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Halbinsel Krim: Zwischen Kur und Partyurlaub

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Ukrainische Halbinsel 20 Dinge, die Sie über die Krim wissen sollten

Weiße Nobeldatschen, riesige Partystrände: Die Halbinsel Krim ist eines der interessantesten Reiseziele Osteuropas. Nach der Flucht von Ex-Präsident Janukowitsch wird die Region zum Zankapfel zwischen der Ukraine und Russland. Wegen der Schwarzmeerflotte - und des touristischen Potentials.

Auf die Krim soll sich der gestürzte ukrainische Staatspräsident Wiktor Janukowitsch am Wochenende zeitweise zurückgezogen haben. Wohin auch sonst? Die Krim ist ein Urlaubsparadies mit langer Geschichte, doch viel wichtiger: Nirgendwo ist die Ukraine so russisch wie auf der Krim. Hier stehen besonders viele Menschen auf der Seite von Janukowitsch, nur zehn Prozent sprechen überhaupt Ukrainisch.

Zuerst soll der Ex-Präsident Zuflucht in einem Erholungsheim gesucht haben, dann in einer Privatresidenz im malerischen Balaklawa. Damit knüpft er an alte Traditionen an. Die Krim war schon seit dem 19. Jahrhundert als Rückzugsort für die Reichen bekannt, bevor sie in Sowjetzeiten zum Massenurlaubsziel wurde. Jetzt könnte die autonome Republik eine entscheidende Rolle in dem Konflikt zwischen der Ukraine und Russland spielen. Der Kreml wird wohl kaum zulassen, dass ukrainische Nationalisten auch hier die Macht übernehmen. In der Küstenstadt Sewastopol ist die Schwarzmeerflotte stationiert, Tausende russische Soldaten leben in dem Ort.

Während russische und ukrainische Urlauber im Sommer in Scharen auf die Halbinsel strömen, ist die Zahl deutscher Touristen noch überschaubar. Hierzulande fällt vielen beim Namen der Region hauptsächlich Krimsekt ein, deshalb helfen wir ein bisschen nach - mit 20 Fakten über die Krim, die zusammen ein charakteristisches Bild der nun umkämpften Region ergeben:

Foto: © Gleb Garanich / Reuters/ REUTERS

1. Die Halbinsel liegt um den 45. Breitengrad, etwa auf der Höhe von Südfrankreich. Entsprechend mediterran ist das Klima. Einstiger Spitzname: Rotes Nizza.

2. Schon die Zaren ließen es sich hier gutgehen: Bis heute erinnern edle Sanatorien und Kurhäuser an die mächtigen Besucher von einst.

3. Im August fällt regelmäßig eine exzesswütige Partymeute ein: Das Festival Republik Kazantip ist ein mehrwöchiger Rausch im Takt der Elektro-DJs.

4. In der Sowjetzeit waren die Urlauberzahlen erheblich höher als heute. Jetzt sollen große Tourismusprojekte die Nachfrage steigern. Zum Beispiel einer der größten Freizeitkomplexe Europas, den Oligarch Roman Abramowitsch hier bis 2017 für hundert Millionen Euro errichten will.

5. Ein Billig-Reiseziel ist die Krim nicht. 120 Euro für ein Doppelzimmer sind selbst in der Nebensaison keine Seltenheit - das ist mehr als ein Drittel des durchschnittlichen Monatseinkommens in der Ukraine. Viele russische Touristen fahren inzwischen gleich nach Ägypten, Griechenland oder in die Türkei, weil eine solche Reise nicht deutlich teurer und der Service besser ist.

6. Anton Tschechow, Maxim Gorkij, Alexander Puschkin, Marina Zwetajewa, Wladimir Majakowskij: Die Namen der Kreativen, die im angenehmen Schwarzmeerklima ihre Werke verfassten, lesen sich wie ein Who's who der russischen Literatur.

7. In einer Liste der 20 unbedingt empfehlenswerten Sehenswürdigkeiten für 2013 erreichte die Krim im Magazin "National Geographic Traveler" den ersten Platz.

8. Der Liwadia-Zarenpalast ist heute ein Museum. Ein Pflichtbesuch für geschichtsbewusste Besucher: Nikolaus II. und Familie genossen hier ihre letzten Sommer vor der Oktoberrevolution. Im Februar 1945 trafen sich am gleichen Ort Churchill, Roosevelt und Stalin zur Konferenz von Jalta, um Europa unter sich aufzuteilen.

9. Der längste Hochleitungsbus der Erde verkehrt zwischen Jalta, Aluschta und Simferopol. Die Strecke ist 86,5 Kilometer lang.

10. Ein russisches Sprichwort lautet: "Gott schuf die Krim und Sotschi, der Teufel Skoworodino und Mogotschi" - die letzteren beiden sind winzige Ortschaften weitab der Großstädte, die für kühle Winter berüchtigt sind.

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11. Der Kurort Jalta gilt als Ballermann des Ostens. Mit Schießbuden, Karaokezelten und rostigen Fahrgeschäften werden hier die Urlauber bespaßt.

12. Erst 1987 wurde die zwei Kilometer lange Marmorhöhle auf dem Taschtyr-Dag-Plateau entdeckt. Heute gilt sie mit ihren glitzernden Kristallen und Tropfsteinen als eine der spektakulärsten Höhlen der Welt.

13. Die Krim verfügt jetzt über ein eigenes Parlament, ein eigenes Wappen und eine Flagge.

14. Vom Yachthafen in Balaklawa verkehren Fähren zu Stränden, die Namen wie "Silber" und "Gold" tragen.

15. Auf der Krim fanden Skythen, Kimmerer, Griechen, Römer, Slawen, Tartaren und Türken eine Heimat. Heute leben hier mehr als 80 Nationalitäten und Völker zusammen.

16. Ein berühmtes Foto aus den siebziger Jahren, das Leonid Breschnew und Willy Brandt in einem Boot zeigt, entstand auf der Krim.

17. Die Sowjetunion "schenkte" die Krim 1954 der Ukraine, dem Heimatland des damaligen Regierungschefs Chruschtschow.

18. In der Festungsstadt Sewastopol ist die Schwarzmeerflotte eine Art Touristenattraktion. Ein Kriegsschiff liegt hier neben dem nächsten.

19. Die Herkunft des Namens Krim ist nicht eindeutig geklärt. Es wird vermutet, dass er entweder vom mongolisch-tatarischen "kerim" ("Festung") oder vom krimtatarischen "qrm" ("Felsen") abgeleitet wurde.

20. Und zuletzt der Krimsekt: Der Schaumwein wurde tatsächlich ursprünglich auf der namensgebenden Halbinsel hergestellt, inzwischen wird er aber auch in zahlreichen anderen ukrainischen Städten produziert.

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