Irland Grüner Volkssport Golf

Irland ist ein Golferparadies - auch trotz des launischen Wetters. Steter Sonnenschein nämlich würde der Insel wohl ihren eigenwilliger Charme nehmen. Die schöne Landschaft wäre überlaufen und die Einsamkeit des Golfers dahin.

Solange das Wetter unberechenbar bleibt, sind die fast 400 Golfplätze in Irland sogar während der Hochsaison zwischen Mai und September in Ruhe bespielbar. Hier wird der Golfer nicht mit Abschlagzeiten im Fünf-Minuten-Takt über den Platz gejagt.

In jeder der 32 irischen Grafschaften finden sich zahlreiche Golfplätze, alle sind in den Landkarten der einzelnen Regionen exakt verzeichnet. Deshalb ist ein Golfurlaub mit dem Auto von Landsitz zu Landsitz oder von einer Bed & Breakfast-Unterkunft zur nächsten problemlos möglich. Eine gewisse Eingewöhnungsphase an den Links-Verkehr auf den zumeist engen Straßen sollte allerdings einkalkuliert werden. Wer sich eine Fahrt mit dem Wagen nicht zutraut und die entsprechenden finanziellen Mittel besitzt, kann die Golfplätze sogar per Kreuzfahrtschiff erschließen.

In Irland ist Golf ein echter Breitensport. Mehr als zehn Prozent der Iren betreiben das Spiel mit dem kleinen weißen Ball genau so selbstverständlich wie hierzulande Fußball gespielt wird. Greenfee-Spieler werden ohne große Umstände aufgenommen: Allein im Jahr 2000 besuchten 219.000 europäische Golfer die irische Insel. Sie finden auf rund 85.400 Quadratkilometern das gesamt Spektrum an Golfplätzen vor. Besonders stolz sind die Iren darauf, weltweit 30 Prozent aller Dünenkurse (unter Golfern als "Linkskurse" bekannt) zu besitzen.

Welches die schönsten Linkskurse sind, darüber streiten die Experten. Ganz sicher gehören "The European", südlich von Dublin, "The Island" und "Portmarnock" im Norden von Dublin sowie "Ballybunion" und "Waterville" im Südwesten der Insel dazu.

"Waterville" ist der längste Platz in Irland und gilt als einer der schwierigsten der Welt. Auch "The European" und "The Island" sind nichts für schwache Nerven. Die Fairways sind teilweise so schmal wie eine Scorekarte. Topfbunker und Dünengras haben schon viele zur Verzweiflung getrieben.

Teilweise nicht viel breiter, aber doch zu bewältigen ist der von Deutschlands Golf-As Bernhard Langer entworfene "Portmarnock"-Linkskurs: Am 16. Loch allerdings müssen die Herren erst einmal 150 Meter überwinden, um überhaupt das Fairway zu erreichen. Bei dem fast ständig kräftig blasenden Gegenwind verzweifeln hier auch Profis. Und gleich ein Loch später der nächste Schock: Selbst ein Zwei-Meter-Mann kann aus dem unmittelbar vor dem Grün platzierten Bunker des Par-Drei-Loches die Fahne nur ahnen.

Dennoch ist der "Neue Portmarnock" noch harmlos gegenüber dem 1894 gegründeten "Old Portmarnock". Der Platz war zwölf Jahre nacheinander Austragungsort der Irish Open, Golf spielende Ladies sind hier nach wie vor bestenfalls geduldet. Weibliche Mitglieder werden ebenso vergeblich um Aufnahme ersuchen wie im benachbarten "Royal Dublin", in dem auch Herren meistens jahrelang auf der Warteliste stehen: Nur wenn ein Mitglied das Zeitliche segnet, bestehen für Anwärter Chancen auf eine Club-Aufnahme.

"Old Portmarnock" wäre nach Ansicht der Golf-Experten der richtige Austragungsort für den bevorstehenden Höhepunkt der irischen Golf-Geschichte im Jahre 2006 gewesen: den Ryder-Cup, das bedeutendste Golfturnier der Welt. Doch dieser wurde an den "Kildare Golf und Country Club (K-Club)" vergeben. Der erst 1995 eröffnete "Kildare Hotel und Country Club", etwa eine dreiviertel Stunde südwestlich von Dublin gelegen, ist ein Parklandkurs der Superlative: Üppige Vegetation, alter Baumbestand, viel Wasser und sanfte Hügel.

Rund 50 Millionen Euro hat Michael Smurfit - Chef von Irlands größter Unternehmensgruppe, der Jefferson Smurfit Group - in die Anlage gesteckt. Im Zentrum liegt ein Fünf-Sterne-Hotel, ein Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert. Eine Runde hier bleibt für Otto-Normal-Golfer ein Traum: Das Greenfee kostet zwischen Mai und September rund 200 Euro, es sei denn der Gast bezieht eines der Zimmer im Hotel für rund 350 Euro pro Nacht - dann reduziert sich der Preis für die 18-Löcher-Runde auf die Hälfte.

Es muss in Irland aber nicht der "K-Club" sein, wenn man einen Platz in ansprechender parkähnlicher Umgebung sucht. "Druids Glen" zum Beispiel, 25 Kilometer südlich von Dublin gelegen, wurde von dem internationalen Jurorenteam für die "Hertz International Golf Travel Awards" im Jahr 2000 zum "Europäischen Golfplatz des Jahres" gewählt.

Empfehlenswert sind auch die Golf & Country Clubs "Glasson" und "St. Margaret's" oder der 18-Loch-Kurs rund um das gotische Schloß Luttrellstown, 15 Minuten außerhalb von Dublin. Und "Mount Juliet" in der Nähe von Kilkenny, wo Golf-Legende Jack Nicklaus die 18 Löcher kreierte, wird sogar als das "Augusta von Europa" bezeichnet.

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