Mitflugzentralen Teures Panorama

Mitfahrzentralen haben sich bewährt. Der erfolgreiche Trend ist nun auch auf das Fliegen übergesprungen. Inzwischen gibt es Mitflugzentralen. Mit kleinen Maschinen geht es vom nahe gelegenen Flugplatz direkt zum gewünschten Ziel.

Von Niels Gründel


Wie auch bei den Mitfahrzentralen stellen die Mitflugzentralen den Kontakt zwischen Pilot und Fluggast her. Die Piloten sind dabei fast ausschließlich begeisterte Hobbyflieger, die aus Spaß an der Freude lediglich das Interesse haben, ihre Kosten zu teilen, in dem einen oder anderen Fall auch ganz zu decken. Um Profit geht es nicht.

Mitflugzentralen: Kontakt zwischen Pilot und Fluggast
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Mitflugzentralen: Kontakt zwischen Pilot und Fluggast

Geflogen wird mit einmotorigen Maschinen: Cessna, Cirrus, Piper und allem, was sich sonst in die Lüfte erhebt. Geflogen wird oftmals nur bei schönem Wetter, dafür verwirklicht sich aber bei bester Sicht fast selbstverständlich der alte Menschheitstraum vom Fliegen. Der ist den Reisenden in modernen Verkehrsflugzeugen längst abhanden gekommen: Dort fliegt man seinem Reisziel häufig viele Stunden entgegen, schaut nur gelegentlich aus dem Fenster, falls man überhaupt einen Fensterplatz erhalten hat, und versucht, die Langeweile mit Bordfernsehen und Zeitschriften zu vertreiben.

Ganz anders dagegen der Flug mit einem "Privat-Jet": Als Einzelgast sitzt man dann oft als Copilot im Cockpit und kann während des gesamten Fluges das Panorama besonders gut genießen. Derartiges wie einen Check-in-Schalter oder die Gepäckausgabe gibt es nicht, und so entfallen die lästigen Wartezeiten am Boden. Verzicht üben muss der Fluggast allerdings, was den Bordservice betrifft. Für die Verpflegung muss man selbst sorgen.

Von Vorteil ist in jedem Fall, dass die Hobbypiloten von fast jedem noch so kleinen Flugplatz aus abheben und auf ebenso kleinen Flugfeldern landen können. So können Privat- und Geschäftsreisende praktisch jedes Ziel mit einem Flugplatz anfliegen. Wegen der Reichweite beschränken sich die Flugziele aber zumeist auf innerdeutsche Flughäfen oder Flüge ins nahe Ausland. Eine Alternative zu den Angeboten der Ferienflieger bieten die Mitflugzentralen also nicht. Auch aus einem anderen Grund: Fliegen ist ein teurer Spaß. Ein Liter Kerosin kostet drei Mark und eine Flugstunde je nach Flugzeug rund 300 Mark.

Für Einzelreisende lohnt das Mitfliegen nur selten. Einen Teil der Preisgestaltung machen vor allem die Start- und Landegebühren aus. An Verkehrsflughäfen rechnet man mit 120 bis 400 Mark, an kleineren Flugplätzen dagegen muss man dagegen lediglich 15 bis 30 Mark veranschlagen. Bei vielen Anbietern werden diese Kosten pauschal über die Flugzeit oder die Kilometerpauschale abgerechnet.

Beim ältesten Verkehrslandeplatz Deutschlands in Bonn-Hangelar vermittelt Marlene Seibert Mitfluggelegenheiten. 98 Prozent der Anrufer buchen jedoch nur einen lokalen Rundflug. Ansonsten stimmen die Routen der Piloten mit den Wünschen der Fluggäste nur selten überein, und auch nicht jeder Pilot möchte mit einem Gast in die Luft gehen. Hin und wieder fragen auch Firmen an, die möglichst schnell eine Luftfrachtbeförderung buchen wollen. Vermittelt werden von Marlene Seibert nur erfahrene Flieger. Piloten, die noch einige Flugstunden für die Verlängerung ihres Pilotenscheins benötigen, haben keine Chance.

In Hamburg vermittelt die Mitflug-Centrale, Teil des Reisebüros Fairlines, zwischen Pilot und Fluggast. Bundesweite Mitfluggelegenheiten vermittelt auch die Mitflugzentrale Jahncke Reisen GmbH. Die meisten Flüge im hessischen Raum starten vom Flugplatz Egelsbach in unmittelbarer Nähe des Rhein-Main-Airports in Frankfurt/Main. Durchschnittlich betragen hier die Kosten 30 Mark je geflogenen 100 Kilometer. "Die meisten Kunden verbinden den Spaß am Fliegen mit der Buchung eines Privatfluges bei uns", so Büroleiter René Leiber, "doch die Nachfrage ist riesig, und wir können uns vor Anfragen kaum retten. Vor allem die Strecke nach Berlin ist der Renner, Flüge ins nahe Ausland werden uns dagegen nur sehr selten gemeldet."

Im Internet jedoch sind die Angebote noch sehr zaghaft vertreten. Das umfangreichste Angebot bietet die Mitflugzentrale. Dort können Piloten ihre Flugdaten in einer Datenbank ablegen und die Fluggäste ebenso leicht ihre Wünsche eintragen. Die Kontaktaufnahme erfolgt direkt zwischen Pilot und Fluggast via E-mail oder Telefon. Die Mitflugzentrale enthält Angebote von Hobbypiloten ebenso wie von Airbus-Angestellten, die zum Wochenende regelmäßig von der Werft in Hamburg-Finkenwerder Heim fliegen.

Wer also Spaß am Fliegen hat, wem das Ziel egal ist oder wenn es nicht genau auf einen Tag ankommt, für den gibt es jederzeit ein Angebot.



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