Appell an DB und ÖBB Ministerin Barley verlangt schnelle Lösung bei Nachtzug-Tickets

Die neue Verbraucherschutzministerin Barley kritisiert die Einschränkung von Fahrgastrechten bei Nachtzügen. Deutsche Bahn und ÖBB sollten "schnellstmöglich eine Lösung im Sinne der Reisenden" finden.
Katarina Barley

Katarina Barley

Foto: Kay Nietfeld/ dpa

Aus der Bundesregierung kommt Kritik an der neuen Regelung für Nachtzug-Tickets, bei denen Fahrgastrechte eingeschränkt werden. "Ich appelliere an die Deutsche Bahn AG und die ÖBB, schnellstmöglich eine Lösung im Sinne der Reisenden zu finden", sagte die neue Verbraucherschutzministerin Katarina Barley (SPD) dem SPIEGEL. Eine enge Zusammenarbeit sollte im Interesse aller europäischen Eisenbahnunternehmen sein. "Nicht zuletzt hängt davon auch die Attraktivität der Eisenbahn für die Reisenden ab", sagte Barley.

Die Deutsche Bahn (DB) hat ihren Nacht- und Autoreisezugbetrieb eingestellt und an die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) übertragen. Mit ihr hat die DB kürzlich ausgehandelt, dass nach dem 9. Juni 2018 nur noch ÖBB-Tickets in Nachtzügen gelten. Bis dato waren auch Deutsche-Bahn-Tickets gültig. Wer zwischen DB- und ÖBB-Zügen umsteigen möchte, erhält damit künftig zwei Tickets statt wie bisher eines und verliert so einen Teil seiner Fahrgastrechte. Das ist zum Beispiel relevant, wenn der Fahrgast seinen Anschlusszug verpasst, weil der erste Zug Verspätung hat.

Die Deutsche Bahn bezeichnete ein solches Szenario als "seltenen Fall". Die DB und ÖBB seien für solche Fälle "zu einer kundenfreundlichen Kulanzregelung" in Gesprächen, teilte der Konzern mit.

ÖBB-Nachtzug

ÖBB-Nachtzug

Foto: ÖBB/Wegscheider

Kritik kam neben der Regierung auch von der Opposition im Bundestag. "Zugfahren sollte kein Roulettespiel sein - deshalb haben wir ja die Fahrgastrechte", sagte der bahnpolitische Sprecher der Grünen, Matthias Gastel. Indem die Reisekette in Teilstrecken aufgeteilt wird, umgingen DB und ÖBB die Fahrgastrechte der Europäischen Union, so der Politiker.

Das Bündnis "Bahn für alle" sprach von einer "kundenfeindlichen Verschlechterung". "Damit wird der Nachtzug gegenüber dem ohnehin schon hoch subventionierten Luftverkehr noch unattraktiver gemacht", sagte Bündnis-Sprecher Bernhard Knierim.

Hintergrund der neuen Regelung ist, dass die Deutsche Bahn 2016 alle Nachtzugverbindungen eingestellt hat. Die ÖBB übernahmen daraufhin im Dezember 2016 rund die Hälfte der Nachtzugstrecken, etwa von Hamburg nach Zürich oder Düsseldorf nach Innsbruck. Kunden können die ÖBB-Tickets auch zukünftig bei der Deutschen Bahn (DB) kaufen, etwa auf der DB-Website oder am Schalter im Reisezentrum. BahnCard-Kunden erhalten gestaffelte Rabatte.

EU scheut strenge Regeln

Auch die EU-Kommission hat in einer Analyse des Eisenbahnmarktes  bereits festgestellt, dass sogenannte Durchgangsfahrkarten nur "in begrenztem Umfang angeboten" würden. "Wenn Eisenbahnunternehmen lediglich Fahrkarten für einzelne Fahrtabschnitte anbieten, können sie Verpflichtungen in Bezug auf Entschädigungen, anderweitige Beförderung und Hilfeleistungen umgehen", heißt es darin.

Allerdings scheut man sich in Brüssel bisher, die Eisenbahnunternehmen zu durchgehenden Fahrkarten zu verpflichten. Auch in einem neuen Entwurf für die Fahrgastrechte-Verordnung, der derzeit diskutiert wird, sollen die Unternehmen sich lediglich "nach besten Kräften" bemühen, solche Tickets anzubieten.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.