»Aida Sol« in Kiel: Bereit für die Ostseerunde, ob mit oder ohne Sonne
»Aida Sol« in Kiel: Bereit für die Ostseerunde, ob mit oder ohne Sonne
Foto: Petra Nowack / penofoto / imago images

Pfingstfahrt auf See Kreuzfahrt macht wieder Dampf

Als erster deutscher Hafen in diesem Jahr erlaubt Kiel den Kreuzfahrtbetrieb: Schiffe von Aida und TUI Cruises starten an Pfingsten. Auch woanders wird Urlaub auf See wieder möglich. Ein Überblick.

Stimmt die Wetterprognose, dann könnte Pfingsten sogar die Sonne über Kiel scheinen. Und damit über den ersten Kreuzfahrtschiffen, die seit vergangenem Sommer erstmals wieder von einem deutschen Hafen aufbrechen – auch wenn Temperaturen um die 14 Grad nicht gerade ausgiebige Stunden an Deck verheißen.

Nach dem ersten Coronaschock, dem sommerlichem Neustart 2020 sowie dem erneuten Lockdown im Herbst ist dies der zweite Anlauf, mit dem die Reedereien an den jäh unterbrochenen langjährigen Kreuzfahrtboom anknüpfen wollen:

  • Den Anfang macht die »Aida Sol« der Carnival-Tochter Aida Cruises; das Schiff wird von der schleswig-holsteinischen Hauptstadt zu Kurztouren in die Ostsee aufbrechen – ohne den Anlauf von Häfen.

  • Einen Tag später folgt TUI Cruises mit »Mein Schiff 1« ebenfalls mit »Blauen Reisen«, bei denen die Urlauber zunächst ohne Landgang die ganze Zeit auf der Ostsee bleiben.

  • Auch die TUI-Tochter Hapag-Lloyd Cruises startet Ende Mai von Kiel aus mit dem kleineren Neubau »Hanseatic inspiration« in die deutsche Saison.

  • MSC folgt ab 19. Juni mit der »MSC Seaview« ab Kiel.

Den erneuten Neustart verdankt die Kreuzfahrtindustrie den sinkenden Zahlen von Corona-Neuinfektionen in Schleswig-Holstein. Das Land zwischen Nord- und Ostsee hat seit Längerem mit Abstand die niedrigsten Werte in Deutschland. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat deswegen den für das Bundesland so wichtigen Tourismus zum 17. Mai geöffnet – unter strengen Vorgaben dürfen Reisende überall ins Land.

Aida ab 1. Juli ab Warnemünde

Angekündigt hat dies auch Mecklenburg-Vorpommern mit Stichtag 14. Juni. Ab 1. Juli legt daher Aida auch im Heimathafen Rostock-Warnemünde los. Die »Aida Sol« soll dann von dort aus zu drei- bis viertägigen Kurzreisen starten, wie ein Unternehmenssprecher sagte. Diese könnten auch zu einer einwöchigen Kreuzfahrt kombiniert werden. Die »Aida Prima« soll dann siebentägige Touren ab Kiel übernehmen. Sobald die ersten Destinationen in Nord- und Ostsee wieder für den Kreuzfahrttourismus geöffnet seien, würden diese Reisen auch mit dem Besuch von Häfen angeboten.

An den für Kreuzfahrten relevanten anderen Seehäfen in Hamburg und Bremerhaven ist es noch nicht so weit. »Wir gehen davon aus, dass spätestens dann, wenn das Beherbergungsverbot aufgehoben wird, auch wieder Kreuzfahrten ermöglicht werden«, sagt der deutsche Geschäftsführer des internationalen Branchenverbands Clia, Helge Grammerstorf. »Wir kennen die Regeln, aber wann das Spiel angepfiffen wird, das wissen wir noch nicht.« Weder aus Hamburg noch aus den anderen Bundesländern vernimmt die Branche bislang verlässliche Signale.

Sollten die kommen, kann es schnell gehen. Die meisten Kreuzfahrtschiffe liegen laut Clia in betriebsbereitem Zustand in Häfen oder auf Reede – mit nautisch-technischem und auch Service-Personal an Bord. »Wir sind fest gewillt, die Schiffe zügig wieder an den Start zu bringen«, sagte Aida-Sprecher Hansjörg Kunze. Und auch TUI-Cruises-Sprecherin Godja Sönnichsen sagt: »Wir gehen davon aus, dass wir im Laufe des Sommers mit den Schiffen der Mein-Schiff-Flotte wieder am Start sind.«

Nach Kanaren jetzt Griechenland

Auch außerhalb Deutschlands ist das Angebot noch überschaubar. Deutsche Anbieter sind bislang nur rings um die Kanaren unterwegs, nach der angekündigten Öffnung Griechenlands für den Tourismus folgen bald auch dort Kreuzfahrten.

Schon am Donnerstag waren die ersten Kunden von TUI Cruises auf Kreta gelandet, um mit der »Mein Schiff 5« zu einer Kreuzfahrt aufzubrechen – der ersten von acht durch griechische Gewässer. Aida fährt ab 23. Mai mit der »Aida Blu« in Griechenland ab und bis Korfu. MSC Cruises und Costa zum Beispiel fahren ebenfalls im Mittelmeer.

Kreuzfahrer selbst wie auch die Besatzungen müssen sich weiterhin auf strenge Hygiene- und Sicherheitsregeln einstellen. Diese Regeln, die schon seit Sommer 2020 branchenweit gelten, sollen ein Debakel wie den Massenausbruch auf dem Anfang 2020 wochenlang vor Japan unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiff »Diamond Princess« verhindern. Norwegian Cruise Line (NCL) wird auf ihren geplanten Griechenland-Fahrten ab Ende Juli nur Geimpfte mitnehmen. Aida und TUI Cruises setzen dagegen auf eine umfangreiche Teststrategie und ihre Hygieneprotokolle.

So sind Coronatests vor dem Boarding Pflicht, an Bord gelten Abstandsregeln und Maskenpflicht. Statt am Buffet zu stehen, wird den Gästen das Essen am Tisch serviert. Die Kapazität der Schiffe ist nur zur Hälfte ausgeschöpft. Für Infektionsfälle gibt es eigene Protokolle, die sicherstellen sollen, dass Passagiere schnellstmöglich isoliert und alle Kontakte nachverfolgt werden können.

Starke Nachfrage für 2022

Für die von Lockdowns, Einreiseverboten und Reisewarnungen für praktisch alle wichtigen Ziele gebeutelte Kreuzfahrtindustrie ist der Start zu Pfingsten zunächst nur ein Hoffnungsschimmer. Allerdings ist die Zuversicht groß, dass die Fangemeinde sehr schnell wieder an Bord kommt, sobald Reisen breitflächig möglich ist. »Für 2021 haben wir sehr große Unsicherheiten, was die Prognose angeht«, sagt Clia-Chef Grammerstorf. »Für 2022 – unterstellt, wir kommen in einen Normalzustand – ist die Nachfrage bemerkenswert hoch.«

Ähnlich sieht das der Deutsche Reiseverband (DRV). »Ich glaube nicht, dass der Kreuzfahrt-Boom vorbei ist«, sagt DRV-Sprecherin Kerstin Heinen. »Wir sehen, dass gut gebucht wird – wir sehen allerdings nicht, ob das Umbuchungen oder tatsächlich Neubuchungen sind.«

abl/dpa