Insel Procida vor Neapel
Insel Procida vor Neapel
Foto: Susan Wright / NYT / /Redux / laif

Giglio statt Elba, Procida statt Capri Fünf italienische Inseln für Insider

Nicht ohne Grund lösen Capri, Sardinien und Sizilien Urlaubssehnsucht aus. Doch es gibt auch weniger bekannte italienische Inseln – sie haben ihren ganz eigenen Flair.

Mit den ersten Sonnenstrahlen kommt die Sehnsucht nach Urlaub, Sommer – und Meer. Und nach Dolcefarniente, dem süßen Nichtstun. Nach italienischen Inseln, mit all ihren unperfekten Liebenswürdigkeiten. Sie sind sogar ohne Flugzeug zu erreichen, und obendrauf gibt es noch Sonnengarantie, köstliches Essen und Dolce-Vita-Feeling. Hach, jetzt nach Capri, Sardinien oder Sizilien! Oder doch mal nach Procida, Favignana oder Giglio?

Vor der Coronakrise verhießen diese kleineren und weniger bekannten Insel mehr Platz für Urlauber und Urlauberinnen als ihre großen Schwestern, auf denen an manchen Orten Strände und Restaurants zur Hochsaison überfüllt waren. Dies wird im dritten Frühjahr und Sommer nach Beginn der Pandemie wohl noch nicht wieder der Fall sein – das Erkunden der isole piccole, lohnt sich allemal:

Procida statt Capri

Strand Ciracciello auf Procida: Nur 4,1 Quadratkilometer groß ist die Insel vor Neapel

Strand Ciracciello auf Procida: Nur 4,1 Quadratkilometer groß ist die Insel vor Neapel

Foto: B. Schwertfeger / SRT

»Bonbontüte vom Golf von Neapel« wird die quietschbunte kleine Insel vor Neapel auch genannt. Ganz richtig ist das nicht, denn es gibt durchaus auch zarte Pastelltöne in der viel fotografierten Häuserreihe an der Hafenpromenade. Weit weniger Touristen finden den Weg nach Procida als auf das benachbarte Capri. An der mangelnden Italianità kann's nicht liegen. Vielleicht fehlt der Glamourfaktor?

Am Hafen flicken Fischer ihre Netze, Grüppchen von Frauen stehen mit Einkaufstaschen vor Geschäften, die Arme in die Hüften gestützt und tauschen den neuesten Klatsch aus, Katzen räkeln sich auf sonnengewärmten Steinen – das reinste Klischee, und doch wirkt es einfach nur beschaulich und friedlich. Wenn dann noch eine Vespa mit einer Kiste frischem Fisch auf dem Rücksitz vorbeisaust, glaubt man, in einem Filmset der Sechzigerjahre gelandet zu sein.

Tatsächlich ist die kleine Insel wegen ihrer Ursprünglichkeit Schauplatz für so manchen Film. So wurde beispielsweise am Strand Pozzo Vecchio der Romantikklassiker »Il Postino« (1994) gedreht. Auch Szenen aus der »Der talentierte Mr. Ripley« (1999) zeigen die Insel. Vielleicht war auch dies ein Grund, warum Procida im Jahr 2022 zur italienischen Kulturhauptstadt ernannt wurde.

Nach einem Bummel- oder Strandtag fällt die Wahl zwischen einem Essen unter Zitronenbäumen im La Pergola oder direkt am Wasser im La Gorgonia schwer. Dort gibt's zwar keine Zitronenbäume, dafür aber eine wunderbare Insalata di Limone, einen Zitronensalat mit Zwiebelchen.

Favignana statt Sizilien

Favignana: Zum Eis auf die Piazza Europa

Favignana: Zum Eis auf die Piazza Europa

Foto: S. Ehegartner / SRT

Ganz fair ist der Vergleich auf den ersten Blick nicht, ist doch Sizilien die größte italienische Insel und Favignana mit ihren knapp 20 Quadratkilometern eher ein Winzling. Andererseits ist auch sie in ihrer Gruppe, den Ägadischen Inseln nämlich, die größte. Wer also eine überschaubarere, aber nicht allzu kleine Insel mit klarem Wasser, Sonne und vielseitigem Essen sucht, findet auf Favignana sein Paradies.

Bei einem Bummel durch die arabisch inspirierte und recht verwinkelte Inselstadt können Reisende neben der Thunfischfabrik Tonnara samt dazugehöriger Fabrikantenvilla den besonderen Charme des Orts erleben. Da sind auch noch der Blumen-umrankte Madonnenaltar oder die Kirche der »Unbefleckten Empfängnis« auf der Piazza Matrice Favignano daneben. Ansonsten gilt: Treibenlassen durch schmale Gassen und ein Cappuccino oder Eis auf der Piazza Europa.

Glasklares Wasser schwappt vor den Stränden der Insel – zum Glück von Schnorchlern: etwa Cala Rossa, Cala Azzurra oder Cala Rotonda. Und sobald die Sonnenstrahlen länger werden, geht's ins Quello Che C'è C'è. Das Restaurant macht seinem Namen alle Ehre: »Was da ist, ist da« klingt zunächst zwar etwas harsch, zum Glück für die Besucher ist jedoch reichlich da. Besonders gut schmeckt der Thunfisch mit Pistazien.

Ponza statt Sardinien

Wer Bootsausflüge und Baden in stillen Buchten im Sinn hat, aber weniger Lust auf Promirummel und überteuerte Preise, ist auf Ponza richtig. Statt Costa Smeralda einfach nur klares Wasser, gutes Essen und viel mehr authentisches Italien.

Die bunte Insel im Tyrrhenischen Meer zählt zum Archipel der Pontinischen Inseln und gilt als Schnorchel- und Taucherziel. Als schönste Strände ist der »Chiaia di Luna« bekannt, geschützt von einer weißen Tuffsteinwand, und die Bucht »Cala Feola«. Weiter entfernte und schwerer zugängliche Buchten können bei einem Tagesausflug mit dem Boot erreicht werden. Im Hafen bieten zahlreiche Anbieter Ausflüge an, aber auch private Bootscharter. Es muss ja keine Jacht sein.

Insgesamt hat Ponza sich einen gemütlichen Rhythmus bewahrt. Luxusjachten findet man dort selten, und obwohl es auf den zwei Ebenen entlang des Hafens viele Geschäfte gibt, sucht man die Parade internationaler Nobelmarken dort vergebens. Umso luxuriöser ist der Ausblick beim Sundowner am Hafen: Wer Glück hat und einen der Tische an der Hafenmauer der Bar dei Pesci ergattert, hat Boote und bunte Häuserfassaden vor Augen.

Der Sage nach war Ponza die Heimat der Zauberin Circe, die schon Odysseus bezirzt hat. Bei einem Essen im Ristorante La Campanella mit Blick aufs Meer ist dann endgültig klar: Circe übt ihren Zauber immer noch aus.

Giglio statt Elba

Cala degli Alberi: Knapp 30 Wanderrouten für alle Schwierigkeitsgrade

Cala degli Alberi: Knapp 30 Wanderrouten für alle Schwierigkeitsgrade

Foto: H.W.Rodrian / SRT

Smaragdgrünes Meer, viel unberührte Natur und die berauschende Mischung aus Farben und Gerüchen machen aus der Insel vor der toskanischen Küste einen Schatz. Dabei geht es nicht um Elba, das vor Corona schon unter Massentourismus litt, sondern um eine viel kleinere Insel namens Giglio, die vor zehn Jahren durch die Katastrophe des Untergangs der »Costa Concordia« bekannt wurde.

Dabei ist bei Wanderern die Insel mit ihren zahlreichen Routen, die durch duftende Macchia und bunte Blütenmeere und vorbei an spektakulären Aussichten führen, schon lange beliebt: Knapp 30 Routen für alle Schwierigkeitsgrade gibt es inzwischen auf der wenig besiedelten Insel. Einige davon sind alte »Mulattiere«, Eselswege, auf denen die Einheimischen sich zwischen den Orten bewegt haben.

Verlassen und karg ist Giglio allerdings ganz und gar nicht: Der einzige Hafen der Insel ist so hübsch und geschäftig, wie man sich einen Hafen vorstellt. Enge Straßen werden von bunten Häusern mit Cafés, Restaurants und Eisdielen gesäumt. Etwas ruhiger ist es im Giglio Castello, das sich hoch auf dem Berg in 405 Meter Höhe erhebt. Dort scheint sich seit Jahrhunderten nichts verändert zu haben, und auch der hektischste Reisende fällt in den gemächlicheren Inselrhythmus.

Immer noch nicht im Inselfeeling? Dann hilft vielleicht ein Besuch der Strände Campese, Cannelle und Arenella. Abends klingt der Tag auf der Terrasse des Restaurants La Vecchia Pergola mit fangfrischen Meeresfrüchten auf dem Teller.

Burano statt Venedig

Burano: Im Nebel dienten die bunten Häuser zur Orientierung

Burano: Im Nebel dienten die bunten Häuser zur Orientierung

Foto: S. Ehegartner / SRT

Seit Jahren ächzte Venedig unter der Last ihrer Besucherinnen und Besucher. Von Kreuzfahrtdampfern geplagt und von Tagestouristen heimgesucht, kämpfte die Insel, bevor die Coronakrise begann, im wahrsten Sinne des Wortes ums Überleben. Nicht weit entfernt liegt nordöstlich das kleine Burano.

Die leuchtend bunten Häuser der kleinen Nachbarinsel ragen aus dem glatten Gewässer der Lagune auf. Ihre Farbenpracht sollte den Fischern als Orientierung bei Nebel dienen, die heutigen Fotografen lieben ihre Spiegelung in den Kanälen. Mittlerweile bietet auch der Turm der Inselkirche San Martino einen unverwechselbaren Anhaltspunkt. Er ist nämlich schief geworden, angeblich sogar schiefer als der berühmte Bruder in Pisa. Im Inneren ziert eine aufwendige Kreuzigungsszene des venezianischen Barockkünstlers Giovanni Battista Tiepolo die Wände.

Bekannt ist Burano auch für seine Stickerei- und Klöppelarbeiten, eine Tradition, die die Fischerfrauen von früher begründeten. Zu kaufen gibt es die Kunstwerke, ebenso wie Glaskunst von der Nachbarinsel Murano, bei einem Bummel durch die Hauptstraße Via Baldassare Galuppi. Abseits der Hauptstraße, an einem ruhigen Kanal – natürlich gesäumt von bunten Häusern –, wird dann im Gatto nero zum Risotto ein Haus-Prosecco serviert. Mehr dolce vita geht dann fast nicht mehr.

Fünf italienische Inseln: Die Alternative zu Sizilien und Co.

Italien hat die Maskenpflicht im Freien abgeschafft. Für die Einreise gilt für alle über sechs Jahren »3G«.

Sandra Ehegartner, srt