Jeep-Safari auf Chalkidiki Über Stock und Stein durch den Olivenhain

Steile Abhänge hinunter, über Felsspalten und an knorrigen Olivenbäumen vorbei: Mit dem Jeep lernt der Abenteuer suchende Urlauber die Landschaft auf Kassandra, einem Finger der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki, völlig neu kennen. Besinnlicher geht es auf dem Heiligen Berg Athos zu.


Auf Safari durch Kassandra: Nikitas Stratos zeigt Touristen seit 16 Jahren seine Heimat
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Auf Safari durch Kassandra: Nikitas Stratos zeigt Touristen seit 16 Jahren seine Heimat

Kassandra - Die Kolonne der grünen Jeeps holpert mit quietschenden Sitzfederungen über zerklüftete Felsen. Obwohl die Geländewagen nur im Schritttempo fahren, schaukeln sie wie Ozeandampfer bei Sturm. Vorweg fährt Nikitas Stratos: Er leitet die rund fünfstündige Jeep-Safari über Kassandra, den linken der drei Finger, aus denen die nordgriechische Halbinsel Chalkidiki besteht. Die Fahrgäste klammern sich an Türen und Haltestangen. Stratos dagegen sitzt entspannt am Steuer, einen Arm lässig auf die Fahrertür gestützt. "Heute lernt ihr die schönste Landschaft der ganzen Halbinsel kennen", kündigt er an.

Der erste Teil der Safari gibt ungeübten Jeep-Fahrern Gelegenheit zum Eingewöhnen: Der Weg führt querfeldein durch unbestellte Äcker und hügelige Olivenhaine. Die Blätter der knorrigen alten Ölbäume schimmern silbrig in der Sonne. Dazwischen reifen die unscheinbaren Früchte, aus denen die Bauern der Chalkidiki eines ihrer besten Produkte gewinnen: Olivenöl.

Weiter geht es durch einen kühlen Wald aus Pinien und Eichen. Efeu bedeckt die Stämme der hohen Bäume, dazwischen blühen Ginster und Oleander. Stratos hält an und pflückt im Sitzen eine Handvoll wilder Weintrauben und verteilt die roten Früchte an seine Passagiere.

Nach der Jeep-Tour zum Bad in der Ägäis: Kassandra ist die linke der drei Finger der Chalkidiki-Halbinsel
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Nach der Jeep-Tour zum Bad in der Ägäis: Kassandra ist die linke der drei Finger der Chalkidiki-Halbinsel

Das hügelige Gelände mit den hohen Bäumen ist der älteste Teil des Waldes. "Früher war er viel größer, aber leider hatten wir in den vergangenen 20 Jahren immer wieder Waldbrände", erzählt Stratos. An einer Lichtung hält die Jeepkolonne erneut. Versteckt hinter Bäumen und Sträuchern liegt ein kleiner Tümpel. Stratos klettert über glitschige Steine an das abschüssige Ufer und wirft Brotkrumen ins Wasser. "Jetzt zeige ich euch meine Freunde", sagt er lachend: Angekündigt von großen Luftblasen tauchen Dutzende Schildkröten an der bräunlich-grünen Wasseroberfläche auf.

Über staubige Sandpisten rollen die Jeeps langsam aus dem Wald heraus. Hunderte bunt angestrichener Bienenstöcke säumen die Wege. Ungehalten über die Störung, verirren sich immer wieder hektisch summende Bienen ins Auto. "Ruhig bleiben", rät Stratos. Zwar fällt es nicht ganz leicht, diesen Rat zu befolgen, aber tatsächlich wird niemand gestochen. Am Nachmittag erreicht die Safari die Steilküste. Vorsichtig rollen die Geländewagen über die Felsen. Ein Weg ist nicht mehr erkennbar. Immer häufiger muss Stratos aussteigen und die Amateure hinterm Steuer über Felsspalten und steile Abhänge lotsen.

Jeep-Safaris sind eine aufregende Art und Weise, sich auf Chalkidiki die Zeit zu vertreiben. In den Wäldern und Hügellandschaften können Aktivurlauber aber auch abwechslungsreiche Wanderungen oder Touren mit dem Mountainbike unternehmen. Und auch für die ruhebedürftigeren Urlauber ist die Halbinsel ein beliebtes Ferienziel: Zahlreiche weiße Sandstrände und das saubere Wasser laden ein zum Faulenzen und Sonnenbaden. In den seichten Badebuchten mit warmem Wasser plantschen schon die Kleinsten.

Besonders nachgefragt bei Chalkidiki-Touristen sind Bootstouren um den Heiligen Berg Athos, den Touristen nur mit Sondergenehmigung betreten dürfen. Mehrmals täglich starten offene Ausflugsdampfer in Ouranopoulis am Ansatz der Athos-Halbinsel zur Rundfahrt. Rund 1700 orthodoxe Mönche leben in 20 Klöstern zurückgezogen auf dem Heiligen Berg. Die Athos-Halbinsel ist ein autonomes Gebiet mit eigener Verfassung. Männliche Touristen dürfen die Mönchsrepublik nach einem aufwändigen Anmeldeverfahren für höchstens drei Tage besuchen. Frauen ist der Zutritt ganz verboten.

Pinien und Eichen, Ginster und Oleander: Die griechischen Halbinseln bergen viele Naturschätze
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Vom Boot aus lassen sich die Klöster zumindest aus der Ferne bewundern. Wie kunstvolle Vogelnester sind die teilweise aus dem Mittelalter stammenden Anlagen in steile Felsen und bewaldete Abhänge hineingebaut. "Gleich wird ein Mönch auf das Boot kommen, um mit Ihnen zu beten", quäkt eine blecherne Stimme in mehreren Sprachen aus den Lautsprechern. Bald darauf saust ein gelbes Wassertaxi heran. Drinnen sitzen zwei bärtige Mönche im schwarzen Gewand.

Bepackt mit Taschen und Holzkisten klettert einer der beiden Geistlichen an Bord, wo ihn der Kapitän ehrfürchtig begrüßt. Mit ernster Miene errichtet der Mönch auf dem überdachten Unterdeck einen kleinen goldenen Altar und ruft seine Landsleute zur Zeremonie. Nach dem Gebet im überfüllten, weihrauchgeschwängerten Raum stecken ihm die orthodoxen Touristen kleine Zettel zu - mit Bitten um Segen.

Dutzendweise kaufen die Ausflügler handgeschnitzte Holzkreuze und winzige Ikonen aus den Klöstern. Als das Wassertaxi wieder auftaucht, packt der bärtige Würdenträger seine Kisten zusammen und verschwindet in die Abgeschiedenheit des Klosterlebens auf dem Heiligen Berg.

Von Vivien Rehder, gms



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