Mallorcas Wassermangel Duschen verboten

Anhaltend heißes Wetter, dazu ein ungekannter Besucher-Boom: Auf Mallorca wird das Wasser knapp. Als erste Notfallmaßnahme drehte man nun die Strandduschen ab.

Beendet: Wasserverschwendung am Strand
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Beendet: Wasserverschwendung am Strand


Es war ein Engpass mit Ankündigung: Die Diskussion darüber, ob und wann Mallorca an seine Kapazitätsgrenzen kommt, läuft seit Wochen. Beim Trinkwasser ist es nun offenbar so weit - erste Gemeinden drehten ihren Besuchern die Strandduschen ab.

Nach den einheimischen Landwirten bekommen nun also erstmals auch Besucher die Auswirkungen der Wasserknappheit auf Mallorca zu spüren. An den Stränden der Playa de Palma und der Großgemeinde Calvià im Südwesten wurden die Strandduschen abgestellt, berichtet die "Mallorca Zeitung". Die Maßnahme sei Teil eines Notfallplans. Zuvor waren bereits viele Springbrunnen trockengelegt worden, und für die Straßenreinigung und die Bewässerung der Grünflächen wird inzwischen gereinigtes Brauchwasser verwendet.

Die Wasserreserven auf Mallorca sind auf dem tiefsten Stand seit zehn Jahren, im vergangenen Winter hat es auf der Insel kaum geregnet. In 27 Gemeinden der Balearen gilt bereits eine Warnstufe.

Mitten im Meer ist Trinkwasser ein knappes Gut

Trinkwasser gewinnt man auf Mallorca auf drei Wegen: Aus den Seen Embalse de Cúber und Gorg Blau im Norden der Insel, aus Tiefenbrunnen, aus denen man Grundwasser zieht, sowie aus der Meerwasserentsalzung.

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Mallorca: Rekordsaison sorgt für Wassernot

Den Stauseen haben die fehlenden Niederschläge der letzten zwei Jahre unmittelbar sichtbar zugesetzt: Embalse de Cúber ist derzeit so gut wie trocken. Schon vor Beginn der Saison standen die Pegel unter 25 Prozent - Oberflächenwasser stand 2016 somit kaum zur Verfügung.

Grundwasserstände sind auf Inseln ein ganz besonderes Problem: Es geht nicht nur um die aktuelle Versorgung, sondern auch darum, die Wasserversorgung nicht längerfristig zu gefährden. Fällt der Grundwasserpegel einer Insel zu weit ab, steigt die Gefahr, dass Salzwasser aus dem umliegenden Meer in den Boden "nachdrückt" - dann droht eine Versalzung der Wasserbestände. Bereits im Frühjahr 2016 waren die Grundwasserstände auf rund 44 Prozent ihrer normalen Höhe abgefallen.

Für die Trinkwasserversorgung setzt man auf Mallorca darum bereits seit Langem auf Meerwasserentsalzungsanlagen in Palma, Alcudia und Andratx. Auch die aber haben eine Kapazitätsgrenze - wer mehr Wasser will, muss neue Anlagen bauen. Und die sind nicht unaufwendig: Die Anlagen setzen auf die sogenannte Umkehrosmose, bei der das Meerwasser unter enormen Druck gesetzt wird, um das Salz abzuscheiden. Aus 100 Litern gewinnt man so rund 45 Liter Süßwasser.

Neue Kapazitäten lassen sich nicht über Nacht schaffen und stoßen auch bei Umweltschützern nicht unbedingt auf Gegenliebe: In welchem Maße die Rückführung der Salzlake das Meer um Mallorca schädigt, ist heiß umstritten. Bleibt also Enthaltsamkeit - und der Zwangsverzicht auf das Duschen am Strand ist da ein reichlich bescheidenes Opfer. Mittelfristig braucht Mallorca aber andere Lösungen, um Desaster wie zuletzt 1995 bis 1997 zu verhindern: Da musste die Insel vom Festland her mit Tankschiffen versorgt werden.

pat/dpa

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