Juist Deutschlands schönste Sandbank

Bewusst altertümlich gibt sich die ostfriesische Insel Juist, denn Autos sind hier verboten. Stattdessen rollen Pferdefuhrwerke über das 17 Kilometer lange Eiland. Besucher können ihre Zeit im Pferdewagen, am feinen Sandstrand oder bei einer Wanderung durchs Watt vertreiben.


Auf dem Weg nach Juist landen Reisende zunächst zwangsläufig in Norddeich-Mole. Autofahrer müssen hier ihre Wagen am Deich hinter der ostfriesischen Küste stehen lassen, Zugreisende die Koffer aus dem Abteil wuchten. Ab jetzt geht es per Schiff weiter. Feste Abfahrtszeiten gibt es aber nicht, denn die Fähren können "Deutschlands schönste Sandbank" nur bei Flut erreichen, bei Ebbe haben die Schiffe in der Fahrrinne zu wenig Wasser unter dem Kiel.

Blick von der Juist-Fähre: Krabbenkutter voraus!
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Blick von der Juist-Fähre: Krabbenkutter voraus!

Nach kurzer Zeit ist bereits die Südostspitze von Juist zu sehen. Doch bis zum Inselhafen dauert es noch eine Weile: Für die insgesamt nur knapp acht Kilometer braucht das Schiff rund eineinhalb Stunden. Im Hafen warten auf viele der ankommenden Urlauber Freunde und Bekannte, Gepäckträger der Hotels mit Handkarren oder auch Pferdefuhrwerke. Die Insel gibt sich bewusst etwas altertümlich.

Autos sind auf Juist verboten. An vielen Stellen riecht es nach Pferdeäpfeln und nicht nach Abgasen. Selbst Lasten für Gaststätten und Betriebe - ob Bierfässer oder Baumaterial - werden mit nur zwei Pferdestärken über die Insel kutschiert. Wer möchte, kann sich zum Vergnügen gemächlich im Pferdewagen über die Insel schaukeln lassen.

Ohner PS: Mit dem Wagen an den Strand
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Ohner PS: Mit dem Wagen an den Strand

Juist, mit 17 Kilometern die längste der sieben ostfriesischen Inseln, hat einen breiten Strand mit feinem weißen Sand zu bieten, der erholsame Aktivitäten aller Art ermöglicht. Bei gutem Wetter - im Juli und August besteht da durchaus Hoffnung - spielt sich daher ein guter Teil des Insellebens an der Nordseite ab, wo gebadet und gefaulenzt werden kann. Bei praller Sonne ist ein Strandkorb ratsam. Größere Kinder versuchen sich mit Begeisterung beim Bauen von Sandburgen, der jüngere Nachwuchs spielt bevorzugt im matschigen Boden direkt am Wasser. Nicht nur bei Teenagern ist Beach-Volleyball beliebt, und auch Strand-Boccia findet immer mehr Anhänger.

Die meisten Gäste wohnen im Hauptort der Insel, der gleichfalls Juist heißt und vom Hafen keine fünf Minuten zu Fuß entfernt ist. Im Zentrum liegt der Kurplatz, zu dem Besucher fast zwangsläufig immer wieder kommen. Gleich gegenüber liegt Baumanns Café, wo seit 1924 Kuchen und Ostfriesentee serviert werden. Auch das Nationalpark-Haus findet sich gleich um die Ecke, untergebracht im alten Bahnhof - bis Anfang der achtziger Jahre war auf Juist eine Inselbahn im Einsatz.

Hochhäuser und Betonklötze gibt es auf Juist nicht, Backstein dominiert die Insel-Architektur. Leider stehen nur noch wenige wirklich alte Gebäude. Zu den ältesten zählt das "Lütje Teehuus" am Janusplatz, das 1802 gebaut wurde und in dem lange Zeit die Badefrau Wilhelmine Marie Focken Raß und später ihre Tochter Miele wohnten.

Warten auf Sommergäste: Juister Strandkörbe
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Warten auf Sommergäste: Juister Strandkörbe

Wer im Urlaub nicht nur abspannen, sondern auch etwas über den Lebensraum Wattenmeer lernen will, ist im Nationalpark-Haus genau richtig. Dort gibt es Vorträge etwa über Pflanzen und Tiere am Strand oder die Salzwiesen mit dem lila blühenden Strandflieder. Außerdem bieten die Nationalpark-Mitarbeiter naturkundliche Wanderungen und Radtouren an, bei denen Urlauber die Insel intensiver kennen lernen.

Empfehlenswert sind kleine Expeditionen in die Nordsee an Bord des Ausflugsschiffes "Wappen von Juist", das üblicherweise im Hafen liegt, aber regelmäßig auch ausläuft - nach Borkum oder Norderney, zum ostfriesischen Küstenstädtchen Greetsiel oder zur Vogelinsel Memmert unmittelbar südwestlich vor Juist. Rund 40 Vogelarten brüten dort, Memmert ist die größte Möwenkolonie an der deutschen Küste.

Die "Wappen von Juist" fährt aber auch zu den Sandbänken, auf denen im Sommer Seehunde und Kegelrobben träge in der Sonne liegen und sich auch durch Urlauber auf dem Ausflugsschiff nicht stören lassen. Die Seehunde kommen im Frühsommer an die Küsten und bekommen dann in der Regel im Juli Nachwuchs. Gut 400 von ihnen sind dann rund um Juist anzutreffen. Immer wieder finden Urlauber am Strand kleine Heuler, junge Seehunde, die unter Umständen von ihrer Mutter getrennt wurden. "Nicht anfassen!" ist dann die wichtigste Devise - und im Zweifel im Nationalpark-Haus Bescheid sagen.

Wattführer Heino Behring zeigt, was sich im Schlick so alles tummelt
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Wattführer Heino Behring zeigt, was sich im Schlick so alles tummelt

Ein Ausflug ins Watt ist in jedem Fall ein weiterer Tipp für jeden Juist-Urlauber. Wattführer Heino Behring zeigt, was der Sandpierwurm so treibt, der für die vielen wurstförmigen Sandhäufchen am Wattboden verantwortlich ist. Auch die Strandkrabbe oder die Sandklaffmuschel werden bei einem Fußmarsch über den Wattboden gebührend gewürdigt.

Andreas Heimann

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