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Luxus-Skihütten: Fünf Sterne plus Pulverschnee

Foto: Maierl-Chalets

Luxus-Skihütten Winterfrische mit Whirlpool

Designermöbel auf der Alm, heiße Bäder mit Gipfelblick: In luxuriösen Berghütten der Alpen ist die Versuchung groß, mal auf einen Pistentag zu verzichten. Wäre da nicht der Standortvorteil - die Gäste können morgens die Ersten sein, die durch den Neuschnee pflügen.

Was könnte schöner sein: Nach einem langen, sonnigen Skitag schlägt der Wintersport-Genießer den privaten Abzweig von der Pistenautobahn ein. Und landet nach dem Abschnallen der Latten in der Intimität und Behaglichkeit der eigenen Berghütte. Am nächsten Morgen zieht er nach einer nächtlichen Portion Neuschnee garantiert als erster Skiläufer Spuren auf dem jungfräulichen Hang.

Das Konzept der Lodge inmitten des Skigebiets erfreut sich in Nordamerika schon seit den Urzeiten des Alpinsports großer Beliebtheit, in der Schweiz und Frankreich ist das Privathaus am Hang als Chalet bekannt. In den Ostalpen dominierten bislang dagegen eher Hoteltempel und Appartements im Tal das Bild, am Hang kam man allenfalls in einfachen Berggasthöfen unter.

Doch viele Gäste wünschen sich eine individuelle Unterkunft in bester Lage mit großer Schneesicherheit. Den Bedarf für diese Nachfrage decken seit neuestem Bergunterkünfte, die Luxus und Abgeschiedenheit verbinden und damit die Konzepte Lodge und Chalet zusammenbringen. So lockt hinter sonnenverbrannten Holzfassaden und weiß verputzten Wänden ein luxuriöses Ambiente - wahlweise auf sonnigen Almwiesen an der Grenze von Skigebiet und Siedlungsraum oder hoch oben am Berg.

Die Feriengäste können sich im Wohnzimmer auf Designermöbeln fläzen, in der hauseigenen Sauna schwitzen oder im Whirlpool mit Panoramablick die steifen Glieder lockern. SPIEGEL ONLINE stellt fünf luxuriöse Chalets vor, in denen es Genießer selbst ohne Schnee und Pisten aushalten könnten.

Auch Kitzbühels Rücken kann entzücken - die "Maierl-Chalets" in Kirchberg

Alpen

Die Dämmerung ist die magische Zeit in den , heißt es immer. Dann schickt die Sonne ihre letzten Strahlen über das Firmament und bringt die Berge zum Glühen. Liegt man nach einem langen Skitag jedoch im Whirlpool der Maierl-Chalets, dann entfaltet auch die Nacht einen besonderen Reiz. Aus 1225 Metern Seehöhe fällt der Blick auf ein Lichtermeer.

Im Vordergrund leuchten die Straßen von Kirchberg wie ein illuminiertes Spinnennetz, dahinter lassen Dutzende von umherwandernden Blinklichtern die gewaltigen Ausmaße der "Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental" erahnen. Das sind die Pistenraupen, die Nacht für Nacht mehr als 260 Pistenkilometer zwischen der Hohen Salve und dem Astberg präparieren. Die Gäste der Luxushütten können dieses Schauspiel wahlweise aus der Behaglichkeit des Pools verfolgen oder von den Lederpolstern der Wohnzimmersofas, gewärmt vom prasselnden Kamin. Panoramafenster geben von dort den Blick ins Tal frei.

Fünf Chalets stehen seit Mitte Dezember auf der Maierl-Alm zur Vermietung bereit, dazu gibt es im Haupthaus Hotelbetten und ein Restaurant. Das Projekt entstammt, wie so vieles in und um den Nobelort Kitzbühel, der Symbiose von Münchner Kapital und regionaler Gastfreundschaft. So führt Geschäftsführer Georg Gruber - er leitet den Betrieb mit Frau Margarete - seinen Gästen in der Küche schon mal die richtige Zubereitung von Kaiserschmarrn vor. Die Grubers kennen sich aus am Berg: Ihnen gehörte bis 2010 der alte Gasthof Maierl, der seit 1932 auf der Parzelle stand.

Zehn Millionen Euro wurden investiert

Dann erwarb der Münchner Unternehmer Stefan Pfender gemeinsam mit seiner Ehefrau den Grund. Sie ließen das alte, verbaute Haus abreißen. Dass Architekten und Bauarbeiter anschließend klotzten, anstatt zu kleckern, kann man von außen nur erahnen. Drei Etagen betonierte man in den Berg hinein, um den Gästen alle Annehmlichkeiten zu bieten: eine Tiefgarage, einen zentralen Wellness-Bereich und - für Wetterempfindliche - unterirdische Zugänge zu den Chalets, die sich im Halbkreis um das Haupthaus gruppieren. "Das ist der beste Platz am ganzen Berg hier", preist Pfender sein Angebot an. Vor dem Haus führt die Piste vorbei, aus dem Tal eine neue Gondel bergwärts.

"Wir haben im April 2010 angefangen und sind erst kurz vor Weihnachten fertig geworden", sagt Stefan Pfender. Noch fehlen einige Details, aber dass hier oben rund zehn Millionen Euro investiert wurden, lässt sich erahnen. Altholz an den Wänden verbreitet rustikalen Charme, im Kontrast dazu stehen Designmöbel und Flachbildschirme.

Und obwohl man sich auf der Kirchberger Seite des Skigebiets befindet, lassen die Betreiber keine Zweifel daran, dass sich die Gäste zum Großraum Kitzbühel zugehörig fühlen dürfen: Die Gams, das Logo des Nobelortes, findet sich auf Türbeschlägen, Kissenbezügen und sogar in den Saunen. "Für die Verwendung mussten wir eigens einen Nutzungsvertrag abschließen", sagt Pfender schmunzelnd. In Kitzbühel gibt es eben nichts umsonst.

Fünf Sterne unterm Gipfel - die "Wedelhütte" im Skigebiet Hochzillertal

Martha Schultz und ihr Bruder Heinz sind Ski-Unternehmer, ihre Visionen setzen sie mit Nachdruck durch. Heute gilt die Schultz-Gruppe in Tirol als größtes Bergbahn-Imperium in Familienhand. Kernstück der Firma ist das Skigebiet Hochzillertal über Kaltenbach. Dass die Geschwister Schultz den Geldadel nicht den Traditionsorten wie Seefeld oder Kitzbühel überlassen wollen, beweisen sie mit der Wedelhütte unterhalb des Marchkopfs (2500 Meter). Obwohl sich am anderen Ende des Skigebiets mit der Kristallhütte bereits eine luxuriöse Bergunterkunft findet, setzten die Geschwister dem Hochzillertal erst mit der Wedelhütte die gastronomische Haube auf.

Auf 2350 Meter Seehöhe bietet das Berghaus den Komfort eines Fünf-Sterne-Hotels. Schon Alt-Bundespräsident Horst Köhler suchte samt Gattin hier oben Entspannung, als er den Widrigkeiten des höchsten Staatsamtes noch gewachsen war. Und genoss jede Menge Komfort. Ob es die Infrarotkabine im zimmereigenen Feuchtbereich ist, die Saunen im Wellnessbereich oder der Whirlpool auf der Terrasse: Die Gäste der zehn Juniorsuiten und der Suite "Gipfelblick deluxe" müssen auf nichts verzichten, was ihnen sonst in Kitzbühel oder St. Moritz geboten wird.

Der gute Tropfen zum abendlichen Menü stammt aus einem der höchstgelegenen Weinkeller Österreichs. Dort finden regelmäßig Degustationen statt: Durch bodentiefe Fenster blicken die Weinschmecker dann auf die knapp 3500 Meter hoch aufragenden Zillertaler Alpen, während der Rotwein durch die Kehle gurgelt und die Trophäen an der Wand Jagdgelüste aufkeimen lassen.

Jung, dynamisch, sportlich kommt der Hüttenchef daher. Manfred Kleiner ist Zillertaler und seit gut zwei Jahren Pächter der Wedelhütte. Vorher führte er ein Hotel und eine Cocktailbar im Tal. Am Berg musste auch er sich auf andere Verhältnisse einstellen: Die komplette Verpflegung transportieren Lifte, Motorschlitten und Pistenraupen auf die Wedelhütte.

Wurde etwas vergessen, gestaltet sich eine Lieferung nach Pistenschluss schwierig bis unmöglich. Doch die exponierte Lage hat für die Gäste eine gute Seite: Am Morgen sind sie die Ersten auf der Piste und, auf Wunsch, auch im Gelände. Um die besten Pulverhänge zu finden, können sie auf der Wedelhütte einen eigenen Bergführer buchen.

Ruhepol vor gewaltiger Kulisse - das "Steinalmdorf" bei Leogang

Hotelgast Norbert Nägel räumt die Koffer in die Hütte und atmet erleichtert auf. Er ist Gastronom, führt bei Erlangen einen Catering-Service und Restaurants. "Wenn ich in Urlaub fahre, will ich einfach ausspannen", sagt er. Deshalb hätten seine Frau und er sich bereits zum dritten Mal im Leoganger "Steinalmdorf" eingebucht. Rund hundert Meter über dem Talgrund gruppieren sich sieben Hütten im Schnee um eine Art Dorfplatz. Kein Mucks dringt von der Bundesstraße herauf, die gewaltige Kulisse der Leoganger Steinberge, deren Felstürme in der Abendsonne zu glühen scheinen, erinnert an die Dolomiten.

Mit dem Steinalmdorf hat sich Philipp Madreiter einen Traum erfüllt. Seine Eltern führen den wenige Meter entfernt gelegenen Embachhof. Als Jugendlicher besuchte der Blondschopf das Sportgymnasium im nahen Saalfelden. "Irgendwann hatte ich auf Skispringen als Leistungssport keine Lust mehr", sagt er. Nach einer gastronomischen Ausbildung kehrte er in den elterlichen Betrieb zurück. Dort wollte er aber nicht nur das Bestehende verwalten, sondern eigene Ideen verwirklichen.

Geplant wurde das Steinalmdorf von dem Architekten Franz Piffer, der auch das spektakuläre "Art Hotel Hinterhag" in Saalbach baute. Das Interieur gestaltete eine Künstlerin aus der Region in rustikalem Grundton, schließlich sollen die Unterkünfte an Almhütten statt an Chalets erinnern. Komfort gibt es trotzdem. "Wir haben die Hütten auf Vier-Sterne-Niveau ausgestattet, einschließlich Sauna oder Infrarotkabine in den Bädern", sagt Madreiter.

20 Rinder blöken im Stall hinter dem Embachhof, Vater und Sohn schlachten noch selbst und bewirtschaften im Sommer gemeinsam die Alm. So landet auf den Tellern der Gäste - sofern sie sich nicht selbst versorgen - regelmäßig Fleisch aus eigener Bio-Zucht. "Man hat hier das Gefühl, abseits zu sein", sagt Philipp Madreiter.

Trotzdem ist die Verkehrsanbindung auf zwei Brettern gut: Eine Skiroute führt aus dem Pistenrevier von Leogang zu den Hütten, morgens ist mit ein paar Stockschüben die Talstation der Asitzbahn erreicht. Dem gerade angekommenen Stammgast Norbert Nägel ist das freilich schnuppe. Er komme zwar im Winter ins Steinalmdorf - mit Skifahren habe er aber nichts am Hut.

Kontrast zum Kronplatz - das "Mountain Chalet Obertreyen"

Dort, wo das Tauferer Ahrntal in das Pustertal mündet, erhebt sich mit der gigantischen Kuppe des Kronplatzes das Symbol schlechthin für den alpinen Massentourismus. Auf allen Seiten des Berges ziehen Liftketten durch den Wald, in Reischach, wo gleich zwei Umlaufgondeln täglich Zehntausende Wintersportler bergwärts transportieren, säumen große Hoteltempel Parkplätze mit den Ausmaßen mehrerer Fußballfelder.

Wer mit der Unterbringung in Bettenburgen nur wenig anfangen kann, auf den wartet nur 15 Kilometer entfernt, bei Sand in Taufers, die entschleunigte Variante des Urlaubs. Direkt an der Talabfahrt des Skigebiets Speikboden liegt das Mountain Chalet Obertreyen. Aus den Fenstern der luxuriösen Unterkunft geht der Blick nicht auf den Trubel im Pustertal, sondern auf die so ruhige wie imposante Südseite der Zillertaler Alpen.

Seit 300 Jahren steht das Haus nunmehr am Hang, wurde früher als Bauernhof genutzt. Vor einigen Jahren gestaltete dann das Brunecker Architektenbüro berg und tal den Bau aufwendig um. Im Auftrag der Hoteliersfamilie Schifferegger statteten die Planer das Chalet mit einem Mix aus Alt und Neu aus: Viel Altholz verleiht den Zimmern ursprünglichen Charme, gleichzeitig befriedigen bodentiefe Duschen, Edelstahl-Elemente in der Küche und Ledersofas im Wohnzimmer das Bedürfnis nach modernem Komfort. Rustikal kommen der Kamin mit dem darüber prangenden Geweih eines Zwölfenders und die Felle auf den Esstisch-Stühlen daher.

Das Skigebiet Speikboden bietet rund 20 Kilometer Pisten zwischen 950 und 2250 Metern, im Rest des Tauferer Ahrntales kommen weitere Skigebiete wie der Klausberg dazu. Langläufer können sich auf knapp 60 Kilometer Loipen austoben. So ist dafür gesorgt, dass auch der neu errichtete Spa im Chalet Obertreyen mit Biosauna und Ruheraum frequentiert wird.

Sollten die maximal 18 Bewohner des Chalets doch einmal die Lust auf Hüttengaudi und Hochbetrieb packen, so ist der Kronplatz nur einige Minuten per Auto oder Skibus entfernt.

Champagner zur Scrabble-Partie - das "Ferme de Montagne" in Les Gets

Nicht wenige Gäste schwärmen vom ostfranzösischen Dörfchen Les Gets als idyllischstem Flecken im gigantischen Skigebiet der "Portes du Soleil". Genau hier, im Ortsteil La Turche, haben sich der Engländer Henry Dixon-Hudson und seine australische Frau Suzanne einen Traum erfüllt, den ihre Gäste teilen können: Sie erwarben ein Bauernhaus, das seit dem 16. Jahrhundert am Hang gestanden hatte, und verwandelten die windschiefe Kate in ein luxuriöses Chalet-Hotel mit neun Suiten und allem Schnickschnack.

Bei der Renovierung achteten die neuen Eigentümer darauf, den ursprünglichen Charakter des Objekts nicht zu zerstören. Man verwendete beim Innenausbau viel Altholz, den Salon stattete man mit einem offenen Kamin und einer kleinen Bar im Pariser Stil aus. Stickereien verzieren die Bettbezüge. Von außen deutet nur der Whirlpool auf das luxuriöse Innenleben des Chalets hin, ansonsten hebt sich der Bau nicht nennenswert vom historischen Charakter des knatternden Schlepplifts ab, der die Gäste nur wenige Meter entfernt auf die Pisten hievt.

Britisches Understatement ließ Dixon-Hudson auch bei der Namensgebung für die Fünf-Sterne-Herberge walten: "Ferme de Montagne" heißt auf Deutsch schlicht "Bauernhaus am Berg". Im Gegensatz dazu stehen die fast schon dekadenten Annehmlichkeiten, denen sich die Gäste hingeben können. Inklusive sind im Ferme etwa der Tee zur nachmittäglichen Scrabble-Runde am Kamin, das Glas Champagner im Licht der untergehenden Sonne und natürlich das Spa mit Dampfbad, Sauna und Kräuterbädern. In der Küche geht das Team um Chefkoch Alan White virtuos zu Werke, französische und savoyardische Gerichte stehen ebenso auf der Karte wie asiatische Speisen.

Nicht ohne Stolz verweisen die Betreiber darauf, dass sich im Hotel 12 Bedienstete um die maximal 18 Gäste kümmern. Zum Standard zählt die ortskundige Begleitung durch einen Skiguide. Und sollte man trotz der Strapazen eines langen Skitages noch intellektuelle Bedürfnisse haben, so steht die umfangreiche Bibliothek zur freien Verfügung - zwischen den Büchern kann übrigens, ganz im britischen Kolonialstil, auch das Dinner serviert werden. Kein Wunder also, dass das "Ferme de Montagen" regelmäßig auf vorderen Plätzen internationaler Hotelranglisten landet.

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