Klostershop in Spanien Vor lauter Backen keine Zeit zum Beten

Durch das Klappfenster in der Steinwand fragt eine leise Stimme nach den Wünschen. Flink zaubert eine Nonne feinstes Backwerk hervor und bietet es zum Kauf an. Ein Besuch in den Klostershops in Spanien.


Auf dem dunklen Gang in Innenhof des Klosters "Las Carboneras" in Madrid ist niemand zu sehen. Nur die kleine Holzklappe in der Mauer und die daneben hängende Glocke geben Gewissheit, dass es sich hier um die richtige Adresse handelt. In zahlreichen Klöstern in ganz Spanien versuchen die Nonnen mit Kunsthandwerk und Dienstleistungen ihr Auskommen zu sichern.

Hinter den schweren Klostermauern verbergen sich ungeahnte Backkünste
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Hinter den schweren Klostermauern verbergen sich ungeahnte Backkünste

"Wir machen verschiedene Sorten von Teegebäck, Kokosmakronen, Marzipan, Süßigkeiten sowie Sahne- und Cremetörtchen», erzählt die betagte Klosterfrau in "Las Carboneras". Die Nachfrage sei groß und sogar aus dem Ausland würde die Leute schon Bestellungen aufgeben: "Vor lauter Backen haben wir ja kaum noch Zeit zum Beten". Alles wird in feinster Handarbeit und mit größter Sorgfalt im Ofen hergestellt, der noch mit Holzfeuer betrieben wird.

Nicht umsonst nennen viele Spanier die leckeren Backwaren des Klosters "gloria bendita" - gesegnete Wonne. Die niedrigen Preise und der Hinweis der Nonne, dass das Geld für die Unterstützung und Restaurierung ihres Heims benötigt wird, machen den Entschluss zum Kaufen leicht.

In der südlich von Madrid gelegenen Stadt Toledo lohnt die Suche nach dem mittelalterlichen Kloster "Santo Domingo el Antiguo". Auf dem Weg dorthin kommt der Besucher unweigerlich durch das Labyrinth der Altstadt. Die vielen Sehenswürdigkeiten und die wunderschönen Ausblicke auf die Ebene entschädigen für die Fragerei nach dem Weg.

Durch das Klostertor gelangt man in einen dunklen Raum, in dem nur einige Kerzen vor einem Marienbild flackern. Direkt neben einer kleinen Nische in der Steinwand hängt eine Preisliste. Nach mehrmaligem Klopfen an einer Holzklappe fragt wieder eine schwächliche Stimme nach den Wünschen. Durch eine zugezogene Gardine ist nur die Silhouette einer Nonne zu erkennen. Beinahe ist es wie in einem Beichtstuhl - doch statt der Absolution sind hier handbestickte Tischdecken und Bettwäsche, mit religiösen Bildern bemalte Porzellan- und Keramikkrüge oder Batiktaschentücher erhältlich.

"Gesegnete Wonnen" durch eine kleine Holzluke
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"Gesegnete Wonnen" durch eine kleine Holzluke

Außerdem gibt es ein Museum, in dem zwei Schwestern neben zahlreichen Heiligenskulpturen und Wandmalereien verschiedene mittelalterliche Bibelhandschriften, Urkunden und Krippenschmuck zeigen, allesamt Werke ehemaliger Klosternonnen. Dass die Nonnen sehr stolz auf ihre kunsthandwerkliche Tradition sind und für ihren Erhalt kämpfen, merkt jeder Besucher schon nach den ersten Sätzen der Museumsführerin: Die Schwester deutet auf frühe Bilder des großen spanischen Malers El Greco, doch im gleichen Atemzug weist sie auf die daneben hängenden Heiligenmalereien der Klosterfrauen hin und stellt deren Schönheit sogar über die des berühmten Künstlers.

Wie die Nonnen in Toledo so machen auch ihre Klosterschwestern aus dem Konvent "La Visitación de Santa Maria" in der asturischen Provinzhauptstadt Oviedo Stickarbeiten. Doch das ist nicht der einzige Weg, zum Erhalt und zur Restaurierung ihres Kloster Geld zusammen zu tragen. Fleißig waschen, stopfen, stärken und bügeln die asturischen Klosterfrauen die Kleidung für viele Familien aus der nordspanischen Stadt.

Weil sich die geistlichen Schwestern auf das Archivieren kirchlicher Dokumente spezialisiert haben, sind sie in der Lage, Familienstammbäume für private Kunden zu erstellen. Stolz erzählt eine Nonne, dass sie ebenso mühevoll wie erfolgreich bereits 300 solcher Stammbäume zusammengestellt hätten.

Wer keine Zeit hat, die über das ganze Lande verstreuten Klöster zu besuchen, kann in Madrid und Sevilla die "El Torno"-Geschäfte aufsuchen. Das Geschäft führt nicht nur Spezialitäten aus insgesamt 16 spanischen Klöstern, sondern auch Fotografien und Informationsmaterial der örtlichen Konvente. Vor allem werden hier die berühmten Süßwaren verkauft.

"Wir führen hauptsächlich die Spezialitäten von ländlicheren Klöstern, die weniger von Touristen besucht werden und dadurch nicht so viel verkaufen können", erklärt Rosa Lima Muñoz, Angestellte in der "El Torno"-Filiale in Madrid. Von Jasmin-Honig aus einem cordobesischen Landkloster über Himbeermarmelade aus einem galizischen Konvent bis hin zu Mandelspritzgebäck und Eier-Likör der Dominikaner-Nonnen aus Badajoz ist hier vieles zu ersteigern. Und Neugierigen wird auch jederzeit gerne erklärt, wie die Nonnen leben und arbeiten.



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