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17. Oktober 2018, 05:10 Uhr

Nordlicht-Hauptstadt Tromsø

Gruß von der Sonne

Die Jagd aufs Nordlicht ist angesagt - besonders in Tromsø in Nordnorwegen. Tipps für eine Reise zu den Polarlichtern.

Die Leuchtziffern der Außentemperatur-Anzeige vorne im Bus ändern sich schnell: minus 12 Grad, minus 15, minus 18. Der Reisebus kurvt durch die nächtliche Einsamkeit der schneebedeckten Berge rund um Tromsø.

Je weiter sich die Reisegruppe von der norwegischen Hafenstadt entfernt, umso kühler wird es - und dunkler. Das ist genau so erwünscht, denn die Touristen hoffen darauf, in dieser Nacht Nordlichter zu sehen. Und ohne künstliches Licht steigen die Chancen.

Das Naturereignis ist eine Art Gruß der Sonne, der auf der Erde in den kalten Polarregionen seine schönsten Formen zeigt. Die Sonne strahlt nämlich nicht nur Wärme und Licht ab, sondern auch Plasma. Die elektrisch geladenen Teilchen erreichen in der Regel nach mehreren Tagen als Sonnenwind die Erde. Dort wird die Masse der Teilchen vom Magnetfeld abgelenkt und zu den Polen umgeleitet.

Über den Polen kann der Strom besser in unsere Atmosphäre eindringen. Dann stoßen die Teilchen auf Sauerstoff- und Stickstoffatome. Diese werden erst aufgeladen und geben die Energie dann wieder ab: in Form von Licht. Die Farbe des Nordlichts - grün, rot, violett-blau - hängt stark von der Art der betroffenen Atome ab.

Schweden, Island, Norwegen und Finnland streiten um die beste Lichtshow

Die Gruppe im Reisebus fährt zu einer einsamen Hütte. Es gibt heiße Getränke, ein Feuer zum Wärmen und für alle, die leicht frieren, dicke Thermoanzüge. Das Warten kann viele Stunden dauern. An diesem Tag aber nur bis Mitternacht: Der Himmel über den Bergkuppen beginnt zu glühen, aus grünen Bändern scheinen feine Fäden zu Boden zu rieseln. Nicht immer haben die Besucher so viel Glück.

Schweden, Island, Norwegen und Finnland wetteifern darum, wer die beste Lichtshow bietet. Weil für viele Reisende die gute Erreichbarkeit des Ortes wichtig ist, hat sich Tromsø in Nordnorwegen zu einer Art Polarlicht-Hauptstadt entwickelt.

"Angebot und Nachfrage sind in Tromsø in den vergangenen Jahren geradezu explodiert", sagt Hilke von Hoerschelmann, Vertreterin von Visit Norway. Die Hafenstadt nördlich des Polarkreises besitzt einen Flugplatz, viele oft neue Hotels aller Kategorien und ein großes touristisches Angebot - vom Polarmuseum bis zur Eismeerkathedrale mit Mitternachtskonzerten.

Den Boom belegen die norwegischen Reisestatistiken: Zwischen Oktober 2013 und März 2014 wurden in Nordnorwegen - inklusive Nordland und Finnmark, ohne Spitzbergen - 18.964 Übernachtungen aus Deutschland gezählt. Im vergangenen Winter (Oktober 2017 bis März 2018) war die Zahl bereits auf 43.584 gestiegen.

Die Nordlichter sind regelmäßig in den dunklen Wintermonaten sichtbar. Im Sommerhalbjahr sind die Nächte meist zu hell. Für Tromsø raten viele Experten zu Reisen zwischen Ende Oktober bis in den März hinein. Eine Garantie, die Lichter wirklich zu sehen, gibt es trotzdem nicht. Wichtig ist das Wetter: Wenn der Himmel dicht verhangen ist, fällt die Show oft aus. Deshalb ist es sinnvoll, mindestens drei bis vier Tage vor Ort einzuplanen, um die Sichtchancen zu erhöhen.

In Tromsø empfiehlt es sich, nachts mit der Seilbahn auf den Hausberg zu gondeln und dort auf das mystische Licht zu warten. Wer eine Tour an die dunklen Hotspots weit außerhalb spontan plant und nicht von Deutschland aus bucht, kann auf aktuelle Entwicklungen gut reagieren.

Auch Apps wie "My Aurora Forecast - Aurora Alerts Northern Lights", "Norway Lights" und "Northern Lights Aurora Alerts" können bei der Wahl des richtigen Zeitpunkts helfen.

Und wenn der Himmel mal düster bleibt? Gourmets kommen in Tromsø ebenfalls auf ihre Kosten. Nordische Küche ist angesagt, sie kann modern im Restaurant "Smak" mit Austern und etwas traditioneller im "Emmas" mit Fischgratin gekostet werden.

Petra Kaminsky, dpa/kry

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