Baltikum Wo man im Bulli noch am Strand schlafen kann

Einsamkeit mit Aussicht: In Estland, Lettland und Litauen finden Wohnmobilfans unfassbar idyllische Stellplätze. Wir stellen die schönsten vor.

Oliver Lück

Von Oliver Lück


Das Baltikum boomt. In den vergangenen fünf Jahren sind Litauen, Lettland und Estland auch bei Wohnmobilreisenden immer beliebter geworden. Doch wo übernachten? Wir stellen drei Stellplätze aus jedem Land vor: besondere Orte mit einer besonderen Lage - an der Ostsee, an Seen oder an Flüssen, in Nationalparks oder auf den Höfen von Familien.

Oliver Lück

ESTLAND

Saaremaa: Auf der größten Insel Estlands kann man mehr Elche als Menschen treffen. Und viele wilde Schlafplätze finden, an denen das Übernachten im Wohnmobil auch erlaubt ist. Wie dieser, südlich von Möldri, ein Dorf mit 15 Einwohnern, an einem felsigen Strand. Weit kann man über die Ostsee blicken, die hier im Westen liegt. Die Sonnenuntergänge haben Suchtfaktor - gut, dass es Digitalkameras gibt.

(Koordinaten: 58.156814 N, 22.155814 E)

Lahemaa: Der vielleicht schönste Nationalpark Estlands liegt 70 Autokilometer östlich von Tallinn. Auf der Halbinsel Pärispea, südlich des kleinen Ortes Pärispea, lassen sich gleich mehrere ideale Plätze für Campingmobile am Meer finden. Wie dieser im Wald am Strand der Hara-Bucht: Versteckt zwischen den Bäumen kann man hier ungestört mehrere Tage verbringen. Die Zeit wird einfach weggeschwemmt.

(59.650757 N, 25.683960 E)

Soomaa-Nationalpark: Drei Kilometer südlich des Dorfes Riisa, gleich am Ufer der Raudna, die hier in einer längeren Kurve vorbeifließt, findet man Meiekose Saarte, einen einsamen und kostenlosen Campingplatz mit Feuerstelle. Aber Achtung: Führt der Fluss viel Wasser und haben sich weitere Regenfälle angekündigt, kann der Platz binnen weniger Stunden überflutet werden. Eine teilweise Selbstverpflegung ist übrigens möglich - Beeren- und Pilzepflücken wie auch das Fischen sind in manchen Gebieten des Soomaa-Nationalparks erlaubt.

(58.456683 N, 24.993419 E)

Oliver Lück

LETTLAND

Nationalpark Gauja: Einfach und gut ist dieser grandiose Campingplatz, der unmittelbar an der Gauja liegt. Die ist mit rund 450 Kilometer der längste Fluss Lettlands, sie entspringt auf den Vidzemer Höhen und mündet nordöstlich von Riga in die Ostsee. Kanuten sprechen gar von einem der schönsten Flüsse Europas. Und die Preise für eine Übernachtung sind unschlagbar günstig - ein Wohnmobil und zwei Personen kosten zwölf Euro.

(57.308427 N, 25.221265 E)

Jurmalciems: Menschen, die mit dem Wohnmobil im Baltikum unterwegs sind, suchen genau solche Schlafplätze. Orte, wo nichts ist und wo man für wenig Geld übernachten darf. Ein Haufen Heu. Ein Schuppen. Feuerholz. Eine frisch gemähte Wiese für die Gäste. Zwischen Stellplatz und dem wilden Strand liegt nur noch die Düne. Und die Familie des Hofes freut sich über jeden Besuch und nimmt gerade einmal fünf Euro die Nacht. Lage: 25 Kilometer südlich von Liepaja.

(56.308810 N, 20.985388 E)

Kap Kolka: Südlich des Dörfchens Gipka, das nur aus wenigen Häusern besteht, von der Hauptstraße in Richtung Meer abbiegen. Die Schotterpiste führt 500 Meter durch einen Wald bis zu einem versteckt gelegenen Parkplatz direkt an den kilometerlangen Sandstrand. Die estnische Insel Ruhnu liegt in Sichtweite. Ab und an fährt die Passagierfähre nach Riga oder Stockholm vorbei. Das ist alles. Mehr passiert selten. Ein Platz für eine Pause, die nicht enden soll.

(57.564411 N, 22.6671 E)

Oliver Lück

LITAUEN

Nida: Litauen hat nur einen schmalen Zugang zum Meer, es sind kaum hundert Kilometer Küste. Dementsprechend voll wird es an der Ostsee im Sommer, vor allem auf der Kurischen Nehrung. Dennoch sollte man den Abstecher auf die schmale Landzunge wagen. Gewiss kein Geheimtipp, aber einer der schönsten Campingplätze des Landes - und die einzige Übernachtungsmöglichkeit für Wohnmobile auf der Nehrung. Wer einen Platz weiter hinten am Rand bekommt, kann aussteigen und gleich loslaufen durch den Kiefernwald zum Meer oder zum Haff. Dort wird es dann schnell ruhiger.

(55.298659 N, 20.982627 E)

Siline: Etwa eineinhalb Autostunden westlich von Kaunas hat ein freundlicher Imker - versteckt an einem Wald - einen schönen und vor allem ruhigen Campingplatz angelegt. Er hat ihn Medaus Slenis genannt, auf Deutsch Honigtal. Mehr als zehn Sorten können probiert und direkt auf dem Hof gekauft werden, zum Beispiel in den Geschmacksrichtungen Löwenzahn, Himbeere, Klee, Buchweizen oder Waldhonig. Die Memel fließt in Fußweite. Jeden Abend wird die Holzsauna befeuert. Und die leidenschaftlichen Vorträge über Honig gibt es vom Gastgeber gratis dazu.

(55.05308 N, 22.56414 E)

Nationalpark Aukstaitija: Das seen- und waldreiche Gebiet weit im Osten Litauens ist der älteste Nationalpark des Landes. Rund 30 Kilometer sind es bis zur weißrussischen Grenze. Und der kostenlose Wohnmobilstellplatz im Dörfchen Palš liegt am Ufer des Lusiai, eines der größten Seen der Gegend. Es können Kanus und Kajaks gemietet werden. Es darf geangelt werden. Und irgendwann kommt der Moment, da fühlt man sich wie in Finnland.

(55.331362 N, 26.105768 E)



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Dr.Ulrich 18.06.2016
1. Das nenne ich Humor
Ich kenne mehrere ehemalige Bulli-Besitzer, die ihrem Auto gern Richtung Osten gefolgt wären. Sie haben aber keins mehr - weil der Bulli auf der Hitliste der Autodiebe doch sehr weit oben etabliert ist. Bevorzugt, wenn man ihn über Jahre möglichst liebevoll und komfortabel ausgebaut hat.
logophage 18.06.2016
2. ... manche Menschen haben Angst vor allem und jedem.
Zitat von Dr.UlrichIch kenne mehrere ehemalige Bulli-Besitzer, die ihrem Auto gern Richtung Osten gefolgt wären. Sie haben aber keins mehr - weil der Bulli auf der Hitliste der Autodiebe doch sehr weit oben etabliert ist. Bevorzugt, wenn man ihn über Jahre möglichst liebevoll und komfortabel ausgebaut hat.
Haben Sie entsprechende Statistiken über Autodiebstahl im Baltikum, oder haben Sie das am Stammtisch gehört? Oder verwechseln Sie möglicherweise in Deutschland verübte Straftaten mit Straftaten, die im Baltikum verübt werden. Das wäre ein typisches Beispiel dafür, wie Vorurteile entstehen. Zur Verdeutlichung: nur weil ein paar Deutsche 1939-45 Europa (unter anderem auch das Baltikum) als Mörderbanden heimgesucht haben, bedeutet es nicht daß man beim Deutschlandbesuch von einer Mörderbande ermordet wird.
Dr.Ulrich 18.06.2016
3. Wer hat denn von Angst geredet?
Zitat von logophageHaben Sie entsprechende Statistiken über Autodiebstahl im Baltikum, oder haben Sie das am Stammtisch gehört? Oder verwechseln Sie möglicherweise in Deutschland verübte Straftaten mit Straftaten, die im Baltikum verübt werden. Das wäre ein typisches Beispiel dafür, wie Vorurteile entstehen. Zur Verdeutlichung: nur weil ein paar Deutsche 1939-45 Europa (unter anderem auch das Baltikum) als Mörderbanden heimgesucht haben, bedeutet es nicht daß man beim Deutschlandbesuch von einer Mörderbande ermordet wird.
Ich habe mich über den Artikel köstlich amüsiert und das hoffentlich deutlich zum Ausdruck gebracht. Genauso angstfrei amüsiere ich mich übrigens darüber, dass Sie die Chance nutzen konnten, uns alle über Ihr Deutschlandbild in Kenntnis zu setzen. Auch wenn das nicht Thema des Artikels ist.
albert schulz 18.06.2016
4. Bulli- Reklame ? Oder einfach nur Romantik ?
Um die ganze Ostsee rum gibt es kaum einen Strandabschnitt, der nicht höllisch einsam ist. Es gibt keine Räuber, kein Trinkwasser, keine Läden und Restaurants auch nur an den Stellen, wo es nicht einsam ist. Eine wundervolle Gegend, wenn man Abstand sucht und Konserven schätzt. Der Vorteil von einem Bulli gegenüber einem banalen Zelt ist gering, wenn es um die Annehmlichkeiten geht: Man könnte größere Wassermengen zum Duschen mit sich führen und einen Kühlschrank. Das war es dann aber schon. Die zehn Minuten für den Aufbau des Zeltes sind vernachlässigbar. Dafür habe ich den Bulli an der Backe. Allein sein Preis reicht im Regelfall aus, um zwanzig bis vierzig Jahre lang in Gasthöfen Urlaub zu machen. Es soll allerdings Leute geben, die den Bulli das ganze Jahr nutzen. Je nach Größe bekommen sie damit weder an ihrem Arbeitsort noch im Zentrum einen Parkplatz. Das ist Future pur. Die meisten statistisch erfaßten Diebstähle sind übrigens ganz reguläre Verkäufe, die als Diebstahl ausgegeben werden. Ein Volk von versierten Versicherungsbetrügern weiß sich zu helfen. Auch ohne Dissertation.
spike123456 18.06.2016
5. andersreisende
Zum Glück gibt's nicht nur Misanthropen sondern auch Menschen mit positiver Einstellung zur Landschaft und den Menschen im Baltikum. Aktuelle Reiseberichte z.B. auf www.himmelblaumatt.de / Ich hab da jetzt nichts negatives rausgelesen !
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