Neuer Bildband Italien, unwiderstehlich

Capri und Positano, Como und Portofino: Italien klingt von Nord bis Süd nach Dolce Vita. Der US-Fotograf Gray Malin hat den einzigartigen Lebensstil dokumentiert - am Strand, vom Holzboot und vom Helikopter aus.

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"Italien ist für mich wie ein Eis in der Waffel an einem heißen Tag - fast unmöglich zu widerstehen, und wenn es aufgegessen ist, dann verlangst du nach mehr."

Gray Malin geht es wie vielen Deutschen: Je öfter er Italien besucht, desto mehr verliebt er sich in das südeuropäische Land. "Es ist wahrlich ein Traumreiseziel", sagt der US-amerikanische Fotograf, der seit 2013 jeden Sommer nach Italien gereist ist. Warum? Wegen der "Küstenorte mit den bunten Häusern, der Hügel in den Weinregionen, der hektischen Städte - und natürlich wegen des Essens und der Kultur."

Was Malin aufzählt, wenn er über Italien spricht, sind Stereotype, die langweiliger nicht sein könnten. Doch die Art und Weise, wie der Mann aus Kalifornien seine Motive fotografiert, macht Laune. Seine Bilder, auf denen selten Menschen zu sehen sind, erzählen von einer Nation, die den Sand zwischen den Zehen genauso braucht wie das Gefühl, zu sehen und gesehen zu werden. Die den Sommer und das Leben feiert und deren entspannte Haltung die ganze Welt verzückt.

Anzusehen sind die Ergebnisse von Malins Fotoreisen in dem nun (bei Abrams und nur in englischer Sprache) erschienenen Bildband "Italy", einer 144 Seiten langen Küstenschau in Pastell und Aquamarin.

Fotostrecke

8  Bilder
Italien-Bildband: Dolce Vita unterm Schirmchen

Den bereisten Urlaubsregionen - unter anderem Apulien, Sizilien, die Toskana und die Amalfiküste - ist jeweils ein eigenes Kapitel gewidmet. Darin versammelt Malin Fotografien aus drei unterschiedlichen Serien, die er im Laufe der vergangenen sechs Jahre aufgenommen hat:

  • eine Fotoserie zum Thema Dolce Vita
  • eine aus Strandfotos
  • eine mit geometrischen Motiven wie Sonnenschirmen und Cabanas von oben.

Bei Ersterer sei es darum gegangen, den glamourösen Lebensstil der Italiener zu dokumentieren. Da wären die blau-weiß gestreiften Sonnenstühle auf den Felsen des Beachclubs La Fontelina auf Capri. Da wäre ein Gläschen Rosato und ein Teller Spaghetti Vongole sowie das Holzboot, mit dem Malin eine alte Villa am Comer See oder das ligurische Nobeldörfchen Portofino ansteuert.

Doch beeindruckender als die Schnappschüsse vom schönen - und für viele Menschen unerschwinglichen - Luxusleben sind Malins Strandfotos, die die Küste als Ort für alle zeigen. Er machte dafür Fotos aus der Luft, die bunte Handtücher, Gummitiere und Tretboote zeigen. Wellen rauschen an den Strand, man spürt beim Betrachten der Bilder förmlich den Wassermelonensaft am Arm hinunter tropfen.

Auch aus seiner Serie geometrischer Fotografien gibt es ein paar Beispiele im Buch. Es sind Aufnahmen von Sonnenschirmen, die den Strand schmücken als hätte man ihnen "Soldaten, stillgestanden!" befohlen. Mal sind sie aus orangefarbenen Stoffen, mal rot-weiß geringelt und mal mit grünen Streifen.

"Die Sonnenschirme entlang der italienischen Küste sind einfach bezaubernd", sagt Malin, "von ihren Farben bis zu ihren geometrischen Mustern, die man vor allem dann sieht, wenn man sie von oben betrachtet." Viele von ihnen hätten eine gewisse Retro-Anmutung, sie würden für eine "zeitlose Kulisse" sorgen. Malin versteht die Schattenspender als "nostalgisches Symbol für Strandtage". Sie stünden genauso für die Erinnerung an ein schönes Erlebnis in der Vergangenheit wie auch für die Vorfreude auf den nächsten Trip ans Meer.

Der Ort, der das süße Leben verspricht

Malins Fotos haben den Frohsinn eines Frischverliebten und das Wohlwollen, das die Partner einer stabilen Langzeitbeziehung auszeichnet. Ja, er liebe Italien von ganzem Herzen, sagt Malin. "Alles scheint so idyllisch." Ständig fühle er sich eingeladen, "einen Spritz zu trinken, zum Strand zu fahren und das Leben voll auszukosten".

Preisabfragezeitpunkt:
29.06.2019, 11:43 Uhr
Ohne Gewähr

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Gray Malin
Italy

Verlag:
Abrams & Chronicle Books
Seiten:
144
Preis:
EUR 24,61

Malin beschreibt das Italien der Urlauber, das mancherorts frei von Problemen zu sein scheint; von Wirtschaftskrise, Rechtsruck, Armut und Korruption kein Wort - und auch kein Bild. Seine Arbeit lässt keinen Platz für die Touristenmassen, unter denen Städte wie Venedig aber auch Wanderdörfer wie die Cinque Terre leiden. Auch die Probleme mit dem Kreuzfahrttourismus werden nicht erwähnt.

"Natürlich", sagt Malin, "der Tourismus wächst Jahr für Jahr. Aber ich glaube, Italien wird dadurch nicht so schnell seinen Charme verlieren." Für ihn werde es immer das Land sein, das allein Dolce Vita verspricht.

insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
Spiegelpizza 29.06.2019
1. "Küste als Ort für alle"
Selten so einen oberflächlichen Mist gelesen. Immerhin erwähnt der Spiegel in eineinhalb Sätzen, dass das Vita vielleicht nicht ganz so dolce ist wie man vom Autor vorgeschwärmt bekommt. Und da geht es wahrlich nicht nur um die Massen an Touristen überall. Enorme wirtschaftliche und politische Probleme, ein Nord-Süd-Gefälle, das Seinesgleichen sucht, verfallende Infrastruktur, wo man hin blickt. Momentan geht die Sache mit dem Müll wieder los, in Rom und in Neapel; bei den Temperaturen ist das nicht nur unangenehm an zu sehen. Oh, und was Küste als Ort für alle angeht: für alle, die den Geldbeutel aufmachen können. Jeder dieser hübschen Sonnenschirme hat ein Preisschild - in Positano z.B. momentan 22.50 Euro pro Person. Auch das muss man sich erst mal leisten können.
ThorstenMartens 29.06.2019
2. Dolce Gaga
Was ist so schön an diesen Massen von Sonnenschirme ,kein Platz für individuelle Reisende . Typisch USA Manier Farben ja aber bitte wie? so jedenfalls nicht die Blindheit des Fotografen, nur die Farben aber nicht die Natur so nicht. Guss an die Massen.
Luscinia007 29.06.2019
3.
Ich frage mich, wie man diese Touristenhochburgen als "idyllisch" bezeichnen kann. Sonnenschirm an Sonnenschirm aufgereiht, Menschenaufläufe, bagnos, d.h. an Privatunternehmer vermietete Strände, die Eintritt kosten ...
spon_2545532 29.06.2019
4. Das Land, wo die Zitronen blühn
Wunderschöne Bilder. Bild Nr 7 Riomaggiore ist allerdings seitenverkehrt.
k70-ingo 29.06.2019
5.
Zitat von Luscinia007Ich frage mich, wie man diese Touristenhochburgen als "idyllisch" bezeichnen kann. Sonnenschirm an Sonnenschirm aufgereiht, Menschenaufläufe, bagnos, d.h. an Privatunternehmer vermietete Strände, die Eintritt kosten ...
Mein erster Gedanke war ähnllich: Da hat jemand zu viele 50er Jahre-Schmalzfilme geschaut. Mit Verlaub, aber ich empfinde die Intention des Autors als welfremde Wolkenkuckucksheimattümelei. Und die Vorstellung, dort Urlaub machen zu müssen, als Horror-Alptraum.
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