Inseltour im Kajak Ibizas magische Felsen

Szenecafés, Hippiemärkte und Strandpartys - dafür ist Ibiza bekannt. Einen etwas anderen Blickwinkel auf die Insel bieten Touren mit dem Kajak: Sie führen Urlauber zu zerklüfteten Felsen, Grotten und einsamen Stränden.


An der Cala d'Hort im Südwesten Ibizas gibt es das, was man gern als Paradies bezeichnet: Türkisblaues Wasser, weißer Sand und ein toller Blick auf die Insel Es Vedrà. Der mysteriöse Felsen wirkt wie ein Magnet auf Hobby-Kajakfahrer, die der 382 Meter hohen Insel im Kajak nähern. Man fühlt sich klein, tritt in eine Art Parallelwelt ein - abgeschieden, ursprünglich, wild. Viele Geschichten und Legenden kreisen um diesen Ort, an dem die Jungfrau María erschienen sein soll und den manche Hippies für die Spitze des versunkenen Atlantis oder sogar für einen Ufo-Landeplatz halten.

Nähert man sich den Felsen, wird allerdings schnell klar: Das hier ist ein von wenigen Ziegen und Hundertschaften von Vögeln bewohntes Eiland - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Vorbei an bis zu 200 Meter hohen Steilklippen umrunden die Kajakfahrer das Eiland. Erst müssen sie nur gegen Möwen ankämpfen, die auf sie herabstürzen, um ihre Nester vor den Eindringlingen zu schützen. Später sind es auf der seewärts gewandten Seite die Wellen, die den Paddlern das Leben schwermachen - bedrohlich schlagen sie an die Felswände.

Es ist nicht schwer, dieses Naturparadies per Kajak zu erkunden: Ein kurzer Einführungskursus, in dem man das Ein- und Aussteigen, das Balance halten und die Paddeltechniken erlernt, reicht aus, um sicher in diese abgeschiedene Welt der Felsen eintauchen zu können. Wenn man dann auch noch eine gewisse Grundkondition besitzt, kann es direkt losgehen: Spritzdecke festziehen, vom Ufer abstoßen und lospaddeln.

Kletterwand und Postkartenblick

Vorbei an der Nebeninsel Es Vedranell geht es zur Küste an den Strand von Sa Pedrera. Der Strand ist selbst zur Hochsaison leer, man kann ihn vom Land kaum erreichen. Kajak und Paddel werden jetzt durch Sturzhelm, Seil und Turnschuhe ersetzt. Ein kleiner Pfad führt steil hinauf zu einer Felswand. "Da müssen wir wieder runter. Es lohnt sich. Die Blicke aufs Meer sind umwerfend", erklärt der 32-jährige Kajak- und Kletterguide Domingo Díaz.

Der Mann hat Recht. Doch wenn man sich zurücklegen und an der 30 Meter hohen Felswand rückwärts hinuntergehen soll, bleibt ein mulmiges Gefühl nicht aus. Ganz in der Nähe der spektakulären Kletterwand befindet sich auch der Torre des Savinar, einer von zahlreichen Wehrtürmen, die einst entlang der Küste gebaut wurden, um die Insel vor berberischen Piraten zu schützen. Von dem runden Turm aus hat man mit Abstand die besten Postkartenblicke auf Es Vedrà.

Ähnliche Wehrtürme stehen auch an der Südspitze Ibizas. Auf der Kajakfahrt von der Platja d'en Bossa zum Strand Ses Salines gelten sie als gute Orientierungspunkte. Obwohl die zwei Strände zu den Topadressen in Sachen Beachparty gehören, wissen nur die wenigsten, welche Naturschönheiten es dazwischen zu entdecken gibt. Die Paddel stechen in glasklares, türkisblaues Wasser. Auf der einen Seite sieht man zum Greifen nah die Nachbarinsel Formentera, auf der anderen endlose Sandstrände. Zwischendurch laden kleine Grotten und Höhlen immer wieder zu Erkundungsfahrten in die Felsenwelt ein.

Steilklippen und tröpfelnde Quellen

Eine der schönsten Kajakrouten auf Ibiza ist im Nordwesten der Insel zu finden. An der Cala Salada stechen die Kajakfahrer in See. Schon kurz hinter der vorgelagerten Insel Sa Illeta beginnt die Herausforderung: Bis zu den 258 Meter hohen Steilklippen des Kap Nuno fordern Wind und Wellen höchste Konzentration. Kilometerlang streckt sich die Kalksteinküste mit den tief eingeschnittenen, menschenleeren Buchten. Hier ist das Reich der Möwen und Kormorane. In den Buchten schaukeln die Kajaks ruhig im Wasser: Kein Haus, kein Boot, kein Anzeichen auf Zivilisation ist zu sehen. Schnell kommt das Gefühl auf, man entdecke gerade eine noch unbewohnte Insel. Kleine Süßwasserquellen treten aus den Felsen hervor und tröpfeln ins Meer.

Im Osten Ibizas lockt vor allem die Küste zwischen Pou des Lleo und der Traumbucht Cala Mastella. Zunächst geht es weit hinaus aufs Meer, um das Tagomago-Eiland und seine wilden, bis zu 86 Meter hohen Klippen zu erkunden. Danach heißt es "powern" - die Überfahrt zum Kap Roig ist eine wahre Herausforderung. Hier herrscht fast immer starker Wind, das Wasser spritzt ins Gesicht. In den Kajakfahrern kommt ein "Der alte Mann und das Meer"-Gefühl auf. Doch der Kampf gegen die Wellen lohnt sich. Hinter dem Kap Roig sind schöne Buchten zu entdecken, die von Pinienwäldern umschlossen sind. Ihr Geruch ist so stark, dass selbst der Duft des Meeres ab und zu verschwindet.

Manuel Meyer, dpa



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