Wandern in Paklenica: Wegen seiner tiefen Abgründe heißt der Nationalpark »kleine Hölle«
Wandern in Paklenica: Wegen seiner tiefen Abgründe heißt der Nationalpark »kleine Hölle«
Foto: Péter Cziczlavicz / EyeEm / Getty Images

Naturparadiese in Kroatien Auf zur Hölle mit euch!

Für viele Adria-Urlauber ist Norddalmatien nur eine Durchgangsstation auf dem Weg in den Süden. Ein Riesenfehler, besonders jetzt im Herbst. Fünf Tipps für Naturfans.
Von Claus Hecking

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Die meisten Touristen, die diesen Herbst nach Kroatien kommen, fahren weit gen Süden: Um die letzten Sonnenstrahlen einzufangen und vielleicht sogar noch einmal im Meer zu baden.

Dabei hat Kroatien mehr zu bieten als nur Strand und Meer. Gerade im Herbst. Fünf National- und Naturparks ballen sich rund um Zadar in Norddalmatien. Die Hafenstadt mit ihren 75.000 Einwohnern steht seit jeher im Schatten von Dubrovnik oder Split. Norddalmatien ist für viele ausländische Urlauberinnen und Urlauber bloß Durchgangsstation. Eben weil es der Region an berühmten Badeorten mangelt. Nicht aber an Naturschönheiten. Wir stellen fünf von ihnen vor:

Jede Menge Wasser: der Krka-Nationalpark

Wasserspiele im Krka-National Park

Wasserspiele im Krka-National Park

Foto: Moonstone Images / iStockphoto/ Getty Images

»Wir haben hier keine Industrie, aber wir haben jede Menge Wasser«, sagt Nikolina Lucic: »Wasser ist unser Schatz.«

Lucic, 45, wurde als Tochter kroatischer Gastarbeiter im Rheinland geboren. Seit 19 Jahren führt sie Touristinnen und Touristen durch den Krka-Nationalpark , zeigt ihnen die sieben großen Fälle und die vielen kleinen Naturschauspiele wie etwa die Schwärme aus Hunderten winziger Fische, die sich in kleinen Becken zwischen den einzelnen Kaskaden tummeln. Aber nicht einmal sie kennt jeden der 400 Kilometer Wanderwege, die durch den 109 Quadratkilometer großen Park führen.

Der Herbst sei die schönste Jahreszeit hier, sagt Nikolina Lucic. Und tatsächlich ist der Anblick des Skradinski Buk, ein über 17 Stufen tosender azurblauer Wasserfall, aktuell äußerst berauschend – und fast kitschig-schön. Wenn sich die Baumkronen am Ufer knallrot und gelb verfärben, erinnert das an die Airbrush-Bilder, die asiatische Schnellimbisse zieren. Hier in Kroatien, am Fuß des Dinaragebirges, kann man die Idylle in echt bewundern. Und kommt man frühmorgens im Spätherbst, hat man den Anblick mit etwas Glück sogar ganz für sich allein.

Die »kleine Hölle«: der Nationalpark Paklenica

So schön kann die Hölle sein

So schön kann die Hölle sein

Foto: Claus Hecking / DER SPIEGEL

»Kleine Hölle« ist die deutsche Übersetzung für Paklenica. Diesen Namen verpassten die Einheimischen dem Gebiet wegen seiner Hunderte Meter tiefen, teils nahezu senkrechten Abgründe. Für Kletterer und Kletterinnen ist der Nationalpark  ein Paradies. Die Ausblicke von oben herab in die Schluchten sind eindrucksvoll.

Wer unter Höhenangst oder Schwindel leidet, sollte auf dem Hauptparkweg bleiben; er steigt nur mäßig an und führt hinein in eine immer wildere Schlucht. Abseits davon kann es schon mal steil und abenteuerlich werden, aber die ausgewiesenen Wanderwege sind in der Regel ordentlich markiert.

Wenn Sie beim Besuch der Schlucht Déjà-vu-Erlebnisse haben, dann haben Sie wahrscheinlich mal einen alten Karl-May-Streifen gesehen. Schließlich wurden im heutigen Kroatien in den Sechzigerjahren mehrere »Winnetou«-Filme gedreht: in Paklenica unter anderem »Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten« und »Unter Geiern«.

Aasvögel wird man hier kaum entdecken, dafür aber mit etwas Glück Falken, Habichte oder Schlangenadler. Und deren Beute.

Mit dem Auto braucht man von Zadar bis zum Parkeingang etwa 45 Minuten; mit Linienbussen gut eine Stunde.

Inselhopping im Herbst: der Kornati-Nationalpark

Lauter kleine Inseln vor der Küste Norddalmatiens

Lauter kleine Inseln vor der Küste Norddalmatiens

Foto: Nino Marcutti / Getty Images

»Am letzten Tag der Schöpfung wünschte sich Gott, sein Werk zu krönen – und erschuf aus Tränen, Sternen und Atem die Kornaten.« So soll es der irische Literaturnobelpreisträger und Oscargewinner George Bernard Shaw einst gedichtet haben. Jedenfalls verbreiten lokale Bootstourenveranstalter unermüdlich dieses Zitat.

Einzigartig sind sie zweifellos: die 89 meist unbesiedelten Inseln, Mini-Inseln und Felsen vor der norddalmatinischen Küste, die zum »Nacionalni park Kornati«  gezählt werden. Jedes Eiland ist anders als die anderen. Und das Wasser ist jetzt noch einigermaßen warm (nur Anziehen sollte man sich nach dem Baden schnell).

Allerdings ist das Archipel nicht jedermanns Fall. Bei trübem Wetter erinnern die meist kargen und steinigen Inseln manch eine Besucherin an öde Mondlandschaften.

Die teils 60 oder 70 Meter hohen Klippen, die aus dem blauen Wasser herausragen, sind beliebte Fotomotive.

Bootstouren lassen sich überall in Zadar buchen, ein Tag kostet um die 50 Euro. Die Fahrt vom Hafen bis zur Inselwelt dauert etwa zwei Stunden.

Gekommen, um zu gucken: der Naturpark Vrana See

Herzstück des gleichnamigen Nationalparks: der Vrana-See

Herzstück des gleichnamigen Nationalparks: der Vrana-See

Foto: Hrvoje Jelavic/PIXSELL / IMAGO

An den »Vransko Jezero«  verschlägt es internationale Touristen nur selten. Zum einen wegen seiner Lage: 40 Fahrminuten abseits der kroatischen Nord-Süd-Autobahn. Zum anderen klingt das Wort Brackwasser-See erst mal nicht verlockend.

Aber gerade die Mischung aus Salz- und Süßwasser macht Kroatiens größtes Binnengewässer einzigartig. Hier tummeln sich Meeres- wie auch Süßwasserfische, ob Hechte, Karpfen, Meeräschen, Seezungen oder Aale. Und Zehntausende Vögel, denen sie Nahrung sind: Möwen, Seeschwalben, Reiher oder Kormorane. Viele Zugvögel beziehen hier ihr Winterquartier.

Die wenigen Urlauber und Urlauberinnen, die außerhalb der Hochsaison in den Nationalpark kommen, sind meist Angler, Vogelbeobachterinnen oder Mountainbiker. Am ehesten begegnet man Menschenansammlungen oder Tourbussen auf dem Aussichtshügel Kamenjak, der etwa 280 Meter über dem »Vransko Jezero« thront. Dafür dürfte der Blick herab auf den bei Sonnenschein grünen See sowie die türkisfarbene Adria, nur ein paar Hundert Meter weiter, zu den schönsten von ganz Kroatien gehören.

Von Zadar ist der Park etwa eine dreiviertel Autostunde entfernt. Linienbusse stoppen an der Haltestelle »Prosika«, wenige Hundert Meter entfernt vom See.

Das große Glitzern: der Nationalpark Plitvicer Seen

Kleine Wasserfälle verbinden die Plitvicer Seen miteinander

Kleine Wasserfälle verbinden die Plitvicer Seen miteinander

Foto: Claus Hecking / DER SPIEGEL

Die Plitvicer Seen sind das Herzstück von Kroatiens meistbesuchtem, gleichnamigen Nationalpark . In Vor-Pandemie-Sommern drängelten sich hier die Menschenmassen. Im Herbst 2021 hat man den Park abseits der Hauptwege oft für sich allein. Und kann ungestört den grünblauen Seen beim Funkeln und Glitzern im Sonnenschein zuschauen, vor der Kulisse des bunten Herbstlaubs.

Einzigartig machen den Park die Wasserfälle und Höhlensysteme, welche die 16 kaskadenförmig angeordneten Seen miteinander verbinden. Sie umfließen und durchbrechen Barrieren aus Travertin, das sind Kalksteinablagerungen.

Reiseinfos für Kroatien

Lufthansa, Eurowings und Ryanair fliegen Zadar direkt von verschiedenen deutschen Flughäfen an, etwa von Frankfurt/Main, München, Berlin, Hamburg, Düsseldorf oder Stuttgart. Im Sommerhalbjahr gibt es deutlich mehr Verbindungen als zwischen November und April. Zadar hat keinen Personenbahnhof. Die Anreise mit dem Flixbus in die Hafenstadt dauert von München aus um die 13 Stunden; mit dem Auto bei normalem Verkehr etwa neun Stunden.

Der Kalk stammt aus dem Karstwasser. Und er lagert sich auch jetzt noch weiter ab, bildet nach und nach neue Barrieren. So verändert sich die Landschaft stetig.

Der Nationalpark ist gut anderthalb Autostunden von Zadar entfernt. Es gibt auch Busse, die Fahrzeit beträgt je nach Verbindung knapp zwei bis drei Stunden.

»Winnetou«-Fans wird auch dieser Nationalpark bekannt vorkommen. Hier wurden »Winnetou 2« und »Winnetou 3« gedreht – und natürlich: »Der Schatz im Silbersee«.

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