkt der Insel Rab. Hier legen wir an, um unser Picknick aus frischen Tomaten, Oliven, Kapern, Fladenbrot und Joghurt aus den Luken zu packen. Und die Pause ist angebracht, denn Yogi runzelt die Stirn und zeigt in Fahrtrichtung. "Das kommt noch von der Bora." Das Wasser ist dunkel, die weiße Gischt legt sich auf tiefes Blau, die Wogen krachen auf die Felsen am Ufer.

Yogi will sich das ansehen, warnt aber, dass wir womöglich umkehren müssten: "Sicherheit geht vor." Natürlich möchte keiner den gleichen Weg zurückfahren. Und schließlich gibt Yogi sein Okay. Das Gepäck wird noch einmal umverteilt und besonders sicher verstaut. Dann ziehen wir die Spritzdecken über, die verhindern, dass zu viel Wasser ins Boot schwappt.

Yogi gibt die Regeln aus: Maximal zehn Meter auseinander und dicht am Ufer sollen wir fahren. Manchmal hebt es den Bug der Kajaks aus dem Wasser, und sie krachen hart zurück. Dann wieder tauchen die Spitzen tief in die Wellen und werden überspült. Und wir merken: Das ist ein sportlicheres Paddeln, aber es macht eigentlich noch mehr Spaß.

Dann sammeln wir uns noch einmal. Jetzt geht es fast zwei Kilometer quer über die Kamporska Draga, eine offene Bucht. Rechts, links - gleichmäßig ziehen wir die Paddel durchs Wasser, gleichen kurze harte Wellen aus, die von links vorn kommen. Auf den Oberarmen bildet sich eine weiße, salzige Schicht. Ich vergesse die Zeit und die anderen und pflüge durchs bewegte Meer. Es ist herrlich.

Auf der anderen Seite der Bucht angekommen, legen wir am kleinen Halbinselchen Dumici an und schlürfen einen Espresso in einer Strandbar. Und wir nehmen uns vor: Beim nächsten Mal gehen wir länger auf Tour.

Marc Reisner ist freier Autor. Die Reise wurde unterstützt durch den Tourismusverband Rab.

Marc Reisner, srt/abl

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