Irland Der Geschmack der grünen Insel

Aristokratische Vergangenheit trifft auf modernen Chic: An der irischen Atlantikküste können Gäste zwischen prächtigen Schlössern und kühnen Designhotels wählen. Dort fordern junge Köche mit frischen Ideen die Tradition heraus. Und mittendrin steht James Bonds Hochzeitsbett.

Von Deborah Knür


Der glutrote Schein der Abendsonne taucht die Landschaft am Ufer in ein romantisches Licht. Irland ist nicht nur für Gourmets, sondern auch für Verliebte wie geschaffen. Vor allem den Westen hat längst auch die Hollywood-Prominenz entdeckt. John Wayne kämpfte Anfang der 50er in dem Klassiker "Der Sieger" im beschaulichen Örtchen Cong um seine Liebe, 50 Jahre später schloss dann Pierce Brosnan in der Film-Kirche St. Mary’s ganz real den Bund fürs Leben. Und der Codename 007 verpflichtet: Für die Feier wurde das imposante "Ashford Castle" nebenan gebucht.

Herberge mit Stil: Das historische "Moy House" in Lahinch ist mit Antiquitäten ausgestattet
Götz Wrage

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Der Mann hat Geschmack – das Haus ist eines der schönsten Schlosshotels Irlands und gehört zur Gruppe der Leading Hotels. Der älteste Teil mit Türmen, Zinnen und den stilvollsten Zimmern und Suiten (Himmelbetten) stammt aus dem 13. Jahrhundert, der fast identische neue aus den 1970ern: Drei Jahre haben die Architekten passende Steine für den rechten historischen Look gesucht.

In der Ausstattung des 19. Jahrhunderts erhalten ist das stimmungsvolle Gourmetrestaurant "The Connaught Room" mit seinen Kristalllüstern und üppigen Holzschnitzereien. Seit 2003 kreiert der Wuppertaler Stefan Matz hier in der Saison allabendlich ein siebengängiges Degustationsmenü. Die ausführliche Weinkarte mit Frankreich-Schwerpunkt bietet viele gute Begleiter dazu.

"Wir haben hier tolle Produkte, bei denen die Qualität oft für sich sprechen kann", schwärmt der Wahl-Insulaner, der eine zeitgemäße irisch-französische Küche zelebriert: topfrische Jakobsmuscheln auf warmem Salat von Karotten- und Kartoffeltalern, ein Steinbuttfilet, das durch geräucherte Austern perfekt ergänzt wird, Suprême vom Connemara-Lamm, auf Torf geräuchertes Rinderfilet oder ein dreischichtiges Dessert, das Matz bescheiden coffee parfait nennt. Dabei spielt die Küche gekonnt mit Aromen, Temperaturen, Texturen des Kaffees. Danach vor dem Torffeuer im Kamin ein Single Malt Whiskey, 16 Jahre in Bourbon-, Sherry- und Port-Fässern gereift – da könnte selbst James Bond dem Wodka-Martini untreu werden.

Irland ist eine Insel für Genießer. Vom Süden weiß man das spätestens, seit vergangenes Jahr Cork europäische Kulturhauptstadt war. Aber der wilde Westen holt auf. Eine neue Generation von Köchen hat zwischen Westport und Shannon-Mündung eine moderne irische Küche etabliert. Überall werden köstliches hausgebackenes Brot und bester irischer Käse serviert. Mit Stolz und Fantasie verarbeitet man Spitzenprodukte von Land und Meer, die so manchen Connaisseur in Südeuropa neidisch machen. Und der Hintergrund dazu könnte nicht schöner sein: Wohl nirgendwo sonst auf der Insel ist die Landschaft so spektakulär, vielseitig und geheimnisvoll wie im seenreichen Connemara mit üppig grüner Natur, schroffen Bergen und zerklüfteten Küsten oder in der Mondlandschaft des Burren mit seinen mystischen Steinwüsten und jahrtausendealten Zeugnissen einer reichen Geschichte. Überdies ist hier ein Paradies für Muschelfans: Jeden September feiert die Stadt Galway ihr berühmtes Austern-Festival (2006 vom 29. September bis zum 1. Oktober).

Vibrierender Mix aus Moderne und Tradition

Die quirlige Küstenmetropole boomt – die Immobilienpreise steigen derzeit schneller als in Dublin. Das Universitätsstädtchen mit seinen bunten Häusern besticht durch einen jungen, vibrierenden Mix aus Moderne und Tradition. In Kopfsteinpflastergassen reihen sich Fischgeschäfte an Designerläden, Juweliere an Kunsthandwerker, moderne Restaurants an urige Pubs. Der samstägliche Markt rund um die mittelalterliche St. Nicholas Church ist Treffpunkt der Gourmets: Verkäufer binden Sträuße aus Bärlauchblüten und wildem Knoblauch, es gibt Foie gras und Bioprodukte, derzeit der Trend auf der Insel.

Wer da keinen Appetit bekommt, sollte trotzdem die saftigen tartes im Coffeeshop "Goya’s" so wenig verpassen wie einen kulinarischen Pionier der Region. Das Restaurant "Kirwan’s Lane" ging vor zehn Jahren als erstes neue Wege, heute wird in freundlich-hellem Bistro-Ambiente eine schmackhafte irisch-mediterran-asiatische Fusion-Küche serviert: Killary-Muscheln im aromatischen Kokos-Chili-Koriander-Sud, Heilbutt cajun style mit Zitronenöl oder Foie gras mit Connemara black pudding, einer Art Blutwurst.

  • 1. Teil: Der Geschmack der grünen Insel
  • 2. Teil


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sojiti, 15.05.2006
1.
---Zitat von sysop--- In Zeiten des knappen Geldes werden auch Urlaubsreisen häufig unter ökonomischen Gesichtspunkten geplant. Woran sparen Sie im Urlaub? Welches sind Ihre Tipps für kostengünstige Reiseziele? ---Zitatende--- Ich schicke meine Kinder gleichzeitig für 10 Tage weg und ich hab frei.
Umberto, 15.05.2006
2.
---Zitat von sysop--- In Zeiten des knappen Geldes werden auch Urlaubsreisen häufig unter ökonomischen Gesichtspunkten geplant. ---Zitatende--- Urlaubsreisen habe ich immer unter ökonomischen Gesichtspunkten geplant (bin vielleicht ein verkleideter Schotte). ---Zitat von sysop--- Woran sparen Sie im Urlaub? ---Zitatende--- Eigentlich nur an der Anwesenheit "riesiger" Touristenmassen. ---Zitat von sysop--- Welches sind Ihre Tipps für kostengünstige Reiseziele? ---Zitatende--- Für mich sind/waren das Ziele wie Mauritius, Kenia aber auch Skandinavien, wo ich "für mein Geld" immer optimal "versorgt" war.
brux 15.05.2006
3.
---Zitat von sysop--- Aus dem zugehörigen Spiegel-Artikel: "Beim Urlaub in Europa sind die Nebenkosten in der Türkei derzeit am niedrigsten." ---Zitatende--- Mag ja sein, ausser, dass die Türkei immer noch ein Land in Asien ist.
Umberto, 15.05.2006
4.
---Zitat von brux--- Mag ja sein, ausser, dass die Türkei immer noch ein Land in Asien ist. ---Zitatende--- Da doch ein (kleiner) Teil der Türkei in Europa liegt, störe ich mich daran nicht. Die Türkei mag ja für Urlauber billig sein. Dennoch käme ich, trotz aller Kostenvorteile, nicht auf die Idee, in der Türkei Urlaub zu machen. Für das, was es kostet, scheint mit nicht hinreichend genug geboten zu werden, um da Urlaub zu machen. Oder, um mit meinem Opa zu sprechen: Geschenkt erscheint mir da noch zu teuer.
BAYAZIT, 15.05.2006
5.
---Zitat von Umberto--- ... Dennoch käme ich, trotz aller Kostenvorteile, nicht auf die Idee, in der Türkei Urlaub zu machen. Für das, was es kostet, scheint mit nicht hinreichend genug geboten zu werden, um da Urlaub zu machen. ... ---Zitatende--- Pech gehabt. Schönstes Land der Welt ist die Türkei. Ohne Sie werden wir nicht in der Türkei aushungern.
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