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23. März 2007, 06:00 Uhr

Messner Mountain Museum

Mit dem Schuh des toten Bruders

Der Mensch und die Berge – Reinhold Messner hat das Thema seines Lebens zum Motto seiner bald fünf Museen in Südtirol gemacht. Zu sehen ist ein Sammelsurium für Bergfexe: Buddha-Statuen und Gebetsmühlen, Fotoausstellungen und Expeditionsausrüstungen.

Bozen - In den meisten Museen wandelt der Besucher von Bild zu Exponat und steht doch ständig herum. Im Messner Mountain Museum Firmian ist das anders: Besucher laufen Treppen rauf und runter, besteigen Jahrhunderte alte Burgtürme, gehen über Wiesen und Brücken. Wer alle Türme erklommen, alle Gebäude durchschritten und den Rundgang durch die 1100 Quadratmeter große Anlage gemacht hat, kommt richtig aus der Puste. Kein Wunder, denn in diesem Museum überwinden Besucher mehrere hundert Höhenmeter.

Firmian wurde im Juni 2006 eröffnet. Es ist das Herzstück des Messner Mountain Museums, zu dem Schloss Juval, Ortles und Dolomites auf dem 2183 Meter hohen Monte Rite gehören. Bald sollen insgesamt fünf Bergmuseen zu dem Projekt gehören. Das neue Museum bei Bozen liegt in der alten Festungsanlage Schloss Sigmundskron. "Es ist eines der Projekte, bei dem ich aus Ideen Tatsachen gemacht habe", sagt Extrembergsteiger Reinhold Messner. "Ich habe zehn Jahre meines Lebens in diesen Umbau investiert."

In Firmian setzte der Architekt Werner Tscholl aus Südtirol unter anderem rostroten Stahl und Glas ein. Die alten Gemäuer selbst wurden nicht verändert - Messner und die Besucher sind nur Gast in der historischen Stätte. Nach 30 Jahren - dann läuft Messners Pachtvertrag aus - kann die Stahl- und Glaskonstruktion in den Türmen und Gebäuden wieder abmontiert werden. "Das kann man alles wieder rausschrauben", erklärt der 62-jährige Bergsteiger und Grenzgänger.

Umrundung des "heiligen Bergs"

Aber bis dahin können Besucher in der Art Galery Wechselausstellungen sehen. In einem Rondell im Norden der Anlage gibt es eine Schau über Religionsstifter aus den Bergen. In einem anderen Gebäude stehen Buddhastatuen und auch eine tibetanische Gebetsmühle. Außerdem gibt es Ausstellungsräume über die Besteigungsgeschichte der Berge, über die Achttausender, über Höhlen und Kristalle. Dazwischen hängen Gemälde und Skizzen von Bergen, sind Schneeanzüge und Expeditionsausrüstungen von Messner und Kollegen ausgestellt.

In einem nur wenige Quadratmeter großen Raum hängen Schwarz-Weiß-Aufnahmen von tödlich verunglückten Bergsteigern. In der Mitte des Raumes steht der Schuh von Reinhold Messners Bruder Günther in einer Glasvitrine. Günther Messner war 1970 am Naga Parbat im Himalaja ums Leben gekommen. Der Museums-Parcours führt den Besucher auch um einen "heiligen Berg". Die Umrundung des heiligen Berges nennt man in Tibet Kora, und so eine Kora integrierte Messner auch in Firmian - eine zerfallene Kapelle auf dem Gipfel des Schlossberges. Sie ist tabu, kann nicht besucht werden, genauso wie der Gipfel des Heiligen Berg Kailash in Tibet.

Dass es in dem Erlebnisraum MMM Firmian nicht so sehr um Wissensvermittlung, sondern um Gefühle, um die Beziehung zwischen Mensch und Berg geht, zeigen die vielen Zitate an den Wänden und Türen. Sie stammen von internationalen Philosophen, Bergsteigern und Denkern. "Die Menschen sollen sich hier ein Bild machen, das über die Postkartenidee hinausgeht", erklärt Messner.

Von Claudia Steiner, gms

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