Low-Budget-Reise zur EM Frankreich geht auch günstig

Pastis auf Eis, Kegelbahn in cool - die französische Lebensart ist legendär. Und teuer, eigentlich. Hier sind die besten Tipps, wie Sie die EM-Städte mit wenig Geld genießen.

Getty Images

Von Ralf Nestmeyer


Der Flug ist gebucht, die Fanschminke im Gepäck verstaut - Sie fahren zur Fußball-EM ins Gastgeberland? Gute Entscheidung. Da die Vorzüge des Savoir-vivre aber leider gern mal ein paar Euro mehr kosten, geben wir Ihnen hier ein paar Tipps, wie sich Frankreichs aufregendste Städte auch mit wenig Geld erleben lassen.

Paris: Tanzparty unter freiem Himmel

Blick auf Paris vom Institut du Monde Arabe
Getty Images

Blick auf Paris vom Institut du Monde Arabe

Die Klubs in Frankreichs Hauptstadt sind teuer. Im Uferpark Jardin Tino Rossi zahlt man keinen Eintritt: Jeden Abend von Anfang Juni bis Ende August wird hier am Quai Saint-Bernard unter freiem Himmel und in Sichtweite von Notre-Dame getanzt.

Klassiker ist natürlich auch eine Partie Boule - zum Beispiel im Jardin des Tuileries. Das Spiel mit den Metallkugeln kann man sogar nachts fortführen - im Szeneviertel rund um die Rue Oberkampf. Im Keller der Kneipe Les Niçois gibt es eine Sandbahn, auf der man Pétanque spielen kann, wie die Südfranzosen sagen - Kegelbahn in cool, wenn man so will. Wer hinterher noch Lust auf ein deutsches Bier hat, geht ins Udo. Dort gibt es nicht nur Kölsch, Paulaner Hefe-Weizen oder Jägermeister, sondern für 4,50 Euro auch eine echte Currywurst.

Ihnen bleibt neben Fußball und Nachtleben noch Energie für Kultur? In Paris ist der Eintritt zu vielen Museen kostenlos, darunter das sehr informative Stadtmuseum Musée Carnavalet oder das Musée de la Vie romantique, das sich der Romantik als bürgerlicher Lebensform widmet und einen idyllischen Garten hat.

Wer den vollen Panoramablick über Paris genießen möchte, hat mehrere Gratismöglichkeiten: die Stufen der Basilika Sacré-Coeur auf der Butte Montmartre und die Aussichtsterrasse des Konsumtempels Le Printemps am Boulevard Haussmann. Absolut lohnend und eher unbekannt ist die Dachterrasse des Institut du Monde Arabe im 5. Arrondissement - hier liegen einem die Seine und der Chor von Notre-Dame zu Füßen.

Marseille - Wandern mit Wow-Effekt

Calanque-Bucht bei Marseille
Getty Images

Calanque-Bucht bei Marseille

Alter Hafen, Château d'If und die Îles du Frioul: Den schönsten Blick auf die Mittelmeermetropole Marseille hat man von der Terrasse der neubyzantinischen Wallfahrtskirche Notre-Dame de la Garde, die man vom Vieux-Port aus mit der Buslinie 60 erreicht. Eine Alternative ist die frei zugängliche Dachterrasse der Cité Radieuse, die von Le Corbusier entworfen wurde und zu den Klassikern der modernen Architektur gehört (Métro 2 bis Rond-Point-du-Prado, dann Buslinie 21).

Sie haben Hunger, wollen aber nicht mit einer teuren Bouillabaisse im Touristenlokal abgespeist werden? Mittags serviert das Café de l'Abbaye kleine Gerichte für zehn Euro, abends ist es ein beliebter Treffpunkt für die Einheimischen. An sonnigen Tagen bekommt man nur schwer einen Platz auf der Straßenterrasse, die nur einen Steinwurf von der frühchristlichen Abbaye St. Victor entfernt ist.

Keine Lust mehr auf Großstadt? Dann auf zur Küstenwanderung! Die Calanque de Morgiou lädt mit ihrem türkisfarbenen Wasser zum Baden ein. Fahren Sie von der Métrostation Castellane mit dem Bus Nr. 21 zur Endstation (Universität Luminy). Dort geht es zu Fuß weiter in Richtung Osten, entlang des weiß-rot-markierten Fernwanderwegs GR 98, vorbei an mehreren der tief eingeschnittenen Calanque-Buchten. Angekommen im Fischerstädtchen Cassis, lassen Sie sich am besten in einer Bar am Hafenkai frische Austern und einen Pastis schmecken. Zurück nach Marseille gehts mit Bus oder Bahn.

Nizza - Gratiskonzert in der Altstadtgasse

Luxushotel Negresco an der Promenade des Anglais
Getty Images

Luxushotel Negresco an der Promenade des Anglais

Der traditionsreichste Küstenbadeort Europas hat einen kilometerlangen Kiesstrand, der frei zugänglich und (fast) nicht von Badeanstalten okkupiert ist. Hier treffen sich Touristen und Fußballfans ebenso wie die Einheimischen, die hier nach Feierabend oder am Wochenende ins Meer springen.

Eintauchen in die Kulturszene Nizzas können Sie am 21. Juni. Wie in allen anderen EM-Städten findet in dieser Nacht die Fête de la Musique statt. Auf den Straßen und Plätzen der Stadt gibt es bis tief in die Nacht kostenlose Musikkonzerte von engagierten Amateurbands und Solisten.

Sie wollen einen Blick auf die berühmten orangefarbenen Dächer von Nizza werfen? Dann müssen Sie rauf auf den Burgberg. Der Aufstieg ist anstrengend, doch das ist schnell vergessen, wenn man erst auf der Terrasse Frédéric Nietzsche steht.

Lyon - Geheimgänge und Gastro-Genüsse

Lyons altes Seidenweberviertel Croix-Rousse
Brice Robert/ Lyon Tourism and Conventions

Lyons altes Seidenweberviertel Croix-Rousse

Lyon gilt als Welthauptstadt der Gastronomie, aber es muss ja nicht das Fünf-Gänge-Menü im Lokal von Küchenpapst Paul Bocuse sein. Ein Besuch der Markthallen gehört in Lyon zweifellos zum morgendlichen Pflichtprogramm. Deutlich günstiger ist der Marché de la Croix-Rousse (täglich außer montags; samstags Biomarkt) am Boulevard de la Croix-Rousse.

Oder Sie folgen den Einheimischen in einen der sogenannten Bouchons. In diesen einfachen Kneipen lässt es sich vorzüglich und günstig tafeln, etwa im Chez Georges in der Altstadt. Für 19 Euro gibt es dort ein Dreigangmenü - und Speisen wie Kalbsnieren mit Senfsauce und gratinierte Kutteln.

Abtrainieren kann man sich die Kalorien bei einem Spaziergang durch Lyons Geheimgänge, die schmalen Traboules in der Renaissance-Altstadt. Das Gewirr von Pfaden und Stiegen verbindet Hinterhöfe und Häuser, Gärten und Gassen. Eine besonders lange Traboule erstreckt sich von der Hausnummer 54 in der Rue Saint-Jean bis zur Hausnummer 27 in der Rue du Boeuf. Während der Weberunruhen in den Dreißigerjahren des 19. Jahrhunderts dienten die Gänge als Fluchtwege, im Zweiten Weltkrieg bedienten sich ihrer dann die Kämpfer der Résistance.

Toulouse - Mit dem Rad in die Studentenkneipe

Toulouse an der Garonne
REUTERS

Toulouse an der Garonne

In der viertgrößten Stadt Frankreichs leben rund 900.000 Menschen, von denen um die 100.000 Studenten sind. Toulouse ist also eine junge Stadt, das Nachtleben ist entsprechend geprägt - eine gute Nachricht für alle Frankreichfans mit kleinem Reisebudget. Die Studenten treffen sich in günstigen Restaurants wie dem Le Nez Rouge oder in Kneipen und Bars wie im Fat Cat oder Kraken Paradise. Auch schön: mit einer Flasche Rotwein den frühen Abend auf der Kaimauer an der Garonne genießen.

Wegen ihrer rosarot glänzenden Backsteinfassaden wird Toulouse liebevoll ville rose genannt. Die Stadt lässt sich bestens mit dem Fahrrad erkunden, denn sie ist brettflach. Es gibt 250 Leihstationen von VélôToulouse, deren Räder man an den roten Schutzblechen erkennen kann. Per Kreditkarte kann man sich eins von insgesamt 2600 Fahrrädern ausleihen, die erste halbe Stunde ist gratis. Dieses unkomplizierte Fahrradleihsystem gibt es auch in fast allen anderen EM-Städten.

Leseraufruf
    Was lieben Sie in Frankreich am meisten? Gibt es einen Ort, den Sie sehr empfehlen würden, eine einmalige kulinarische Erfahrung und ein besonderes Reiseerlebnis, das Sie nie vergessen werden? Schreiben Sie eine Mail an spon_reise@spiegel.de, Betreff: Frankreich - am besten mit einem passenden Foto! Die besten Tipps und Fotos werden wir bei SPIEGEL ONLINE präsentieren. Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an dem Material besitzt und mit der Veröffentlichung einverstanden ist.

    Zeigen Sie uns auch Ihre Frankreich-Fotos bei Instagram - einfach die Hashtags #Spon_reise_frankreich hinzufügen!
insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Olberich Gesand 11.06.2016
1. Wer das macht, erlebt nicht Frankreich, sondern Wuppertal-Vorstadt
"Hier sind die besten Tipps, wie Sie die EM-Städte mit wenig Geld genießen." In Frankreich muss man leben wie Gott in Frankreich. Sonst ist alles wie in Wuppertal. Wer ins Ausland fährt, um zu knickern, erlebt nichts. Aber Reisen sind heute ja auch nicht dafür da, um zu lernen, sondern anschliessend im Bekanntenkreis zu protzen. Und für die ist billig gut genug.
frenchie3 11.06.2016
2. Nee, ne ???
In Lyon vergessen Sie die Basilique de Fourviere mit der kostenlosen Wahnsinnsaussicht über Lyon. Mit Zugang über die Seilzugbahn. Hey, unterschlagen Sie in Paris auch den Eiffelturm? :-)
tutnet 11.06.2016
3. 19 EURO für drei Gänge
mit Kalbsnieren und gratinierten Kutteln? Naja wenn man soviel Innereien mag. Woanders gibt man das bestenfalls dem Hund oder es wandert gleich in die Tonne.
macfan 11.06.2016
4. Galeries Lafayette
Es fehlt das Edelkaufhaus "Galeries Lafayette", das schon von innen sehr sehenswert ist und eine kostenlose Dachterrasse mit einem Super-Blick über Paris hat.
belinea12345 11.06.2016
5. Quark
Man kann fremde Laender auch mit kleinem Budget geniessen - die Einheimischen geben auch nicht staendig Unsummen aus. Davon abgesehen ist Frankreich ausserhalb von Paris auch nicht teurer als Deutschland. Sinnlos Geld verprassen koennen Sie im Uebrigen auch in Wuppertal ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.