Meraner Land Ötzis Heimat

Schnee und Eis konservierten über Jahrtausende hinweg den heute wohl berühmtesten Wanderer der Meraner Berge: den Ötzi. Doch unweit des kalten Fundortes in 3200 Meter Höhe gedeihen Palmen und Zypressen in einem mediterranen Klima und Bäche tosen durch die weitgehend unberührte Natur.


Meran - Palmen und Zypressen säumen die Straßen, dazwischen wachsen Kakteen und tropisch bunte Blumen: In Meran scheint das Meer dank des mediterranen Klimas oft zum Greifen nah. Doch tatsächlich liegt die Kurstadt in Südtirol, umgeben von den mehr als 3000 Meter hohen Gipfeln der Alpen. Burgen, Schlösser sowie zahlreiche Kirchen zeugen noch immer von den glanzvollen Zeiten, die Meran über Jahrhunderte hinweg als Mittelpunkt der Grafschaft Tirol erlebte. Dazu kommen die Berge, die nicht nur junge Gipfelstürmer anziehen. Auch ältere Wanderer und Spaziergänger finden rund um Meran zwischen gemütlichem Schlendern und ehrgeizigem hochalpinen Wandern gleich auf mehreren Etagen Möglichkeiten des Aktivurlaubs.

Pfossental: Im Seitental des Schnalstals kommt wie sonst nur selten in Südtirol eine Ahnung auf, was Massentourismus ist, doch in über 3000 Meter Höhe wird es wieder einsam
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Pfossental: Im Seitental des Schnalstals kommt wie sonst nur selten in Südtirol eine Ahnung auf, was Massentourismus ist, doch in über 3000 Meter Höhe wird es wieder einsam

Nur wenige Kilometer von Meran entfernt lockt die Bergwelt der Texelgruppe, eine imponierende Reihe von Dreitausendern. Rund 33.000 Hektar umfasst der vor mehr als 25 Jahren geschaffene "Naturpark Texelgruppe". Ein Gebiet, das anspruchsvollen Bergwanderern alles bietet, was das Herz begehrt: weitgehend unberührte Natur, eine Vielfalt an Vegetationszonen und einen enormen Wasserreichtum. Tosende Bäche und große Wasserfälle machen das Bergwandern in diesem Naturpark ebenso zu einem erinnerungsträchtigen Ereignis wie etwa die östlichen Spronser Seen - eine Gruppe von neun tiefgrünen Seen in alpinen Höhen von bis zu rund 2500 Metern.

25 Kilometer lang ist das von steilen Seitenhängen eingerahmte Schnalstal. Hauptsiedlungen sind Karthaus mit dem Kreuzgang eines ehemaligen Kartäuserklosters sowie das idyllisch gelegene Katharinaberg. Eine stattliche Zwiebelturmkirche prägt das Bild im Marienwallfahrtsort Unser Frau in Schnals. Die Gemeinde Vernagt liegt am gleichnamigen Stausee - und am Talschluss Kurzras, ein Wintersportort mit all seinen modernen Begleiterscheinungen. In nur sechs Minuten bringt eine Gletscherbahn Wintersportfans auf ein Ganzjahresskigebiet in 3200 Meter Höhe.

 Ultental im Süden von Meran: Am Taleingang finden sich Weinberge, am Ende die Gletscher der Dreitausender Eismann Ötzi: 1991 wurde die berühmt gewordene Mumie in einer Felsmulde hoch in den Bergen über Meran gefunden Wandern auf Waalwegen: Entlang der kilometerlangen Bewässerungssysteme zwischen Obstwiesen und Weingärten

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Das Pfossental, ein ursprüngliches Seitental des Schnalstales, ist reich an Wildtieren. Doch Gemsen, Rehe und Murmeltiere suchen zumindest in der Hauptsaison im Laufe des Morgens das Weite. Die Schönheit des Tals ist längst kein Geheimnis mehr - und so kommt hier wie sonst nur selten in Südtirol eine Ahnung auf, was Massentourismus ist. Von einem Parkplatz in rund 1700 Meter Höhe wandern vor allem an Wochenenden Heerscharen von Urlaubern zu den Almen inmitten der Berglandschaft der Texelgruppe hinauf. Doch mit jeder Almhütte, die der Wanderer links liegen lässt, wird es auf dem Bergweg wieder leerer - und beim Übergang zur Stettiner Hütte wird es wieder einsam in den Bergen.

Der wohl berühmteste Wandersmann der Region wurde im September 1991 von einem Paar aus Nürnberg entdeckt. Eine mumifizierte Leiche lag in einer mit Gletschereis und Schmelzwasser gefüllten Felsmulde in rund 3200 Meter Höhe. Der grausige Fund samt Kleidung und Ausrüstung entpuppte sich als archäologische Sensation: Vor mehr als 5000 Jahren war "Ötzi", der inzwischen im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen eine neue Bleibe gefunden hat, in den eisigen Höhen ums Leben gekommen. Bergführer weisen Wanderern den Weg zur Fundstelle des Mannes aus dem Eis. Rund sieben Stunden dauert die hochalpine Tour, die zwar nicht sehr schwierig ist, aber einiges an Kondition verlangt.

Silberbergwerk am Schneeberg

Spaß ohne große Anstrengung versprechen Wanderungen auf den so genannten Waalwegen rund um Meran: Entlang der kilometerlangen Bewässerungssysteme zwischen Obstwiesen und Weingärten können Spaziergänger das mediterrane Flair genießen, selbst im Hochsommer spenden Laubbäume vielerorts genug Schatten. Wer trotz der eher geringen Anforderungen auf Jausenstationen hofft, wird bei den Waalwegen fast überall genügend Möglichkeiten zur Einkehr finden.

Mit dem Auto auch nicht viel mehr als ein Katzensprung ist der Abstecher ins Passeiertal: Hauptort ist St. Leonhard in Passeier auf knapp 700 Meter Höhe, gerade 20 Kilometer von Meran entfernt. In dem an Naturschönheiten reichen Passeiertal liegt das Bergwerk Schneeberg. Hier wurden seit dem 13. Jahrhundert Silber, später auch Zink und Blei abgebaut, erst 1969 wurde das Bergwerk stillgelegt. St. Martin am Schneeberg, das höchstgelegene Knappendorf Europas auf 2355 Metern, ist teilweise noch erhalten. Hier gibt es auch ein kleines Bergbaumuseum.

Meraner Höhenweg um die Texelgruppe

Das im Süden Merans gelegene Ultental gilt vielen als Sinnbild der Vielfalt der Region: Am Taleingang locken Weinberge, am Ende die Gletscher der Dreitausender. Wanderwege von rund 600 Kilometer Gesamtlänge durchziehen das bäuerliche Tal. Auf einer leichten Rundwanderung vom Weißbrunner See aus kann das Panorama dieser Hochgebirgsidylle in vollen Zügen genossen werden kann.

Wer alle zwischen leichtem Spaziergang und hochalpinem Bergwandern von der Natur dargebotenen Schönheiten erleben will, der kann sich auch auf den Meraner Höhenweg begeben. Dieser Weg der Gegensätze zieht sich rund 80 Kilometer lang in einem großen Kreis um die Texelgruppe herum. Der tiefste Punkt des Höhenwegs liegt bei gerade 800, der höchste bei knapp 2900 Metern. Die mehrtägige Wanderung erfordert bei Etappen von bis zu sieben Stunden einiges an Kondition und Ausdauer. Doch auch hier ist fast alles möglich: In jeder Etappe können Wanderer den Einstieg wagen - und den Ausstieg.

Von Michael Fox, gms



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