Meißener Porzellan Das weiße Gold von Sachsen

Gold, pures Gold könne er herstellen: Seine Prahlerei hat Johann Friedrich Böttger kein Glück gebracht. Von August dem Starken zu alchimistischen Studien verdammt, baute er zwar Europas erste Porzellanmanufaktur auf, verfiel aber dann dem Alkohol.

Meißen/Dresden - Wenn Johann Friedrich Böttger nicht so ein Großmaul gewesen wäre, hätte sich wohl kaum jemand für ihn interessiert. August der Starke, Kurfürst von Sachsen, hat vielleicht nicht geglaubt, dass der Apothekergehilfe Gold herstellen kann, ließ ihn 1701 aber sicherheitshalber in Gewahrsam nehmen. Und so musste Böttger in königlichem Auftrag alchimistischen Studien nachgehen. Mit dem Gold wurde es nichts, doch 1708 erfand er eine sächsische Variante der Porzellan-Herstellung. Dem "weißen Gold" begegnen Besucher Sachsens noch heute vielerorts.

Das gilt besonders für die Hauptstadt Dresden: Dort ist im Zwinger nach dreijähriger Schließung seit dem Herbst 2002 wieder die Porzellansammlung von August des Starken zu sehen. "Es sind insgesamt rund 20.000 Stücke, von denen wir allerdings nur etwa ein Viertel ausstellen können", so Direktor Ulrich Pietsch. Zu sehen sind auch Gold- und Silberklumpen, die Böttger hergestellt haben will, sowie Steinzeug und Böttger-Porzellan. "Böttger hat noch kein Feldspat benutzt, sein Porzellan war daher etwas gelblicher", so Pietsch.

Die Sammlung ist aber vor allem Zeichen einer an Besessenheit grenzenden Leidenschaft des Herrschers. Teekannen und Sakeflaschen etwa ließ er in Meißen anfertigen, doch kaufte er sie in Fernost ohne Rücksicht auf den Staatshaushalt auch ein. "Der Gesamtwert der Sammlung liegt heute bei rund 3,5 Milliarden Euro", sagt Pietsch. Den höchsten Unterhaltungswert hat der "Zoo": 90 große Tiere, von denen 60 zur Dauerausstellung gehören. Zu sehen sind Pfauen, die ein Rad schlagen, Ziegen, die ein Zicklein säugen, raufende Hunde, Elefanten und Nashörner - alles porzellanene Kunstwerke von unschätzbarem Wert.

Die Anfänge der Porzellanherstellung lassen sich am besten in Meißen verfolgen: Dort auf der Albrechtsburg war Böttger von 1705 an eine Zeit lang untergebracht. Die Burg lohnt wegen des hervorragenden Blicks über die Stadt einen Abstecher - die Anlage aus dem späten 15. Jahrhundert ist jedoch weniger eine Burg als "der erste Schlossbau Deutschlands", wie Stadtführerin Ute Fogarascher sagt. Von 1710 bis 1864 war hier die erste Porzellanmanufaktur Sachsens untergebracht.

Wer sich ansehen möchte, wie Meißener Porzellan heute hergestellt wird, findet in der Talstraße die moderne Produktionsstätte mit Schauwerkstatt. "Wir haben inzwischen rund 1050 Beschäftigte, überwiegend in künstlerischen und handwerklichen Berufen", sagt Sybille Wiedemann von der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meißen. Die Porzellanmaler sind alle Spezialisten und ihre Produkte zum Teil ausgesprochen wertvoll. Der Reisekoffer mit Tassen, Tellern und Kanne aus Porzellan, das mit ägyptisierenden Motiven nach Entwürfen aus dem 19. Jahrhundert dekoriert ist, kostet immerhin knapp 40.000 Euro.

Wie sich das Porzellan aus Meißen in das schwelgerische Ambiente nahtlos einfügt, das August der Starke so schätzte, ist am besten auf Schloss Moritzburg zu sehen. August hat hier alles zusammengetragen, was sein Herz höher schlagen ließ. Zu sehen ist in dem Jagdschloss bei Dresden auch die "Moritzburger Porzellantafel" im spätbarocken Stil - 20 Gedecke mit 66 Teilen aus der Meißener Manufaktur. Als sich August der Starke mit seiner Jagdgesellschaft hier vergnügte, war Johann Friedrich Böttger längst tot: Der Erfinder des "weißen Goldes" aus Sachsen starb 1719, krank und dem Alkohol verfallen.

Von Andreas Heimann, gms

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.