Bildband "Exclusive Yachtclubs" Nur staunen, nicht anfassen

Viel nobler wird's nicht mehr: In den exklusivsten Jachtklubs der Welt haben nur Mitglieder Zutritt. Segelfan Svante Domizlaff wollte unbedingt mal rein. Er hat es geschafft - hier sind seine Bilder.

New York Yacht Club / Dan Nerney

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Wenn das Personal zum Lunch eindeckt, wird die Tischdecke nach dem Auflegen noch einmal akribisch mit einem heißen Glätteisen in Form gebracht. Besteck und Geschirr werden mit Hilfe eines Lineals perfekt ausgerichtet. Fast könnte man meinen, Queen Elizabeth und ihr Mann Prinz Philip würden das Treiben ein wenig amüsiert betrachten. In Gold gerahmt hängen ihre Porträts an den Wänden. Still lächelnd blicken sie jedem entgegen, der seinen Fuß über die Schwelle eines der exklusivsten Jachtklubs der Welt setzt: des Royal Yacht Squadron.

Viele sind es nicht, die Zutritt ins "Castle" haben, das Klubhaus am Solent, der Meerenge zwischen der Isle of Wight und der englischen Südküste. Dem 200 Jahre alten Klub gehören konstant 535 Mitglieder an. Neugierige? Not welcome!

"Dass mir der Klub der britischen Könige die Türen weit geöffnet hat, war eine Sensation", sagt Svante Domizlaff. Geduldig hat der Hamburger, selbst ein aktiver Hochseesegler, Bittbriefe geschrieben, Kontakte spielen lassen und vor allem gewartet. Nicht nur, um ins Innere der Royal Yacht Squadron vorgelassen zu werden, sondern auch in die Heime anderer für den Jachtsport wichtiger und geschichtsträchtiger Vereine.

Der widerspenstige Klubsekretär

So hat Domizlaff dem im Jahr 1844 gegründeten New York Yacht Club (NYYC) einen Besuch abgestattet, obwohl der Klubsekretär, anders als der Vorstand, ihn am liebsten vor der geschlossenen Tür des Belle-Époque-Palais an der 37 West 44th Street in Manhattan hätte stehen lassen. Insgesamt zehn "Exclusive Yachtclubs" porträtiert Detzlaff in seinem gleichnamigen, üppig bebilderten Buch - darunter den Yacht Club de Monaco, den Yacht Club Costa Smeralda, den Kieler Yacht Club und den Real Club Náutico de Palma.

Er gewährt Einblicke in die "Kathedrale" des Jachtsports - den Model Room des NYYC. Hier werden 1700 Modelle von Rennjachten gehütet. Der Leser sinkt in die Fauteuils bestens sortierter Bibliotheken, deren Regale voll mit dem gesammelten Jachtsportwissen stehen - und wünscht sich während der Lektüre auf die private Pool-Terrasse der Segler in Porto Cervo.

"Eingangspunkt und Ausgangspunkt des Segelsports sind nun mal Klubs. Da trifft man auf Gleichgesinnte und erlebt noch ein bisschen von der 'Brotherhood of Sea', die auf den sieben Meeren gilt", sagt Domizlaff, Jahrgang 1950 und selbst Mitglied im Norddeutschen Regatta Verein.

Das 'Who is who" der Ostküstenprominenz

Doch so tief die innere Verbundenheit der Jachtsportler zwischen Kiel und New York, Stockholm und der Costa Smeralda auch sein mag, es gilt: anderes Segelrevier, anderes Klubleben. "In England ist es so, wie man es sich vorstellt: Es geht ums Segeln, Freizeit und sicher auch ums Geschäft", sagt Domizlaff. "In den USA hingegen ist es 'fashionable', Mitglied des NYYC zu sein. Die Mitgliederliste ist großes Kino und gleicht einem 'Who is Who' der Ostküstenprominenz. Im Yacht Club de Monaco zeigt man sich gern: In den Bars und Restaurants herrscht reges Kommen und Gehen, und die Dichte attraktiver Frauen ist einmalig."

Auch wenn die Aufnahmebedingungen in den meisten Klubs in den vergangenen Jahrzehnten liberaler geworden sind. Um bei den großen Klubs als Mitglied in Betracht gezogen zu werden, braucht man Bürgen und muss allein mehrere Tausend Euro Eintritt bezahlen.

"Segeln ist ein eher teurer Sport, weil das Sportgerät teuer ist. Deshalb sind viele der großen Klubs ein Zuhause für sehr wohlhabende Menschen. Es stimmt aber auch, das sich alle Klubs große Mühe mit der Ausbildung von Nachwuchs geben", sagt Domizlaff.

Warum rein in einen Klub und raus auf Wasser? Der Buchautor und Türenöffner hat eine ganz philosophische Erklärung: "In dem Augenblick, wenn die letzte Festmacherleine gelöst wird, wird man frei von allem Ballast des Lebens. Man betritt ein eigenes Universum. Eine Segelreise mit Stürmen und Flauten, Rückenwind und Gegenwind ist wie ein Gleichnis auf das Leben selbst. Nur eben viel übersichtlicher."

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Sumerer 25.09.2015
1.
Der Vergleich mit der gelösten Festmacherleine ist gut. In diesem Moment, vielleicht auch nach Hafenausfahrt, befindet man sich in einem anderen Universum. Das ist zwar übersichtlicher, hat aber jede Menge Überraschungen parat. Ich hatte zum Beispiel mal eine Boje nicht berücksichtigt, Die gab die maximale Wassertiefe von 1,20 m an. Rums und schon saßen wir fest. Der Boden war sandig. Nach etwa 30 Minuten konnten wir unsere Yacht befreien.
tzfs 25.09.2015
2. Mehr Monaco-Bilder
hier gibt es noch mehr Bilder vom Yacht Club Monaco: http://www.franken-schotter.com/projekte/oeffentliche-projekte/yacht-club-de-monaco/ ... alles mit dem schönen Dietfurter Naturstein aus Mittelfranken ...
gtunstall 25.09.2015
3.
" In den exklusivsten Jachtclubs der Welt haben nur Mitglieder Zutritt. ". Ja, man nennt es auch 'Club'.
gropie 25.09.2015
4. Exklusivität?
Die Putze darf immer rein, da können sich die Reichen noch so aufplustern oder abschotten.
handschaltung 25.09.2015
5. wichtiger und geschichtsträchtiger Vereine.
Wie kann etwas wichtig sein zu dem fast niemand Zugang hat? Das ist doch Schwachsinn im Quadrat - reine Hybris. Ich bin auch Mitglied in einen Club - bei uns wird jeder Gast mit offenen Armen empfangen
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