Mountainbiken im Vinschgau Die Suche nach dem perfekten Trail

Bergab mit vielen Kehren oder über Felsen und Geröll: "Traildoctor" Gabriel Tappeiner baut und pflegt rund um den Südtiroler Ort Latsch Abfahrten für Mountainbiker. Seinen Lieblings-Trail gibt es noch nicht.

Stefan Herbke/ SRT

Von Stefan Herbke


Der perfekte Trail? Da muss Gabriel Tappeiner nicht lange überlegen: "Für mich ist das eine Mischung aus technisch anspruchsvollen Stellen und dann auch wieder Passagen, an denen man es laufen lassen kann." Der Vinschgauer mit dem auffallend roten Bart ist seit vielen Jahren begeisterter Mountainbiker und hat aus seinem Hobby einen Beruf gemacht.

"In erster Linie bin ich Bio-Apfelbauer in Latsch auf dem elterlichen Betrieb", erzählt er, "doch als zweites Standbein habe ich mir den Bereich Trailpflege und -bau aufgehalst". Und in dieser Eigenschaft pflegt er seit einigen Jahren viele Vinschgauer Mountainbike- und Wanderpfade.

"Wir haben das schon früher als Sommerjob für den Tourismusverein gemacht, 2015 habe ich dann die Traildoctors gegründet", sagt er. Nun kümmere er sich mit ein paar Mitarbeitern um die Instandhaltung und den Neubau der Wege im Gebiet der Gemeinde Latsch.

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Vinschgau: Biker, es geht abwärts!

Zu tun gibt es genug, schließlich müssen dort 175 Kilometer Wanderwege und 75 Kilometer beschilderte Singletrails betreut werden, also schmale Pfade für die Geländeradler.

"Entlang der Wege müssen wir regelmäßig mähen, die Sträucher zurückschneiden, und nach Unwettern oder starken Regenfällen säubern wir die Wasserrinnen und räumen umgefallene Bäume aus dem Weg", sagt Gabriel. Auf den Trails bessern die Traildoctors regelmäßig die Kurven aus und füllen die Bremslöcher und -rillen wieder auf.

Der gute Zustand der Wege hat sich in den vergangenen Jahren in der Szene herumgesprochen. "Früher sind wir auf Wanderwegen rumgefahren", erinnert sich Gabriel. Dann entdeckten immer mehr Mountainbiker den Vinschgau für sich. "So kam der Wunsch nach separaten Wegen auf."

Wobei es immer noch viele Strecken gibt, die von Wanderern und Bikern gemeinsam genutzt werden. "Verbotsschilder gibt es nur wenige", fasst Gabriel die Politik des Miteinanders im Vinschgau zusammen, "wir versuchen zu lenken und nicht zu verbieten - das funktioniert im Allgemeinen ganz gut".

Ein Bikeshuttle zum Trailbeginn

Zu den ersten, eigens für Biker angelegten Wegen zählen der 7,2 Kilometer lange Montesole Trail von St. Martin im Kofel bis nach Tiss und der Holy Hansen Trail oberhalb von Schlanders. Beim Bau modelliert Gabriel die Strecke mithilfe eines Minibaggers grob vor, der Rest wird in Handarbeit ausgeformt. Eine Vorgabe für den im Frühjahr 2015 gebauten Propain Trail am Sonnenberg oberhalb von Schlanders lautete, dass er fahrbar für Anfänger und interessant für Fortgeschrittene sein sollte.

Herausgekommen ist ein extrem flowiger Trail - also eine relativ ebene und einfach zu befahrende Abfahrt ohne Stein- oder Wurzelfelder - mit vielen Kehren, was nicht jedem passt. "Die einen motzen über die 'Murmelbahn'", sagt Gabriel, andere meinen: "Passt die Fahrtechnik dem Trail an, nicht den Trail der Fahrtechnik." Man kann es eben nicht jedem recht machen. "Einige Kurven sind recht eng", erklärt der Traildoctor, "aber das wurde bewusst gemacht, um Tempo rauszunehmen".

Wie so oft im Vinschgau geht das Bergauf auch beim Propain Trail ganz bequem mit dem Bikeshuttle: einfach das Rad auf den Anhänger und im Transporter Platz nehmen. Oder der Beginn der Abfahrt wird konditionell anstrengend über eine steile Straße erreicht. Außerdem ist der Trail wie alle der mittlerweile mehr als 80 Strecken im Vinschgau einheitlich ausgeschildert, wobei die Schwierigkeit oft zu niedrig eingestuft wird.

Der Montesole Trail zum Beispiel wird mit dem Level S2 der Singletrail-Skala bewertet, die von S0 (leicht) bis S5 (schwer) reicht. Durch Erosion und die vielen Biker waren einige Passagen in den vergangenen Jahren jedoch deutlich schwerer geworden. Die Veränderung durch die Nutzung gibt auch Gabriel zu: "Der Montesole war eine unserer ersten Trailbaumaßnahmen im Vinschgau", den Trail hätten sie zu steil angelegt.

Daher wurde der Trail im Sommer 2017 aufwendig saniert, die ganz steilen Stellen bekamen eine leichtere Umfahrung. Auf der Suche nach dem perfekten Trail musste Gabriel aber auch hier Abstriche machen: "Die Natur gibt dir ja gewisse Sachen vor - wo nur Steine sind, kann ich keinen glatten, flowigen Trail hinzaubern." Außerdem ist es am Sonnenberg staubtrocken, "da wird die Erde pulverisiert, und wenn's mal regnet, dann schwemmt es das ganze Material weg".

Das aber passiert selten, denn "das Tolle am Vinschgau ist das schöne Wetter", wirbt Gabriel für seinen Heimatspot, "und natürlich die Vielfalt an Trails. Es geht hinauf bis ins Hochalpine am Stilfser Joch, am Sonnenberg kannst du bis Ende November biken, und je nach Schneelage geht's dort spätestens im März wieder los. Die Nordhänge mit Schatten sind ideal für heiße Sommertage, und es gibt immer wieder Einkehrmöglichkeiten."

Nur den einen, den perfekten Trail gibt's im Vinschgau noch nicht: "Der Holy Hansen in Schlanders kommt dem schon nahe", sagt Gabriel, "doch meinen absoluten Lieblingstrail suche ich noch, den möchte ich noch bauen".

Stefan Herbke ist Autor des Journalistenbüros srt und recherchierte mit Unterstützung der Gästeinformation Vinschgau.



insgesamt 18 Beiträge
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hrboedefeld 28.05.2019
1. Die Region hat den Tourismus verstanden!
in Baden-Württemberg ist hingegen Radfahren nur auf Wegen erlaubt, welche breiter als zwei Meter sind. Grund hierfür sind die Wandervereine. Ich hatte allerdings in 30 Jahren Mountainbiken noch nie Probleme mit Wanderern, außer in Baden-Württemberg. Und gerade Alb und Schwarzwald haben echt Potenzial. Aber hier werden Regeln von Rentnern für Rentner gemacht und weiterdenken und den Tourismus ankurbeln um die Region attraktiver zu machen ist nicht drin. Wenn dann aber alle jungen Leute weg ziehen wird nur gejammert, statt nachgedacht...
Papazaca 28.05.2019
2. Gemischte Gefühle eines Mountainbikers
Schöner Beitrag. Trotzdem habe ich zu einigen Dingen eine explizit andere Meinung. Mir gefällt die Natur, so wie sie ist. Präparierte Trails gefallen mir grundsätzlich nicht. Das ist was anderes in einem Bikepark. Und raufkarren muß mich auch niemand, weder per Auto noch via Seilbahn. Und Wege sollte beide, Biker und Wanderer gemeinsam nutzen und auch die nötige Rücksicht üben. Das Vinschgau ist wirklich schön, habe mich öfters das Stifters Joch hochgequält mit seinen gefühlten 100 Kehren. Und hatte auch zweimal oben Schnee. Die Abfahrt nach Bormio ist dann superlang. Aber mir ist klar, das ich mit meiner Meinung wahrscheinlich nicht für viele Mountainbiker spreche. Aber wenn ich schon Minibagger lese ... Trails reparieren und pflegen, ok. Gefährliche Stellen entschärfen geht auch noch. Aber die Natur verschönbessern, NÖ. Aber vielleicht bin ich einfach nur ein alter, konservativer Sack und habe es nur noch nicht gemerkt ...
lock_vogell 28.05.2019
3.
Zitat von hrboedefeldin Baden-Württemberg ist hingegen Radfahren nur auf Wegen erlaubt, welche breiter als zwei Meter sind. Grund hierfür sind die Wandervereine. Ich hatte allerdings in 30 Jahren Mountainbiken noch nie Probleme mit Wanderern, außer in Baden-Württemberg. Und gerade Alb und Schwarzwald haben echt Potenzial. Aber hier werden Regeln von Rentnern für Rentner gemacht und weiterdenken und den Tourismus ankurbeln um die Region attraktiver zu machen ist nicht drin. Wenn dann aber alle jungen Leute weg ziehen wird nur gejammert, statt nachgedacht...
ich habe das gefühl, dass das ein allgemein deutsches problem ist. mit ganz wenigen ausnahmen (vielleicht der eifel und dem sauerland?O_o), ist es doch genauso wie du es beschrieben hast, radfahren nur auf wegen die breiter als 2m sind und blos nirgends zu schnell fahren. bei uns im rheinland wurde schon mehrfach versucht in absprache mit den gemeinden richtige ausgeschilderte trails zu bauen, die sogar von den ansässigen vereinen in eigenregie gepflegt werden sollten... es ist immer an der angeblichen nichtvereinbarkeit mit dem naturschutz gescheitert... aber 100erte wanderer und hundehalter sind kein problem für die nichtmehr vorhandene fauna... O_o
Papazaca 28.05.2019
4. Kurze Anmerkung: Der Odenwald als positives Beispiel
Zitat von hrboedefeldin Baden-Württemberg ist hingegen Radfahren nur auf Wegen erlaubt, welche breiter als zwei Meter sind. Grund hierfür sind die Wandervereine. Ich hatte allerdings in 30 Jahren Mountainbiken noch nie Probleme mit Wanderern, außer in Baden-Württemberg. Und gerade Alb und Schwarzwald haben echt Potenzial. Aber hier werden Regeln von Rentnern für Rentner gemacht und weiterdenken und den Tourismus ankurbeln um die Region attraktiver zu machen ist nicht drin. Wenn dann aber alle jungen Leute weg ziehen wird nur gejammert, statt nachgedacht...
Diese zwei Meter Regelung in BW finde ich auch nicht gut. Aber jetzt zu folgern, alles wäre schlecht in Deutschland, stimmt einfach nicht. Im Odenwald gibt es jede Menge MTB-Strecken, ausgeschildert, schwer, mittel, leicht, so, glaube ich um die 40 Trails(?). Und es klappt ganz gut mit den Wanderern. Siehe Infos Geo Naturpark Odenwald o.ä. Übrigens ist in der Regel auf existierende Wege zurückgegriffen worden. Minibagger waren eher nicht im Einsatz ...lach ....
rheuma-kai 28.05.2019
5. Ich kann das mit der Regulierung durchaus verstehen
Es muss ja nicht gleich eine 2m Regelung sein, aber Regelungen scheinen teilweise unumgänglich zu sein. Denn einige meinen halt, mit ihrem sündhaft teuren Sportgerät unbedingt jeden noch so schmalen Bergpfad hoch - bzw. runterreiten zu müssen und dabei teilweise die Wege zu beschädigen und Wanderer zu nötigen, beiseite zu springen. Ist mir selbst schon passiert. Wegen dieser Unbelehrbaren wehren sich dann natürlich die Wandervereine, und es kommt dann zu Einschränkungen. Es gibt andererseits natürlich auch "Wanderer", die Idioten sind und z.B. überall ihren Müll hinterlassen, das ist auch richtig. Aber das ist trotzdem kein Argument. Wenn jeder auf den anderen etwas Rücksicht nimmt, funktioniert es ja normalerweise auch gut. Nur bei manchen Pfaden möchte ich nicht alle paar Minuten in die Büsche srpingen, weil wieder ein Mountainbiker vorbeikommt. Eine Auszeichnung der Strecken, die aus Naturschutz- oder anderen Gründen nicht Mountainbike-geeignet sind auf den entsprechenden Map-Sourcen, wäre hier evtl. eine gute Alternative.
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