Neue Klettersteige in den Alpen Nervenkitzel am Drahtseil

Klettern in den Alpen wird immer populärer. Hier sind vier neue Routen: für Einsteiger, Genießer, Könner und Sportskanonen.

SRT/ Stefan Herbke

Allein von den mehr als eine Million Mitgliedern des Deutschen Alpenvereins geht fast die Hälfte regelmäßig einen Klettersteig, Tendenz steigend. Entsprechend wächst überall in den Alpen das Angebot. Besonders interessant sind die vier folgenden neuen Routen.

Für Einsteiger: Schützensteig am Jenner

SRT/ Stefan Herbke
Grün ist die dominierende Farbe am Jenner hoch über dem Königssee, doch wer genauer hinschaut, der entdeckt auch etwas Grau. Vor allem am Nachbargipfel des Kleinen Jenner, wo sich zwischen den Bäumen einige ganz passable Felsabbrüche verstecken. Genau dort verläuft der im Frühsommer 2015 eröffnete familienfreundliche Schützensteig.

Rund eine halbe Stunde benötigt man von der Bergstation der Jennerbahn (1802 Meter) bis zum Einstieg und damit dem Beginn der Drahtseile. Dort wartet bereits nach wenigen Metern eine kleine Schlüsselstelle: "Da Wampenschreck". Der Weg ist zwar leicht, doch der Durchlass zwischen Baum und Fels überaus schmal, mit zu großem Rucksack oder einer zu dicken "Wampe" hat man da wirklich seine liebe Not.

Der Schützensteig folgt überwiegend einfachen Bändern am unteren Rand der Felsen, wobei das Drahtseil straff gespannt wie ein Geländer Halt gibt. Dazwischen gibt es aber auch immer wieder kurze Felsstufen, die etwas Kraft erfordern. Und einen kurzen "Flying Fox", einen Holzbalken zum Balancieren und eine wackelige Hängebrücke.

Fazit: ideal für Klettersteig-Neulinge und für Familien, wobei die Kinder trotz bester Absicherung und extra niedrig angebrachtem Drahtseil mindestens zehn Jahre alt sein sollten.

Zeit: 2 bis 2,5 Stunden
Schwierigkeitsgrad: B (eine Auflistung der Schwierigkeitsgrade finden Sie hier)
Kontakt: Tourist-Information Schönau a. Königssee, Seestraße 3, 83471 Schönau am Königssee, Tel. 08652 - 65598 - 0, koenigssee.com


Für Genießer: Klettersteig am Kitzbüheler Horn

SRT/ Stefan Herbke
Die Kitzbüheler Alpen sind berühmt für ihre skifreundlichen Wiesenhänge. Felsen gibt es nur vereinzelt, etwa am Großen Rettenstein. Oder auf der Nordseite des Kitzbüheler Horns, wie ein im Frühsommer 2015 neu eröffneter Klettersteig eindrucksvoll beweist. Wie gut dort die Voraussetzungen für einen Klettersteig sind, hat sogar Ekkehard Wimmer, einen der Erbauer, überrascht: "Der Fels ist besser als erwartet."

Das Ziel, einen Klettersteig für sportliche Familien oder ambitionierte Geher anzulegen, haben die Erbauer erreicht. Der Steig folgt anfangs dem grünen Nordrücken des Kitzbüheler Horns bis zu den ersten Felsaufschwüngen. Gut gestufte und griffige, teils senkrechte Passagen (häufig C, kurze Stellen C/D) sowie luftige Querungen werden immer wieder unterbrochen durch leichte Grasbänder (A). Soweit es geht, hält sich der Steig an den Nordgrat und erlaubt damit ungehinderte Ausblicke über den Talkessel von St. Johann in Richtung Wilder Kaiser oder Loferer Steinberge.

Noch eindrucksvoller ist der Ausblick vom Gipfel des Kitzbüheler Horns, dem vielleicht schönsten Aussichtberg der Kitzbüheler Alpen. Ein Genuss ist auch der Abstieg. Botaniker unternehmen noch einen kurzen Abstecher in den Alpenblumengarten, ehe man auf dem Ludwig-Scheiber-Steig in schöner Linienführung die steilen Westabbrüche des Kitzbüheler Horns quert. Schließlich steigt man zur Bergstation der Harschbichlbahn ab, die Klettersteiggeher von St. Johann ganz bequem an den Fuß des Kitzbüheler Horns bringt.

Fazit: toller Steig, grandioser Rundblick und leicht zu erreichen.

Zeit: 2,5 Stunden
Schwierigkeitsgrad: C/D
Kontakt: Kitzbüheler Alpen Infobüro St. Johann in Tirol, Poststraße 2, A-6380 St. Johann in Tirol, Tel. (0043) 5352 - 633350, kitzbueheler-alpen.com und klettersteige-am-horn.at


Für Könner: Rosina-Klettersteig am Dachstein

SRT/ Stefan Herbke
Ramsau am Dachstein ist seit vielen Jahren eine Hochburg für Klettersteiggeher. Mittlerweile gibt es am Dachstein sowie rund um die Ramsau 18 Klettersteige, allein drei davon im Silberkar. Der im Sommer 2014 eröffnete Rosina-Klettersteig im Schwierigkeitsgrad D ergänzt das vorhandene Angebot der längst zu den Klassikern zählenden Klettersteige Hias und Siega. Dabei wurde der Steig so gebaut, dass konditionsstarke Geher alle drei Routen nacheinander abarbeiten können.

Wie die anderen Steige auch überzeugt der Rosina durch seine gelungene Routenführung. Eine wackelige Seilbrücke führt am Einstieg über den Bach an den Fuß einer nahezu senkrechten Felswand. Die sieht auf den ersten Blick richtig schwer aus, doch dank gut angebrachter Tritte und des straff gespannten Drahtseils ist die Passage mit der nötigen Armkraft gut zu bewältigen. Zwei kurze Stellen im Schwierigkeitsgrad D müssen gemeistert werden, ansonsten bewegt man sich fast durchgehend im Bereich C/D, erst zum Ausstieg hin wird der Klettersteig leichter.

Beeindruckend ist der Tiefblick in die Klamm, verlockend der Ausblick zur traumhaft gelegenen Silberkarhütte, an der man beim Abstieg vorbeikommt.

Fazit: kurzer, wenn auch sehr sportlicher und exponierter Steig in bestem Fels.

Zeit: 2 Stunden
Schwierigkeitsgrad: D
Kontakt: Tourismusverband Ramsau am Dachstein, Ramsau 372, A-8972 Ramsau am Dachstein, Tel. (0043) 3687 - 81833, ramsau.com


Für Sportskanonen: Klettersteig am Reintalersee

SRT/ Stefan Herbke
Kramsach im Inntal: Das steht für Gemütlichkeit. Dafür stehen der "lustige Friedhof", das Museum Tiroler Bauernhöfe und der idyllische Reintalersee mit seinen badetauglichen Temperaturen. Doch seit letztem Sommer kommen auch Sportskanonen auf ihre Kosten. In den Felswänden oberhalb des Reintalersees wurde ein neuer Klettersteig angelegt, der es wirklich in sich hat.

Schon die leichte Variante wird mit dem Schwierigkeitsgrad C/D angegeben, wobei dies eher knapp bewertet ist. Aufgrund der Länge des Steigs und des glatten Felses, auf dem man nur auf Reibung stehen kann, entwickelt sich die Begehung zu einer überaus kraftraubenden Angelegenheit.

Wem das noch nicht reicht, der wählt eine direkte Variante über einen Überhang, hier wird einem schon beim Blick von unten schwindlig. Mit mehreren Stellen im Schwierigkeitsgrad E sollten diese aber nur erfahrene Klettersteiggeher angehen, sonst kommt man hier ganz schnell in Schwierigkeiten.

Fazit: sehr schwerer südseitig exponierter Steig. Sehr anstrengend, erfordert viel Armkraft.

Zeit: 2,5 bis 3 Stunden
Schwierigkeitsgrad: C/D, Variante E
Kontakt: Informationsbüro Kramsach, Zentrum 1, A-6233 Kramsach, Tel. (0043) 5337 - 21200 - 20, klettersteig-reintalersee.at

Matterhorn-Quiz

Stefan Herbke/srt



insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
Layer_8 19.07.2015
1.
OK, die Alpen sind schon zu lange dem Massentourismus ausgesetzt und verändert worden, dass jeder kritische Kommentar obsolet sein muss. Wem sowas Spass macht, der soll gerne dahin fahren/sich tragen lassen usw. Es gibt noch genug unerschlossenere Bergwelt auf dieser Erde, und das wird auch noch lange so bleiben wegen anderen klimatischen- und Höhenbedingungen, andere Volkswirtschaften usw. Auf weitgehend eigenes Risiko flieg ich lieber dorthin und lauf dann los. Wegen Ökobilanz: Es sind ja doch ziemlich viel mehr Geschäftsleute mit dem Flugzeug unterwegs als Bergwanderer :D
universalgenie2011 19.07.2015
2.
Und immer noch ein paar unfassbar schlecht ausgerüstete Menschen mit Abenteuerspielplatzverständnis der Bergwelt in die Alpen lotsen und ein paar unnötige Einsätze mehr für Rettungshubschrauber ermöglichen. Vorbildlich! Die Berge werden immer mehr von ignoranten Nichtsblickern überflutet, die einfach darauf warten, dass ihnen irgendwer ein Sicherheitsversprechen in einer auf ihre lächerlichen Bedürfnisse umgestalteten alpinen Umgebung macht, das ihnen vorgaukelt sie seien wirklich reif für "ihr" Abenteuer.
ge1234 19.07.2015
3. Genau....
Zitat von Layer_8OK, die Alpen sind schon zu lange dem Massentourismus ausgesetzt und verändert worden, dass jeder kritische Kommentar obsolet sein muss. Wem sowas Spass macht, der soll gerne dahin fahren/sich tragen lassen usw. Es gibt noch genug unerschlossenere Bergwelt auf dieser Erde, und das wird auch noch lange so bleiben wegen anderen klimatischen- und Höhenbedingungen, andere Volkswirtschaften usw. Auf weitgehend eigenes Risiko flieg ich lieber dorthin und lauf dann los. Wegen Ökobilanz: Es sind ja doch ziemlich viel mehr Geschäftsleute mit dem Flugzeug unterwegs als Bergwanderer :D
....und diese bis dahin unberührte und heile Bergwelt wartet ausgerechnet auf Sie, der diese Unberührtheit dann durchlatschenderweise ad acta legt. Dass sich das mit dem Umweltgedanken nur schwer in Einklang bringen lässt, beweist ihr hilfloser Rechtfertigungsversuch bzgl. Ökobilanz.
blob123y 19.07.2015
4. Na gut
jetzt schaut mal hier wie man das in Thailand macht. thailandmagic.com/search/label/ang-thong-national-marine-park. Wirklich anstrengend wenn man da ueber 500 Meter raufklettert. Uebrigens, angelegt vom Militaer.
jetbundle 19.07.2015
5. Gefährlich
Die Klettersteige locken nur noch mehr Leute mit vermeindlicher Sicherheit an. Dabei handelt es sich teilweise um Routen die man als erfahrener Berggänger eigendlich ohne Seil gehen kann, und teilweise um wirkliche Kletterrouten, wo das Fixseil nicht die gleiche Sicherheit wei eine richtige Seilsicherung bietet und teilweise noch extra Gefahren schafft. Zudem brauch ich persönlich zumindest keine vorgegebene präparieter Abenteuerspielplatz-Route, sondern oberhalb der markierten Wanderwege suche ich mir meine Tritte selber. Das gehärt zum Bergsteigen dazu.
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