Paradies in Rosa Italienischer Badeort verbannt Männer vom Strand

Keine Flirten, kein Schauen, kein Anbändeln zwischen den Geschlechtern - der "rosa Strand" des Badeorts Riccione ist ausschließlich Frauen vorbehalten. Ein harter Schlag für italienische Machos und eine Zuflucht für Touristinnen, die sich von Männerblicken verfolgt fühlen.

Männer müssen draußen bleiben – wenn es nicht gerade der muskulöse Bademeister oder nette Friseur ist. Der italienische Badeort Riccione an der Adria hat einen Abschnitt des 80 Kilometer langen Strandes bis Rimini ausschließlich für Frauen - und einige wenige Ausnahmen - eröffnet. Am Eingang des Strands Nummer 134 prangt ein großes Schild mit einem frustriert die Schultern zuckenden Schönling im Badeanzug, mit einem rosa Balken fett durchgestrichen. Hunde dagegen, die normalerweise auf solchen Verbotsschildern zu sehen sind, sind zugelassen.

Auf dem geschützten Areal wird aber auch Kindern der Zutritt verwehrt, auf die müssen Väter und Großeltern nun alleine aufpassen. "Ich habe meinen Mann und meinen Sohn zurückgelassen", sagte Cinzia Donati, eine 43-jährige Hausfrau aus Mailand, der italienischen Zeitung "La Stampa, "und ich fühle mich, als ob ich im Paradies angekommen wäre." Sie schwärmt von der Eleganz, der Sauberkeit und der guten Organisation: "Perfekt für uns Frauen." Sie genieße es, nicht ständig begafft zu werden: "Männer denken, sie seien unverzichtbar, aber sie sind es nicht."

Der Rettungschwimmer muss männlich sein

Das Personal für Fitness- und Schwimmkurse in der fast ausschließlich rosa gestalteten Badeanstalt ist weiblich wie auch der Beach DJ. Im Restaurant werden leichte Mahlzeiten für figurbewusste Kundinnen serviert, verpönt sind traditionelle Strand-Snacks wie Calamaris oder Pommes frites. Außerdem können die Frauen sich ungestört bei Maniküre und Pediküre verschönern lassen und an Benimm- und Kochkursen teilnehmen.

"Wir wollen Frauen einen Strand mit Dienstleistungen und Beschäftigungen anbieten, die nur für sie gedacht sind", sagte Veranstalter Francesco Di Biase. Die einzigen Männer, die geduldet werden, sind ein Friseur und der Rettungsschwimmer: "Man braucht Männer, um Frauen zu retten", sagt Fausto Rivaglia, Veranstalter von Schönheitswettbewerben und Ideengeber des rosa Strands, "es ist eine Sache der Muskeln."

Rivaglias Tochter Francesca, 22, die den Strand betreibt, sagte der Zeitung: "Das Leben ist immer noch ziemlich hart für Frauen in Italien. Die Männer lassen uns nicht in Ruhe." In Riccione "starrt dich niemand, um zu sehen, ob du schon Cellulites hast. Du musst dich nicht in einen Sarong wickeln, um deine Fehlerchen zu bedecken", wirbt Rivaglia. "Männer sind so kritisch. Wir können nicht alle Miss Italy sein." Dafür war eine unzweifelhaft schöne Schauspielerin bei der Einweihung am vergangenen Wochenende dabei: die Schauspielerin Karima Adebibe, das neue Gesicht der Videospielheldin Lara Croft auf Promotion-Touren.

Auch Zuflucht für Musliminnen

Bereits im vergangenen Jahr hatte ein Hotelbesitzer in Riccione angekündigt, diesen Sommer für muslimischen Touristinnen abgetrennte und sichtgeschützte Strandabschnitte einzurichten. Der nur wenige Kilometer von Rimini entfernt Badeort hat seit einiger Zeit einen großen Zulauf von schwerreichen Gästen aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, vor allem aus Dubai. Die Musliminnen gehen an den öffentlichen Stränden nur nach Sonnenuntergang und von Kopf bis Fuß bekleidet ins Meer. Der rosa Strand bietet nun auch den arabischen Frauen Zuflucht: An einem wiederum extra abgeteilten Abschnitt können auch sie in Badeanzügen und Bikinis die italienischen Sonne genießen.

abl

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