Kulturhauptstadt Istanbul Tanz für Millionen

Bald ist Halbzeit für Istanbul als Kulturhauptstadt 2010, doch die wichtigsten beiden Events stehen noch bevor: eine Klassik-Uraufführung und ein U2-Konzert. Doch nicht alle Kreativen der Bosporus-Stadt sind mit dem Programm zufrieden - hier erklären vier von ihnen, warum.

REUTERS

Allein zum Thema "Frauen in Istanbul" finden sich mehr als 40 Programmpunkte im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres. Mehr als 2000 Kulturprojekte wurden insgesamt bei der federführenden Agentur eingereicht, davon werden rund 450 öffentlich unterstützt.

Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk eröffnet sein "Museum der Unschuld", es gibt Ausstellungen über die Rolle der griechischen und armenischen Architekten in der Geschichte der Stadt. Die irische Rock-Band U2 gibt Anfang September ein Gastspiel und der zeitgenössische klassische Komponist Arvo Pärt hat für Istanbul und Tallinn (Kulturhauptstadt 2011) ein Werk geschrieben, das im Juni in der türkischen Metropole seine Weltpremiere feiern wird. Es ist für alle etwas dabei, so erklären die Verantwortlichen von "Istanbul 2010".

Dennoch gibt es Kritik, die öffentlichen Zuschüsse - mehr als 150 Millionen Euro - seien nicht besonders ausgeglichen verteilt worden. Das Gros des Geldes fließt in die Instandsetzung historischer Gebäude, wie etwa der Hagia Sophia oder des Topkapi-Palastes. Insgesamt, so die Kritik von zivilgesellschaftlichen Gruppen, gehe es den politisch Verantwortlichen von "Istanbul 2010" zu sehr um die Außendarstellung der Stadt als einer Metropole, in der Veranstaltungen jeder Art, nicht nur kulturelle, gut aufgehoben sind. Unabhängige Künstler und auch die Bewohner Istanbuls würden dagegen nicht von dem umfangreichen Programm profitieren.



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