Kyffhäuser Wo Barbarossa schnarcht

Der Legende nach ist Kaiser Friedrich I., auch als Barbarossa bekannt, gar nicht tot, zusammen mit seinem Hofstaat schläft er in einer Höhle im Kyffhäuser und wartet auf seinen Einsatz. Derweil ist sein Denkmal im Norden Thüringens ein beliebtes Ausflugsziel für Nostalgiker und Wanderer.


In Stein erstarrt: Kaiser Friedrich I. sinniert am Fuße des Kyffhäuserdenkmals über seine Wiederkehr
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In Stein erstarrt: Kaiser Friedrich I. sinniert am Fuße des Kyffhäuserdenkmals über seine Wiederkehr

Bad Frankenhausen - Da thront er, in Stein gehauen und sechseinhalb Meter hoch: Kaiser Friedrich I. Er war es, der im 12. Jahrhundert erstmals die Zentralgewalt in Deutschland einführte. Über ihm, hoch zu Pferd, sitzt Kaiser Wilhelm I., der Preußenkönig, der 1871 das zweite deutsche Kaiserreich begründete und das in Kleinstaaten zersplitterten Deutschland damals zum Nationalstaat vereinte. Das Sandsteindenkmal auf dem Kyffhäuser, dem mit 60 Quadratkilometern kleinsten deutschen Mittelgebirge, ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Wenn die Reisebusse wieder abgefahren sind und die Raben auf der Suche nach ihren Schlafplätzen krächzend um den 81 Meter hohen Denkmalsturm kreisen, wird die Sage wieder lebendig: Der Kaiser, der auf dem dritten Kreuzzug 1190 auf dem Weg in das Heilige Land im Taurusgebirge in der Türkei starb, ist gar nicht tot - er schläft zusammen mit seinem Hofstaat in der mächtigen Höhle des Berges und wird zum geeigneten Zeitpunkt ein "goldenes Zeitalter" begründen. Zeitweise wacht er auf und lässt erkunden, ob die schwarzen Vögel noch kreisen. Wenn sie das tun, muss er weitere 100 Jahre schlafen. Und die Raben sind bislang noch nicht verschwunden.

Auf dem mehr als 400 Meter hohen Bergrücken erhob sich einst die mittelalterliche Reichsburg Kyffhäuser als eine der größten und mächtigsten Festungen der Stauferzeit. Reste der Ruinen sind noch zu sehen. Beachtlich ist der erhaltene, mit 176 Metern tiefste Burgbrunnen Europas. Barbarossa residierte zeitweise in der Gegend, was die schon im 14. Jahrhundert entstandene Legende vom schlafenden Kaiser nährte. So fiel die Wahl auf diesen Platz nationaler Bedeutung, als zwischen 1890 und 1896 Kriegsvereine im Andenken an den Reichsgründer das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal errichten ließen. Architekten fanden später heraus, dass die Steinmenge für den Bau einer Stadt für 5000 Einwohner gereicht hätte.

Blick ins Kyffhäusergebirge: Einst stand hier die größte Festung der Stauferzeit
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Blick ins Kyffhäusergebirge: Einst stand hier die größte Festung der Stauferzeit

Von der Turmkuppel, die über 247 Stufen zu erklimmen ist, bietet sich an klaren Tagen ein herrlicher Blick auf die fruchtbare Ebene der Goldenen und Diamantenen Aue sowie auf den Harz. In der Nähe liegen auch weitere Ausflugsziele wie die Salzstadt Bad Frankenhausen und der Rundbau des Bauernkriegspanoramas, im Volksmund auch respektlos "Elefantenklo" genannt. Das 123 Meter lange und 14 Meter hohe Monumentalgemälde aus DDR-Zeiten erinnert in mehr als 3000 Figuren an die verheerende Niederlage des thüringischen Bauernführers und Theologen Thomas Müntzer 1525.

Der Kyffhäuser bietet sich zum Wandern geradezu an. So kann man das Auto am Fuße des Berges stehen lassen und bequem den Aufstieg zum Denkmal beginnen. Ruinenreste und Landschaft lassen perfekt die Bilder der Romantik erwachen, die das 19. Jahrhundert prägten und der Barbarossa-Sage zu so großer Popularität verhalfen.

Im Naturpark Kyffhäuser rund um den Berg können aufmerksame Wanderer Feuchtwiesen, Salzquellen und Streuobstwiesen entdecken. Und wer das Abenteuer sucht, kann im nahe gelegenen Geopark Barbarossahöhle bei Rottleben an einer Führung in das Innere des Berges teilnehmen - und in den bizarren Grotten selbst nach dem Kaiser Ausschau halten.

Von Horst Heinz Grimm, gms



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