Irland Der Geschmack der grünen Insel

Von Deborah Knür

2. Teil


Design mit Schwung: Lobby und Salon sind in Galways neuem Hotel "The G" futuristisch-schrill herausgeputzt
Götz Wrage

Design mit Schwung: Lobby und Salon sind in Galways neuem Hotel "The G" futuristisch-schrill herausgeputzt

Ebenfalls in Galway bietet seit 2005 Irlands spektakulärstes Hotel Einblicke in eine architektonische Zukunft. Der Hutdesigner Philip Treacy hat nicht nur die Kopfbedeckungen der britischen Königsfamilie entworfen, sondern auch die neue Luxusherberge "The G" in ein bonbonfarbenes Gewand voller Glamour und Kunst gekleidet. Hinter transparenter Front öffnet sich die mit schwarzem Glas gestaltete Lobby; eine weiße, muschelförmige Skulptur umhüllt den Concierge. Weiße Plüsch-Eleganz dominiert die Grand Lounge, anderswo herrschen kräftige Farben vor: Pink Salon und Blue Lounge tragen ihre Namen zu Recht. Purpurner Samt, riesige Sofas und bunte Stühle machen das Restaurant "Santini" zum Hotspot der Stadt, mehr als die italienische Küche, die dort geboten wird. Jede Lampe ist ein Blickfang, auch im extravaganten Spa und in den eleganten Zimmern, die mit Plasma-TV, guten Betten und Spitzenbädern reichlich Komfort bieten.

Wer am nächsten Morgen aus dem pulsierenden Galway über die beängstigend schmalen Straßen durch das wilde Connemara aufbricht, begibt sich, so scheint es, auf eine Reise in die Vergangenheit. Schafe weiden zwischen endlosen Steinwällen, Ruinen tauchen hinter Hügeln auf (wie auch manchmal Kühe auf der Straße), die Besitzer kleiner, charmanter und manchmal herrlich altmodischer Landhäuser laden herzlich zum Tee.

Connemaras Hauptort ist Clifden, ein Marktstädtchen, dessen Restaurants wie fast alle an der Küste frischeste Meeresfrüchte bieten. Die Preise sind so hoch wie oft in touristischen Zentren, aber die Qualität stimmt versöhnlich. Im "Mitchell’s" überzeugt bodenständige Küche: eine lockere tarte von geräuchertem Lachs, fangfrischer, saftig gebratener Dorsch mit Frühlingslauchpürree und beurre blanc oder warmer apple pie.

Fisch wird nach alter Familientradition geräuchert

Der Lachs ist übrigens auch ein schönes Souvenir, das sich fachgerecht verpackt problemlos mitnehmen lässt. Graham Roberts vom "Connemara Smokehouse" in Ballyconneely weiß, wie das geht, und hat neben dem selten gewordenen Wildlachs als einziger Räucherer auch schonend gefangenen Tunfisch im Angebot. "Der Fisch wird nach alter Familientradition heiß oder kalt geräuchert und bekommt durch Buchenholz sein feines Aroma", erklärt er stolz. Fischfang ist ein Nationalsport auf der Insel, deren Rhythmus das Wasser bestimmt, ob es nun von oben oder von unten kommt. Im idyllisch gelegenen Hotel "Ballynahinch Castle" in Recess wird in eigenen Gewässern geangelt. An der Treppe stehen die Ruten, und im Hotelpub, wo Profifischer neben Touristen ihr Guinness trinken, wird die Beute gewogen und in einem großen ledergebundenen Buch vermerkt – seit 1947 lückenlos.

Natürlich spielen Fisch und Meeresfrüchte auch in der neuen irischen Küche weiter eine Hauptrolle, nicht nur an der Küste, sondern auch im Hinterland. Wer von Dublin aus mit dem Auto die Insel durchquert, kann sich davon in der "Wineport Lodge" überzeugen: Irlands erstes Weinhotel bietet sich auf halbem Weg in Glasson bei Athlone als Station an. Die modernen Zimmer am See sind nach Weinregionen benannt; in der "Taittinger Lounge" werden namhafte Champagner glasweise serviert. Am Herd kombiniert Feargal O'Donnell gekonnt Krebsscheren mit hoisin-Pfannkuchen, deren Teig die asiatische Würzsauce enthält, zarte Jakobsmuscheln mit kräftigem black pudding, Seeteufel mit Pernod und Limette. Auch Fleisch wie Lamm-confit mit karamellisierter Minzsalsa gelingt gut.

"Sommer ist, wenn der Regen wärmer wird"

Südlich von Galway, am Tor zum Burren und nicht weit entfernt von den Cliffs of Moher, hat sich John Sheedy in "Sheedy’s Restaurant" einen Namen gemacht. In dem charmanten Haus mit elf Hotelzimmern pflegt der stämmige Bilderbuch-Ire eine sorgsam zubereitete, unprätentiöse Küche, zum Beispiel Seehecht mit Krebsrisotto oder Suprême vom Lachs auf Kohl mit geräuchertem Speck und Schnittlauchsauce.

"Sheedy’s Country House" hat eine lange Geschichte, wie so viele familiengeführte, gastfreundliche Herbergen auf der Insel, die den Reiz der alten Zeit lebendig halten. Das "Moy House", das mit seiner weißen Fassade in Lahinch über der windumtosten Küste thront, gehört auch zu dieser Gattung. Im geschmackvoll restaurierten und mit Antiquitäten eingerichteten Inneren gibt es den Aperitif vor dem Kamin im drawing room, und auch sonst ist man liebevoll aufs Detail bedacht. Ein Zitat als Abendpräsent beruhigt, wenn die Natur die Jahreszeit mal wieder Lügen straft: "Man merkt, dass es in Irland Sommer ist, wenn der Regen wärmer wird."

Auf eine lange Tradition kann ganz in der Nähe auch Michael Vaughan verweisen, dessen Familie einst das erste Hotel in Lahinch besaß. Im vergangenen Jahr hat er mit seiner Frau die "Vaughan Lodge" eröffnet, rauchfrei, wie seit 2004 fast alle Hotels, Restaurants und Pubs; viele Wirte haben zum Ausgleich Pavillons in Gärten und Höfen aufgestellt. Die moderne Lodge besticht nicht nur in den geräumigen Zimmern mit lässiger Countryhouse-Atmosphäre und viel Komfort, das Restaurant bietet überdies die beste Küche am Ort. Sein Chef Philippe Farineau ist nahe Paris geboren, aber längst irischer als mancher Einheimische.

Der Geist der aristokratischen Vergangenheit

Der 35-Jährige setzt auf regionale Produkte und kreiert daraus etwa eine Variation von Galway-Langustinen mit crème brûlée, Risotto, bisque und wan tan. Farineau verfeinert Krebsfleisch mit frischem Koriander und Ingwer, geräucherte Fische mit Grapefruit-Reduktion, und er kombiniert Kabeljau mit Garnelen-crème-brûlée. Fleischgerichte wie Rinderfilet mit Estragon-Sabayon verraten seine klassische Schule, die er früher in Cork und im südlich gelegenen "Dromoland Castle" gepflegt hat.

Dieses Schlosshotel an der Shannon-Mündung steht mit seiner bewegten Geschichte, aber auch in Exklusivität und Angebot "Ashford Castle" kaum nach. Mächtige Holzvertäfelungen, riesige Ölporträts und pompöse Dekorationen verkörpern filmreif den Geist der aristokratischen Vergangenheit. Wer hier nicht nur zum klassischen afternoon tea einkehren will, reserviert im "Earl of Thomond Restaurant". Dort bürgt der Küchenchef David McCann für eine französisch-internationale Küche mit irischen Produkten in den Hauptrollen: Tatar von Lammfilet mit Limette und Koriander, Wildlachs mit Speck-Fondant und Schalotten-Dill-Sauce. Eine prächtige Kulisse für Gourmets und auch für Flitterwöchner – jenseits von Hollywood-Glamour und Bond-Euphorie.



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sojiti, 15.05.2006
1.
---Zitat von sysop--- In Zeiten des knappen Geldes werden auch Urlaubsreisen häufig unter ökonomischen Gesichtspunkten geplant. Woran sparen Sie im Urlaub? Welches sind Ihre Tipps für kostengünstige Reiseziele? ---Zitatende--- Ich schicke meine Kinder gleichzeitig für 10 Tage weg und ich hab frei.
Umberto, 15.05.2006
2.
---Zitat von sysop--- In Zeiten des knappen Geldes werden auch Urlaubsreisen häufig unter ökonomischen Gesichtspunkten geplant. ---Zitatende--- Urlaubsreisen habe ich immer unter ökonomischen Gesichtspunkten geplant (bin vielleicht ein verkleideter Schotte). ---Zitat von sysop--- Woran sparen Sie im Urlaub? ---Zitatende--- Eigentlich nur an der Anwesenheit "riesiger" Touristenmassen. ---Zitat von sysop--- Welches sind Ihre Tipps für kostengünstige Reiseziele? ---Zitatende--- Für mich sind/waren das Ziele wie Mauritius, Kenia aber auch Skandinavien, wo ich "für mein Geld" immer optimal "versorgt" war.
brux 15.05.2006
3.
---Zitat von sysop--- Aus dem zugehörigen Spiegel-Artikel: "Beim Urlaub in Europa sind die Nebenkosten in der Türkei derzeit am niedrigsten." ---Zitatende--- Mag ja sein, ausser, dass die Türkei immer noch ein Land in Asien ist.
Umberto, 15.05.2006
4.
---Zitat von brux--- Mag ja sein, ausser, dass die Türkei immer noch ein Land in Asien ist. ---Zitatende--- Da doch ein (kleiner) Teil der Türkei in Europa liegt, störe ich mich daran nicht. Die Türkei mag ja für Urlauber billig sein. Dennoch käme ich, trotz aller Kostenvorteile, nicht auf die Idee, in der Türkei Urlaub zu machen. Für das, was es kostet, scheint mit nicht hinreichend genug geboten zu werden, um da Urlaub zu machen. Oder, um mit meinem Opa zu sprechen: Geschenkt erscheint mir da noch zu teuer.
BAYAZIT, 15.05.2006
5.
---Zitat von Umberto--- ... Dennoch käme ich, trotz aller Kostenvorteile, nicht auf die Idee, in der Türkei Urlaub zu machen. Für das, was es kostet, scheint mit nicht hinreichend genug geboten zu werden, um da Urlaub zu machen. ... ---Zitatende--- Pech gehabt. Schönstes Land der Welt ist die Türkei. Ohne Sie werden wir nicht in der Türkei aushungern.
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