Nachbarstreit an der Adria Kroatien will Bosnien-Herzegowina überbrücken

Wer per Auto nach Dubrovnik will, der muss mitten in Kroatien über bosnisches Staatsgebiet. Der kleine Küstenstreifen ist ein Flaschenhals für Urlauber und Zankapfel zwischen den Nachbarn. Eine Brücke soll Entlastung schaffen - hoffen die Kroaten.

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Zagreb/Neum - Kroatien ist seit langem zweigeteilt. An der Adria gehört ein etwa 20 Kilometer langer Küstenstreifen zu Bosnien-Herzegowina. Für viele Urlauber aus Deutschland, Österreich und Tschechien heißt das: Sie müssen von Norden kommend bei der Ortschaft Klek aus Kroatien aus- und weniger als zehn Kilometer Küstenstraße weiter wieder einreisen. Die Folge: Staus und Wut - und das nicht nur bei Touristen.

Durch den Beitritt Kroatiens zur EU am 1. Juli hat die Union dieses Problem geerbt - und es droht zum Dauerstreitthema zu werden. Jetzt ist auch das Unionsgebiet zweigeteilt: ein Riesenteil im Norden - und ein winziger kleiner Teil im Süden Kroatiens mit Dubrovnik. Die Urlauberhochburg ist mit 25.000 Besuchern am Tag so beliebt, dass eine Bürgerinitiative sich schon beschwert: Die Touristen würden den Ort im Hochsommer regelrecht besetzt halten.

Die Bewohner Dubrovniks und die rund 120.000 Einwohner im gesamten Südabschnitt klagen seit langem, dass sie nicht durchgehend an das Straßennetz Kroatiens und damit der EU angeschlossen sind. In diesem Winter soll auch noch der wöchentliche Flug nach Frankfurt gestrichen werden.

Im Oktober 2007 begann die kroatische Regierung mit dem Bau einer Brücke auf die Halbinsel Peljesac. Mit diesem Trick sollte der bosnische Korridor bei der Stadt Neum umfahren werden. Freie Fahrt für Einheimische und Urlauber, lautete die Devise. Doch das Milliardenprojekt übersteigt die Möglichkeiten von Kroatien. 2010 wurden die Arbeiten eingestellt. Nach dem EU-Beitritt hoffen die Unterstützer der Brückenidee - das sind große Teile der Bevölkerung - auf finanzielle Unterstützung durch Brüssel.

Bosnien will freien Zugang zur Adria

Bereits wenige Wochen nach ihrem Einzug ins Europaparlament haben kroatische Abgeordnete bei der EU-Kommission für das Projekt geworben. Nach Darstellung von Außenministerin Vesna Pusic steht die Kommission nach einer ersten Machbarkeitsstudie der 2,4 Kilometer langen und 21 Meter breiten Brücke recht positiv gegenüber. Und auch die Brückenfans vor Ort verleihen ihrer Forderung Nachdruck: Einmal im Jahr bilden sie eine Bootskette vom Festland auf die Halbinsel Peljesac.

Sturm gegen das Projekt läuft dagegen Bosnien-Herzegowina. Zwar weigert sich der Bürgermeister von Neum, Zivko Matusko, hartnäckig, mit Journalisten zu sprechen. In der Hauptstadt Sarajevo wird dafür aber umso lauter geklagt: Eine Brücke würde Bosnien den international garantierten Zugang zum offenen Meer versperren - immerhin liegt vor Neum der einzige, nur zehn Kilometer lange Küstenabschnitt. Daneben sei die Brücke durch Wind und Erdbeben gefährdet. Hinter vorgehaltener Hand wird der Widerstand mit den Worten begründet: "Wir werden zur Sackgasse, zum unbedeutenden Wurmfortsatz."

In Kroatien sind mittlerweile auch die letzten Brückenskeptiker überzeugt. "Ich war einer der größten Gegner dieses Projekts, aber jetzt haben sich die Dinge so geändert, dass ich für die Peljesac-Brücke bin", sagt Kroatiens Regierungschef Zoran Milanovic. Ein kroatisches Ingenieurbüro hat noch eine andere Idee: Es schlägt statt einer Brücke den Bau eines Tunnels vor. Das sei mit 78 Millionen Euro deutlich billiger.

Thomas Brey/dpa/lei

insgesamt 28 Beiträge
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reflektionist 09.08.2013
1. Mal sehn, wann sich dieses Balkan-Volk
wieder mit Kalaschnikows gegenüber steht. Eine Brücke ist doch als Begründung allemal ausreichend...
luru66 09.08.2013
2. Die Kleinstaaterei...
Zitat von sysopGetty ImagesWer per Auto nach Dubrovnik will, der muss mitten in Kroatien über bosnisches Staatsgebiet. Der kleine Küstenstreifen ist ein Flaschenhals für Urlauber und Zankapfel zwischen den Nachbarn. Eine Brücke soll Entlastung schaffen - hoffen die Kroaten. http://www.spiegel.de/reise/europa/nachbarstreit-kroatien-will-bosnien-herzegowina-ueberbruecken-a-915648.html
...auf dem Balkan hätten die EU-Staaten niemals anerkennen dürfen. Kroatien beispielsweise war vor 1000 Jahren das letzte Mal für kurze Zeit selbständig, warum muss es dass jetzt mit aller militärischen Brachialität wieder sein? Der bosnische Flaschenhals ist ein kafkaeskes Unikum. Nun holt sich die EU auch noch mit der Mitgliedschaft von Slowenien und Kroatien die Probleme an den Hals. 120.000 Menschen (Einwohnerzahl wie z.B. Göttingen) in der Dubrovniker Gegend spielen sich zum europäischen Politikum auf.
ja.nee.is.klar 09.08.2013
3. Wer hat die bloß in die EU gelassen
In Kroatien sind mittlerweile auch die letzten Brückenskeptiker überzeugt. "Ich war einer der größten Gegner dieses Projekts, aber jetzt haben sich die Dinge so geändert, dass ich für die Peljesac-Brücke bin", sagt Kroatiens Regierungschef Zoran Milanovic. Na klar... jetzt wo die EU die blöde Brücke zahlen kann Selber haben sie NULL Kohle, aber wir deutschen werden denen ihre Brücke auch noch finanzieren. Nur erstmal muss der Kaufvertrag mit Griechenland abgeschlossen sein
marco_zentgraf 09.08.2013
4. Aus Touristensicht...
...fand ich Neum (ganz schön hässliche Stadt, übrigens) nicht weiter tragisch bei der Anfahrt. Billigst Benzin und Zigaretten :-) Zeit gekostet hatte es auch nie... (aber Juni bzw. September).
Stäffelesrutscher 09.08.2013
5.
Das hat man davon, wenn man einen Krieg gegen den eigenen Staat (Jugoslawien) vom Zaun bricht.
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