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Ansturm in Borja Verschandeltes Jesus-Fresko wird Touristenattraktion

Durch ein verschandeltes Jesus-Fresko gelangte das Städtchen Borja zu weltweiter Berühmtheit. Nun verzeichnet das verschlafene Nest im Nordosten Spaniens einen Touristenboom. Hunderte Menschen bewunderten die kirchliche Wandmalerei am Wochenende.

Hamburg - Die ganze Welt schmunzelte in den vergangenen Tagen über das von einer Rentnerin verpfuschte Jesus-Fresko - nun zieht es Touristen an: Hunderte Schaulustige kamen am Wochenende in die nordostspanische Stadt Borja, um die bei einer Restaurierung verschandelte Wandmalerei in der Kirche zu bestaunen.

Den Besucherboom verdankt die Stadt den Malkünsten der Rentnerin Cecilia Giménez. Sie entstellte das 102 Jahre alte Jesus-Bild beim Versuch der Wiederherstellung derart, dass sie damit via Medien und Internet weltweit Aufmerksamkeit erregte. Dem gekreuzigten Jesus des Freskos mit dem Titel "Ecce Homo" des lokalen Künstlers Elias García Martínez verlieh Giménez das Antlitz eines knuddeligen Äffchens mit Knopfaugen.

Die Arbeit der Mittachtzigerin wurde von einigen Medien bereits zur misslungensten Restauration der Geschichte gekürt, allerdings hat Giménez auch eine wachsende Fangemeinde. Eine Frau, die eigens nach Borja gereist war, um das an einer Säule der Kirche Iglesia del Santuario de Misericordia befindliche Fresko zu sehen, fand Gefallen daran: "Das ursprüngliche Gemälde war auch sehr hübsch, aber dieses mag ich wirklich", sagte sie im spanischen Fernsehen.

Fotostrecke

Jesus-Fresko: Besucherboom in Borja

Foto: Toni Galan/ dpa

Ein Organisator eines Patronatsfests der Stadt freute sich bereits über die neue "weltweite" Bekanntheit Borjas. Im Web kursieren bereits zahlreiche Beiträge und Spiele zu dem Thema. Rund 18.000 Menschen unterzeichneten inzwischen eine Online-Petition, die sich gegen die Pläne der Stadt stemmt, das Originalbild möglichst wiederherzustellen.

Auch auf der spanischsprachigen Facebook-Seite mit dem Namen "Damen, die den Christus von Borja restaurieren" ("Señoras que restauran Cristos de Borja" ), haben sich die Nutzer bereits kreativ betätigt: Von den bislang mehr als 33.000 Fans ersetzten einige das Jesus-Gesicht in Fotomontagen durch ihre eigenen Visagen. Andere fühlten sich beim Anblick des Stümperkunstwerks an die Film- und Fernsehstars E.T. und Alf erinnert - und posteten humorvolle Collagen.

jus/AFP
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