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Erwachsenen-Hotels: "Die Leute suchen Ruhe"

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Kinderfreie Hotels in Deutschland Auszeit vom Nachwuchs

Mindestalter 16 Jahre: Ein Hotelier aus Brandenburg verprellt Familien, die mit Kindern anreisen. Er will seinen Kunden bieten, was viele im Urlaub suchen - Ruhe.

Der ehemalige Spielplatz ist jetzt ein Trimm-dich-Pfad, und im alten Spielzimmer befindet sich nun die hauseigene Seifenmanufaktur. Von Kindern fehlt im Hotel Esplanade im brandenburgischen Kurort Bad Saarow jede Spur. Seit November gilt hier ein Mindestalter: Gäste unter 16 Jahren sind nicht erwünscht. Das Haus will sich damit von anderen Hotels im Kurort abgrenzen und den Ruhesuchenden ansprechen.

Ein junger Norweger mit einem Laptop unter dem Arm geht durch die Hotellobby. Er sei geschäftlich hier, sagt er auf Englisch. Er finde es angenehm, dass er sich überall hinsetzen und arbeiten könne - ohne Kinderlärm. Speziell deshalb habe er sich dieses Hotel aber nicht ausgesucht. Viele Gäste reagieren positiv auf das Konzept, wie Hoteldirektor Tom Cudok sagt. Doch Hass-E-Mails bekomme er auch.

Das Privathotel südöstlich von Berlin mit Spa-Bereich und 170 Zimmern gibt es seit mehr als zehn Jahren. Zunächst sei es stark auf Kinder ausgerichtet gewesen, erzählt Cudok. Es gab sogar einen hoteleigenen Kindergarten. Die Nachfrage dafür sei mit den Jahren aber gesunken. Nach und nach habe sich das Haus dann zu einem Erwachsenen-Hotel entwickelt. Mit Kinderfeindlichkeit habe das nichts zu tun, sagt der 38 Jahre alte gelernte Hotelfachmann. Man wolle den Gästen Raum für Ruhe und Rückzug bieten.

Das Hotel Esplanade  ist nicht die einzige Unterkunft in Deutschland, die ein Mindestalter eingeführt hat. Auch im bayerischen Bodenmais an der Grenze zu Tschechien gibt es ein Hotel, das schon seit mehreren Jahren nur Gäste ab 16 einchecken lässt. "Die Leute suchen Ruhe", sagt Vencel Pinter, Inhaber des Hotels Dolce Vita . Zu den Gästen zählten unter anderem Eltern, die sich eine Auszeit von ihren Kindern nehmen wollen - aber auch Lehrer und Erzieher. Das Konzept gehe auf, auch weil es ein Kontrast zu anderen Hotels in der Umgebung sei, sagt Pinter.

Esplanade-Chef Cudok sieht schon einen Trend in der kinderfreien Hotellerie, die in ganz Deutschland zu finden ist, von Rügen bis in den Schwarzwald. "Das wird immer mehr werden", sagt er Cudok. Er habe schon Anfragen von Privathotels an der Ostsee und im Thüringer Wald bekommen.

"Familien benachteiligt"

Genaue Zahlen über die Beliebtheit und den Ausbau von Erwachsenen-Hotels gibt es zwar nicht. Doch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) bestätigt, dass sich immer mehr Hotels spezialisierten. Maßgeschneiderte Konzepte, die sich konsequent an den Wünschen der Zielgruppe orientieren, hätten Erfolg. Neben Hotels, die allen Altersgruppen offen stünden, gebe es in Deutschland durchaus vereinzelt Häuser, die sich auf bestimmte Gästegruppen wie Familien, Senioren oder Paare eingeschossen hätten, heißt es auch beim Deutschen Reiseverband.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hält Hotelangebote mit einem Mindestalter von 16 Jahren für problematisch. Eine solche Regelung könnte gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verstoßen, das auch vor Benachteiligungen wegen des Alters schützt.

Laut Antidiskriminierungsstelle reichen Argumente wie ein möglicher höherer Lärmpegel nicht unbedingt aus, um pauschal allen Kindern unter einem bestimmten Alter den Hotelbesuch zu verweigern. Angemessener wäre es demnach, Kinder des Hotels zu verweisen, wenn sie stören. Als problematisch stuft die Stelle ein, dass wegen des Mindestalters zwangsläufig auch die Eltern der Kinder, die das Hotel als Familie besuchen wollten, benachteiligt würden.

Der Dehoga sieht nach eigenen Angaben in den Restriktionen rechtlich keine Diskriminierung. Grundsätzlich sei das legal, teilte der Verband mit. Das Angebot könne als besondere Form der Spezialisierung angesehen werden - über das Konzept seines Hauses dürfe der Hotelier entscheiden.

"Keine Kinder - keine Hunde"

Oder der Cafébetreiber. Eine Berliner Kaffeerösterei machte vor Jahren Schlagzeilen, als sie eine kinderwagenfreie Zone ausrief und dafür sogar einen Poller aufstellte. Und das ausgerechnet im familienreichen Berliner Stadtviertel Prenzlauer Berg. Im vergangenen Sommer gab es auch Aufsehen um einen Biergarten in Düsseldorf, der Kindern den Zutritt zu einer Strandzone verboten hatte. Auf einem Schild hieß es: "Keine Kinder - keine Hunde". Das fanden viele Mütter gar nicht lustig.

Das Mindestalter-Konzept brachte auch den Hotelmitarbeitern in Bad Saarow schon so manchen Ärger ein. Stammgäste, die immer ihre Kinder mitbrachten, seien vorab über die Änderung informiert worden, sagt Esplanade-Chef Cudok. Die Kommunikation: "Nicht immer angenehm." Und mehrmals schon wollten Familien an der Rezeption einchecken, weil sie von dem Kinderverbot offensichtlich nichts wussten. "Eine Familie wollte dann nicht mehr mit uns reden."

Dafür gibt es nun spezielle Angebote für Paare wie etwa "Zeit zu zweit" - mit Champagner und "Romantik-Dinner". Früher sei ein Hotel ein Mehrgenerationenhaus gewesen, sagt Trendforscher Peter Wippermann. Jetzt werde eher separiert.

Anna Ringle/dpa/jus
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