Irlands Südwesten Gipfel, Geheimnisse und ein attraktives Gespenst

Irland gilt als besonders gastfreundlich, beim Angeln und Wandern weht einem die frische Atlantikluft um die Nase, die Golfer schwärmen von den hervorragenden Plätzen. Und bei Wind und Wetter sitzt der Tourist gemütlich mit einem Pint Guinness im Pub. Doch es gibt auch ein Irland abseits dieser Klischees.


Abwechslungsreiche Landschaft mit Bergen und Seen - die Region rund um die irische Stadt Killarney ist bei Wanderern beliebt
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Abwechslungsreiche Landschaft mit Bergen und Seen - die Region rund um die irische Stadt Killarney ist bei Wanderern beliebt



In Killarney, einem der touristischen Zentren der Insel am Ring of Kerry, reicht es aus, nur einmal die scheinbar falsche Abzweigung vom ausgetretenen Pfad zu nehmen - und plötzlich ist Irland gar nicht mehr grün und sanft, sondern grau und wild und dramatisch.

Im Südwesten des Landes ragen die acht höchsten Berge Irlands in den Himmel. Auch der Carrauntoohil misst als höchster zwar nur 1041 Meter. Doch sein Antlitz ist fast alpin: Majestätisch thront er über Killarney, und einheimische Bergführer warnen immer wieder, der Carrauntoohil sei kein leicht zu erklimmender Berg. Durchschnittlich trainierten Wanderern raten sie, sechs bis sieben Stunden dafür zu veranschlagen.

Auch die Iren in Killarney zeigen Respekt: "Ja, ich war vor ein paar Jahren schon mal oben", sagt eine Kellnerin im Pub. Gerne würde sie den Berg noch einmal besteigen - "aber beim nächsten Mal will ich ankommen, ohne unterwegs in Tränen auszubrechen."

Einer der meistbesuchten Orte Irlands: Das "Muckross House" bei Killarney ist von ausgedehnten Parks und Gärten umgeben
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Einer der meistbesuchten Orte Irlands: Das "Muckross House" bei Killarney ist von ausgedehnten Parks und Gärten umgeben

Derart vorgewarnt, empfiehlt sich doch erstmal eine Wanderung am Fuß des Berges. Die Region ist reich an historischen Bauten. Die beliebtesten Ziele finden sich nahe der drei Seen von Killarney, und das prachtvolle viktorianische "Muckross House" am Muckross See zählt gar zu den meist besuchten Orten Irland. Umgeben ist Muckross House von Parks und Gärten mit zum Teil seltenen exotischen Pflanzen.

Tief hinein in die irische Geschichte führen kleine Wanderwege, die nur wenige Touristen finden. In der Nähe von Muckross House steht die Ruine von Muckross Abbey. Überall stehen und liegen hier Grabsteine aus früheren Epochen. Weiter im Norden ragt ein kleiner Felsen aus dem Wasser: "Das ist Colleen Bawn Rock", erzählt der aus Deutschland stammende Fremdenführer Bob Wiener. "Hier spukt Colleen, ein schönes, blondes Mädchen. Die Fischer lassen sich von ihr den Kopf verdrehen und ertrinken." Colleen habe sich unglücklich in den Sohn ihres Gutsherren verliebt und es vorgezogen, ins Wasser zu gehen, statt den für sie vorgesehenen Bauerntölpel zu ehelichen.

Der kleinste der drei Seen bei Killarney ist der Lower Lake. An seinem Ufer trotzt Ross Castle Wind und Wetter. Gegen echte Feinde mussten sich die Bewohner zuletzt im 17. Jahrhundert wehren, als die englischen Invasoren unter Cromwell angriffen. Doch die Besatzer von Ross Castle gaben sich geschlagen, noch bevor ein Kampf entbrannte. Vielleicht hätten sie die Burg sogar halten können, die noch heute mächtig und bedrohlich wirkt - aber der Krieg war bereits verloren.

 Alte Gemäuer: Ross Castle steht am Ufer des Lower Lake, des kleinsten der drei Seen nahe der irischen Stadt Killarney
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Alte Gemäuer: Ross Castle steht am Ufer des Lower Lake, des kleinsten der drei Seen nahe der irischen Stadt Killarney

Der letzte Schritt in die frühe irische Vergangenheit führt nach Innisfallen, der mythischen Insel im Lower Lake. Weit abgelegen von der mittelalterlichen Zivilisation gründeten Mönche hier im siebten Jahrhundert eine Abtei. Bald kamen die Söhne adliger Familien aus ganz Europa hierhin, um sich unterrichten zu lassen. Anziehungskraft auf Dichter und Künstler hat der Ort bis heute: Immer noch heißt der Lower Lake auch Lough Lein - See des Lernens.

Von Sascha Borrée, gms



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