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03. April 2019, 04:51 Uhr

Leuchtturm-Unterkünfte in Irland

Nachts bleibt das Licht an

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Schlafen auf schroffen Klippen, das Tosen der Wellen im Ohr: Eine Nacht im Leuchtturm ist ein echtes Erlebnis. Irlands Küste bietet spektakuläre Optionen.

Die schönsten Ideen werden manchmal aus der Not geboren. Weil an Irlands Küste immer mehr Leuchttürme außer Betrieb gesetzt wurden, wandelten findige Iren die besonderen Bauten kurzerhand um: zu exklusiven Gasthäusern. Zum großen Glück für Irland-Reisende.

Leuchtturm-Hotels gibt es an verschiedenen Orten in Europa : in Norwegen, in Kroatien und auf einem zu Hamburg gehörenden Eiland in der Helgoländer Bucht. Irland zählt besonders viele solcher Unterkünfte. Der Inselstaat hat sich vor einigen Jahren überlegt, einen Teil seiner 70 Leuchttürme und Schifffahrtszeichen touristisch zu nutzen und entsprechend zu vermarkten. Entstanden ist die Initiative "Great Lighthouses of Ireland", ein Zusammenschluss von zwölf solcher Bauten, die für Besucher geöffnet sind.

Früher wohnten in den Häusern ausschließlich die Leuchtturmwärter. "Heute vermieten einige von ihnen Zimmer", sagt Dave Ward von der irischen Behörde Commissioners of Irish Lights. "Du wachst auf, ziehst die Gardinen zur Seite und kannst mit Glück dem Wärter bei der Arbeit zusehen."

Im Kontrast zu ihrem funktionalen Kern - Seefahrer um Klippen navigieren - umweht Leuchttürme auch immer etwas Wildromantisches. Ihre exponierte Lage auf Klippen. Das Tosen der Wellen zu ihren Füßen. Das Gefühl, hier, an Land, irgendwie mit der abenteuerlichen Lebenswelt der Seeleute verbunden zu sein. Und dann ist da noch die architektonische Ästhetik in spektakulärer Kulisse - was Leuchttürme zu besonders beliebten Fotomotiven macht.

Und so kam den Iren die Idee zur touristischen Nutzung, als einige Leuchttürme durch neue Technologien und Automation überflüssig wurden. Verloren geben wollte man sie aber nicht. Auch die Europäische Union sah das ein und steckte 2,5 Millionen Euro in fünf irische Leuchtturmprojekte zwischen 2013 und 2015.

An acht Orten der Initiative "Great Lighthouses of Ireland" können Gäste auch übernachten, allerdings nur in einem Fall wirklich innerhalb des Leuchtturms, ansonsten in den dazugehörigen Gebäuden. Manche von ihnen müssen von den Wärtern noch gewartet werden, da sie noch in Betrieb sind. Für Ward macht genau das den Reiz aus. Er vergleicht die Leuchttürme an Irlands Küste mit einer wertvollen Kette, die sich um die Insel schmiegt wie um einen Hals. "Jeder Leuchtturm für sich ist besonders."

Besucher können dort an geführten Touren teilnehmen, mehr über die Geschichte des Landstrichs und die Technik des Leuchtfeuers lernen - und bei vielen Exemplaren beste Aussichten genießen. Naturfans und Vogelbeobachter richten von hier aus das Fernglas zu bestimmten Jahreszeiten auf Wale und Wanderfalken.

Irland oder Nordirland? Hauptsache die Besucher kommen

Zum Zusammenschluss der "Great Lighthouses" kam 2018 noch The Great Light Belfast hinzu, ein Leuchtfeuer in der Hauptstadt Nordirlands. Es heißt, es sei mit sieben Metern eines der größten und stärksten, die je gebaut wurden. Die Optik von 1887 ist im neuen "Titanic"-Viertel im Hafen zu betrachten.

Dass die zur Initiative gehörenden Leuchttürme sowohl in der Republik Irland als auch in Nordirland stehen, liegt daran, dass es sich um eine inselübergreifende Aktion handelt. Ob Norden, ob Süden - touristisch vermarkten sich die Inselteile schon lange gemeinschaftlich. Das Fremdenverkehrsamt Tourism Ireland ist für die gesamte Insel zuständig und nicht nur für den einen oder den anderen Staat. Es kennt genauso wenig Grenzen wie die Leuchtturmbehörde, die sich um die Sicherheit der Seeleute an der gesamten Küste kümmert.

Und wenn der Brexit kommt und damit eine mögliche neue Grenze zwischen dem Norden und dem Süden? Ethna Murphy, Markenentwicklerin der "Great Lighthouses of Ireland" sagt, die Leuchtturm-Initiative sei durch den möglichen EU-Austritt Großbritanniens nicht gefährdet. "Irland-Besucher wollen die Insel als Ganzes erleben - und wir werden unser Projekt zugunsten des Tourismus und der beteiligten Gemeinden weiterentwickeln."

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